Doppelreview: Metz „Strange Peace“ vs. Aivery „Because“

Zwei Alben: Beide sind sich für Hassparolen zu schade. Dafür aber: ein Aufbruch ins bessere Leben, das es ganz sicher gibt – man muss sich nur von dem alten Scheiß verabschieden.

Dass Wut jede Menge kreative Energie entfesseln kann, war nicht ohne Grund der Aufhänger der letzten Ausgabe dieses Magazins. Die Rechnung ist einfach: Die Welt ist am Arsch, und dieses Gefühl muss raus. Schwieriger jedoch: Die Frage, wie man den Ausbruch konstruktiv nutzt.

Die trotzige Antwort auf ungebetene Fragen heißt schlicht „Because“: Wir machen das, weil wir wollen. Punkt.

Das kanadische Trio Metz kanalisiert das diffuse Gefühlsgemisch aus Zorn und Unsicherheit auf ihrem dritten Album Strange Peace in: Richtig, Noise. Wer die beiden Vorgängeralben kennt, weiß, dass Alex Edkins, Hayden Menzies und Chris Slorach keine brachialen Prügelrocker sind – mit Metz taucht man in elastischen, wuchtigen, emotionalen Lärm, in ein Bad aus verzerrtem, variationsreichem Klang. Politisch bewusste Skeptiker waren die drei dabei zwar schon immer, so konkret, fatalistisch und pointiert wie auf dem von Steve Albini produzierten Strange Peace klangen sie jedoch noch nie. Die Single „Cellophane“ etwa entwirft ein düsteres Szenario, das allerdings nicht apokalyptisch verstanden werden will. Im Gegenteil: Metz erkennen noch im dreckigsten Schlammtümpel zarte Keime der Hoffnung. Man muss sich nur vertrauensvoll ins Krachkunstwerk fallen lassen.

Auch Aivery aus Wien bauen auf die puristische Kraft von Bass, Schlagzeug, Gitarre und Gesang, das klassische Rock’n’Roll-Instrumentarium also, dem nichts hinzuzufügen ist außer einer heftigen Drehung am Lautstärkeknopf. Wegen der Kombination aus schwerem Lärm und kämpferischem Aufbegehren ist man leicht versucht, Franziska Schwarz, Doris Zimmermann und Jasmin Rilke als Riot-Grrrl-Erbinnen zu bezeichnen, aber es sind gerade solche Schubladen, in die Aivery nicht wollen – und auch nicht passen. Ihre trotzige Antwort auf ungebetene Fragen heißt schlicht „Because“: Wir machen das, weil wir wollen. Punkt. Wie Metz sind sich auch Aivery für Hassparolen zu schade, sie nutzen die knappe halbe Stunde ihres Debütalbums für einen Aufbruch ins bessere Leben, das es ganz sicher gibt, man muss sich nur von dem alten Scheiß verabschieden. Songs wie „Disregard“ und „Long Shot“ bauen zwar auf Grunge und Noise auf, treten aber jegliche Erwartungshaltung in die Tonne. Schon irgendwie riot.

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