Editorial Spex #339

Patrick Klose, Jan Wehn, Arno Raffeiner, Thomas Vorreyer, Jacqueline Krause-Blouin, Matea Prgomet, Torsten Groß, Anna Liska, Andreas Wesle (v.l.)

Liebe Leserinnen,
liebe Leser,

An einem sonnigen Tag im Mai, der ja angeblich alles neu macht, unternahm die neue Spex-Redaktion (Foto) in den Wirren der Endproduktion einen kleinen Ausflug: Der Fotograf Erik Weiss hatte sich in den Büroräumen umgesehen, diese für ungeeignet befunden und schließlich die komplette Mannschaft auf die Straße beordert. Dort wurde eine halbe Stunde dirigiert und umgestellt, ehe ein geeignetes Motiv zustande kam.

So angenehm ging es längst nicht immer zu in den vergangenen Wochen: Christian H. Meier, Redaktionsleiter von Zenith – Zeitschrift für den Orient, interviewte für Spex den syrischen Philosophen Sadik al-Azm. Über seine Heimat sagt Al-Azm, ihm sei schon immer klar gewesen, dass es »nur ein Streichholz« brauche, »damit alles hochgeht«. Nun: »Hoch gegangen« war es bereits vorher – die Gewaltexzesse des Assad-Regimes gegen das eigene Volk, die parallel zur Drucklegung der Ausgabe ihren Lauf nahmen, stellten aber alles Bisherige in den Schatten.

Ein auf andere Weise tragisches Ereignis war der Tod von Beastie Boy Adam »MCA« Yauch. Während die ersten Nachrufe geschrieben wurden, überlegten wir, wie man diese auch für die Spex-Geschichte so wichtige Band würdigen könne. Immer wieder fiel unser Augenmerk dabei auf den jüdischen Background der Beastie Boys. So entstand die Idee zu einem großen, von Terry Richardson fotografierten Titel, welcher die Verdienste der Beasties ebenso würdigt wie er der Frage nachgeht, wie stark die Popkultur generell in jüdischen Traditionen wurzelt.

Dass es einen solchen Einfluss gibt, beweist nicht zuletzt das Werk von Allen Ginsberg, der seine eigenen jüdischen Wurzeln stets als maßgeblich bezeichnet hat. Entsprechende Hinweise können einem Band entnommen werden, der in Auszügen den Briefwechsel zwischen Ginsberg und Jack Kerouac enthält und nun endlich auf Deutsch erscheint. Anlass für die Veröffentlichung ist die Neuverfilmung von Kerouacs Meisterwerk On The Road. Barbara Schweizerhof war auf den Filmfestspielen in Cannes, wo sie den hierzulande erst im Herbst anlaufenden Film als eine der ersten gesehen hat, und übermittelte von dort aus ihre Eindrücke nach Berlin.

In Jack Kerouacs ehemaliger Heimatstadt New York lebt auch Laurel Halo, deren Debüt Quarantine »Album der Ausgabe« ist. Es entwickelte sich ein reger Austausch mit der Sängerin, der darin gipfelte, dass Halo, die sich gerade in Berlin aufhielt, einen spontanen Besuch in der Redaktion ankündigte. Wir warteten gespannt, doch sie erschien dann doch nicht. Zuverlässiger war die Frau beim Interviewtermin mit Tim Caspar Boehme, der im Gespräch mit ihr unter anderem die Stadt Detroit und ihre musikalische Tradition als wichtigen Schlüssel zum Verständnis von Halos Sound-Entwurf erkannte.

Ein Thema, das sich durch die Ausgabe zieht wie ein roter Faden: So berichtet Paul Smith in der Maxïmo-Park-Reportage von einem Besuch im Motown-Museum, und Klaus Walter, der in diesem Heft mit seiner neuen Plattenkolumne »Gegenwartskunde« debütiert, schreibt eben dort über ein Konzert von Fela Kuti in der Motorcity. Und noch ein weiterer Kolumnist feiert in dieser Spex Premiere: Seit vielen Jahren bricht Johnny Haeusler in seinem Weblog Spreeblick mit hohem Sachverstand und ruhiger Hand scheinbar komplexe Sachverhalte aus der Welt des Musikgeschäfts auf allgemein verständliche Kernthesen herunter. Ab sofort wird er das so ähnlich auch in Spex tun – in dieser Ausgabe mit einem Nachklapp zur Urheberrechtsdebatte.

Schließlich und endlich richtet Spex-Urgestein Joachim Ody im Plattenteil den Blick auf Polen, bekanntlich eines der Gastgeberländer der »UEFA Euro 2012«™ – früher sagte man Europameisterschaft –, die bereits in vollem Gange sein wird, wenn diese Ausgabe erscheint. Viel Spaß damit!

Torsten Groß

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4 KOMMENTARE

  1. Warum werden eigentlich die Spex CDs nicht bei CDDB eingetragen, CDs wie die von dem aktuellen Rolling Stone hingegen schon? Könntet ihr nicht dafür sorgen? Wäre super praktisch, nicht alles per Hand eingeben zu müssen!

    • So, die neue Ausgabe ist im Druck, was uns zu dieser Frage bringt: Normalerweise waren die Abonnenten schlichtweg schneller mit der Eingabe. Wir haben jetzt aber die Rohfassung bereits katalogisiert. Wer seine SPEX N° 340 dann also in den Händen hält und CD N° 104 einlegt, bekommt alle Daten automatisch.

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