Die Nerven unterwegs

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Wenn eine Gegenwartsschrammelband es schafft, zu polarisieren, ist die halbe Miete wohl bereits geleistet. Über das Debüt Fludium der Stuttgarter Gruppe Die Nerven hieß es in der Rezension dieses Magazins, ihre Wut sei »aufgesetzt«, ja, mitunter »unangenehm kalkuliert«. Teile der Redaktion sehen das allerdings anders bzw. in dem Trio eher eine erfreuliche Ausnahmeerscheinung, die durchaus subtil den Mittelfinger in schmerzende Wunden zu legen weiß – etwa im feinsinnigen »Irgendwann geht's zurück«. Weshalb SPEX die aktuelle Tour der Band präsentiert.
   Gerade herrscht dort Halbzeit: Chemnitz, Berlin, Solingen und das heimatliche Stuttgart stehen noch aus. Zuvor wurde um 1. April für einen Tag die Cover-EP Kartoffel ins Netz gestellt, auf der sich nach der grandiosen Nerven-Interpretation von Lana Del Reys »Summertime Sadness« nun jedes Bandmitglied an einem eigenen Cover versuchen durfte. Mit Annett Louisans »Das Spiel«, Silbermonds »Durch die Nacht« und »Ein Stern (… der deinen Namen trägt)« von Nik P. waren nur ausgesuchte Scheußlichkeiten dabei. Und Sänger Max Riegers Version mit angezogener Handbremse des letzteren ist nachfolgend zu hören (via M&A).
   Dort ist auch das Video zu »Irgendwann geht's zurück« zu sehen, bei dem sich die Männerband (Wir sehen: Der Begriff liest sich wirklich abgründig besch… und sollte deshalb zu denken geben.) von drei jungen Darstellerinnen vertreten ließ. Abschließend noch ein Faktencheck: »57% aller Musikvideos zeigen Frauen ausschließlich als dekoratives Sexualobjekt.«, behauptet eigangs ein weißgeschminkter Mann vor nackter weiblicher Brust. 1987 fanden Vincent, Davis und Boruszkowski heraus, dass 57% aller Rock-Musikvideos auf MTV Frauen aus einer »herablassenden« bzw. »patronisierenden« Perspektive zeigen (und 8% sogar männliche Gewalt gegen Frauen). 1999 kam Susan Alexander auf den gleichen Wert für damals aktuelle Videos, diesmal für jene, die Frauen ausschließlich in »konventionellen« Rollenbildern zeigten. Gedreht wie gewendet: Das Gros bleibt bis heute unerfreulich und eine halbnackte Frau in Pose als Videovorschaubild ist derzeit wohl das einträglichste Promomittel eines Musikvideos bei Youtube. Ein Konzertbesuch kann da erste Abhilfe schaffen.

SPEX präsentiert Die Nerven live
04.04. Chemnitz – Atomino
05.04. Berlin – Naherholung Sternchen
06.04. Solingen – Waldmeister e.V.
27.04. Stuttgart – Self Service

1 KOMMENTAR

  1. ich interpretiere den move an stelle 2:34
    einfach mal als cro diss.

    in gewisser weise ist das video ja auch eine korrektur des cro videos easy.
    zum guten nämlich.

    danke für diesen schönen artikel. die sache mit der „männerband“ gibt wirklich zu denken…

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