Ebow „Komplexität“ / Review

Ebow muss gar nicht über die 2Pac-Poster in ihrem Kinderzimmer rappen, damit man ihr die Liebe für die Neunziger anhört. Ihr Album Komplexität klingt trotzdem keineswegs angestaubt – die Referenzen reichen viel weiter.

Auf ihrem selbstbetitelten Debütalbum schwärmte Ebru Düzgün 2013 im Song „Meine Jahre“ von den TLC-, 2Pac- und Run-D.M.C.-Videos, die während ihrer Kindheit auf MTV liefen. Auch auf dem Nachfolger Komplexität hört man ihre Liebe für Rap und R’n’B der Neunziger – dafür müsste Ebow gar nicht erneut über 2Pac-Poster in ihrem Kinderzimmer singen. Doch weil der Rap dieses Jahrzehnts eh nie weg war und der R’n’B gerade ein Comeback erlebt, klingen diese Anleihen weniger angestaubt als die zehn Jahre jüngeren Culture-Clash-, Dancehall- und M.I.A.-Einflüsse, die auf Komplexität Stücke wie „Punani Power“ und „Bad Lan“ prägen.

Deutsche, türkische, arabische und englische Begriffe werden zu assoziativ-sprunghaften Reimketten.

Dafür zeigt Ebow, die aus München stammt und in Wien Architektur studiert, in diesen Tracks ihre Stärke als Texterin, wenn sie deutsche, türkische, arabische und englische Begriffe sowie ein Potpourri popkultureller Referenzen zu assoziativ-sprunghaften Reimketten reiht: „Yolo, du bist solo / Vogue für die Vogue / Promo / Breche das Game / Yoko Ono / Wir bringen jetzt fresh back / Yalla Habibi, go go“. Im Vergleich zu diesem kreativen Chaos, das an Celo & Abdis Sprachwirrwarr erinnert, wirken die Texte der explizit gesellschaftskritischen („Baba Bak“) und politischen Songs („Asyl“) etwas verkrampft: „Ja, ich bin anders, aber alle andern auch / Also sind wir wieder gleich, merkt man nur kaum.“ Hier wünscht man Ebow die Leichtfüßigkeit, mit der sie gleich zu Beginn von Komplexität das genretypische Intro-Geplapper nahtlos in die erste Strophe von „Ghetto Rave“ überführt.

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