Die Antwoord Donker Mag

Die Antwoord Donker Mag. Schwierige Sache. Business-Punk der alten KLF-Schule, zu genießen mit doppelter Energiebrausevodka mit Crack.

Wir wissen: Die Eskimos – die ja eigentlich Inuit genannt werden sollen, aber what the fuck oder, um meine liebe uralte Mutter (früher »Nazimutter« genannt) zu zitieren: »Wieso nicht Neger sagen, die heißen doch so?« – haben zirka 66 Worte für »Schnee«, und das ist sicher auch sinnvoll. Sollten wir hier also nicht mindestens 666 Worte für »Sarkasmus« haben? Beginnend bei der Schärfentiefe gegenüber »Zynismus« und »Ironie« bis hin zu einmal Harald Schmidt und zurück. Auch das südafrikanische Duo Die Antwoord bietet ungemein gutes Terrain, um das Thema zu erläutern. Da ist zum Ersten der spezifische Humor des Duos (die beigelegte Werbebroschüre spricht von »makaber«). Als Randnotiz gibt es auch den Witz des Redakteurs, der mir den Auftrag für diese Rezension gab (»Wäre das was für eine Vodou-Behand- lung?«), wohl wissend, dass ich meine Aufgabe auf dieser Erde nach Jahren der unheimlichen Propagierung von Slayer, Geto Boys, Aphex Twin (nicht Marylin Manson!) in der Vermittlung positiver Energie sehe. Und dann ist da meine gespaltene Persönlichkeit, die aufgrund einer tagesaktuellen Mischung aus Ekel und Interesse dem Angebot zustimmt und sich so sehr darauf freut wie auf ein weiteres Foto kunstvoll erbrochenen contemporary white Trashs oder auf ein AA-Finger-Selfie meines frühpubertierenden Sohns. Alltag in dieser schönen Metropole. Ommmm.

In echt kenne ich Die Antwoord dank eines sich trotz Midlife-Alter renitent anal-rotzig inszenierenden Kumpelz (mit »z«), der gerne mit hoch blähender Enduro Punktlandungen sportet. Da durfte/musste ich mir das vor Jahr und Tag reinziehen, in der besonders empfehlenswerten E-Mail-Kategorie »ohne Worte«. In extra-special-deluxe-echt möchte ich diesen Text gerne mit gutem Gefühl beenden und dabei auf keinen Fall Werbung für diese Kunst machen – was gar nicht so leicht ist, wenn man wertneutral auf »derbe« (intellelluschwul für: »Intensität«) steht. Aber genau darum geht es: In der Mitte der 666 Planeten des sonnenfernen Systems »Sarkasmus« verläuft eine unsichtbare aber ultra-wichtige Linie. Es ist die Linie, die alle, die irgendwo Altersempfehlungen draufdrucken oder sich sonstwie anmaßen, zu wissen, was gut ist für junge Synapsensysteme, unterbewusst klar haben müssen. Die Linie, die jede Dialektik zu Themen wie »Ego-Shooter«, »Casting-Show«, »Hassprediger« und gescheiterten Entwürfen wie Eminem oder Jan Delay überflüssig macht. Dafür ist Die Antwoord fast so gut wie Tarantino-Filme für das jeweilige Genre, das sie updaten. »Zef Kultur«: hierzulande durch Dieter Bohlen, alle Erstligafußballer und Die Geissens vertreten. Ninja und ¥o-Landi Vi$$er sind bekanntlich die Mad­Max- Version und zugleich Business-Punk der alten KLF-Schule: trotz dicker Major-Angebote hat man mit Zef Recordz (!) alles wieder in eigener Hand. Die Ende Mai in Nordamerika gestartete Welttournee war in kürzester Zeit ausverkauft.

So. Und jetzt mischen wir uns einen doppelten Energiebrausevodka mit Crack und überlassen die »Plattenkritik« dem oben genannten Kumpel – »Puh, erzeugt nur noch ein Restgrinsen, ansonsten geht’s auf’n Sack … Erste Scheibe piekste, zweite nicht mehr, die jetzt sorgt auch für keine Regung. Sie Voll-Micky-Maus-Stimme, er wie immer, Kirmes-Beats langweilen« – und ziehen uns endlich die neuen Videos rein. Vuvuzelallah!

SPEX präsentiert Die Antwoord live:

19.01. Köln – Palladium
21.01. München – Zenith
23.01. Berlin – Columbiahalle
26.01. Offenbach – Stadthalle

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