„Die Steiermark hasse ich am allerwenigsten“ – Elfriede Jelinek und andere beim Steirischen Herbst / Rückblende

Dope Saint Jude

An den nächsten Tagen bietet Simon Mayer mit Oh Magic einen Mix aus Konzert und Fluxus-Performance, doch bleibt am Ende nicht viel außer der Freude der vierköpfigen Band, sich nach und nach auf der Bühne auszuziehen. Es gibt kleinere Formate wie das Biodesign-Lab von Yoko Shimizu mit ihren Bakterien-Graffiti oder der DJ-Gespräch-Tanz-Duft-Mix von Isabel Lewis On Occasion, die noch wirken wie Vorstudien zu größeren Projekten.

Außerdem: zwei besonders sehenswerte Produktionen. Kicking The Dead lautet der Titel einer Ausstellung des libanesisch-US-amerikanischen Künstlers Walid Raad. Dabei inszeniert der Trickster eine Fülle an Fakten zwischen Wahrheit, Halbwahrheit und Fiktion, die am Ende die Realität schimmern lässt in allen Farbtönen, wie es das Internet eh schon tut: Eine Reise in die Hintergründe einer New Yorker Kunsthochschule, dem demnächst eröffnenden Louvre Abu Dhabi und der internationalen Finanzwirtschaft. Dope Saint Jude kickt die Show beim ersten Abend der Konzertreihe Soundtracks, die von Torstraßenfestival-Mitgestalter Norman Palm zusammengestellt worden ist. Dope Saint Jude kommt mit einer DJ und zwei Tänzern, ist extrem schön und rappt ober-tight über black girl power und attitude. Die Beats haben Old School, Trap und Grime intus, und: erinnerungswürdige Refrains. Das ist Energie für die Kinder der Lebendigen!

der Trickster Inszeniert eine Fülle an Fakten zwischen Wahrheit, Halbwahrheit und Fiktion, die am Ende die Realität schimmern lässt in allen Farbtönen.

Dass die Kinder der Toten so präsent sind, liegt an diesem sonnigen Frühherbst-Wochenende nicht nur an den sozialen Entwicklungen in Österreich, Europa, Welt. Es liegt auch an der Offenheit der Nobelpreisträgerin und somit Literaturszenestar wider Willen Elfriede Jelinek, mit diesem Festival zusammenzuarbeiten. Sie lässt Pavol Liska und Kelly Copper vom Nature Theatre Of Oklahoma das Drehbuch schreiben zu einem Super-8-Stummfilm auf Grundlage ihres Romans, verfasst einen Beitrag einer Sonderpublikation des Festivals und gibt sich in einem Interview mit der Intendantin Veronica Kaup-Hasler ungewohnt menschenfreundlich: „Die Steiermark hasse ich am allerwenigsten“, lässt sie sich da entlocken.

Steirischer Herbst
bis 15.10. Graz, Österreich – diverse Spielorte
www.steirischerherbst.at

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