DeVotchka

Ob Balkan-Pop, Bukowina-Beat oder Gypsy-Punk – das lustvolle Hybridisieren und Ausdehnen des musikalisch-geographischen Horizonts liegt bei Indie-Poppern derzeit zweifelsohne im Trend. Die nomadisierende vierköpfige Multiinstrumentalistenband DeVotchka operiert von Denver, Colorado, aus, ist aber in aller Herren Ländern zu Hause, wenngleich Südosteuropa und Mexiko zu den bevorzugten musikalischen Reisezielen zählen dürften. Ihr drittes Album »How It Ends« erschien bereits 2004 in den USA und dürfte seine diesjährige Veröffentlichung in Deutschland dem Kinoerfolg von »Little Miss Sunshine« (2006) verdanken, dessen Soundtrack zu weiten Teilen von DeVotchka bestritten wurde. Auf »How It Ends« kreieren zu Walzer, Marsch und Polka aufspielende Mariachi-Trompeten, Flamenco-Gitarren, Violinen, Akkordeons, eine Bouzouki, das tuba-artige Sousaphon und allerlei aberwitzige in Zigeunersauce getunkte Perkussivinstrumente eine zwischen Lebensfreude, Melancholie, Wehmut und Säuferseligkeit oszillierende Stimmung. Auch die Vergangenheit als Begleitband für Varieté-Shows lässt sich heraushören.

    Das Ganze erinnert von fern an Beiruts »Gulag Orkestar« (2006), weniger angeprollt-volksfeststimmungshafte Gogol Bordello und hinsichtlich der zahlreichen so einfachen wie wirkungsvollen Flamenco-Gitarren-Stakkati sogar an das 1993er Debüt der Tindersticks. Darüber hinaus wird Yann Tiersens temporeicher akkordeonbasierter Minimalisten-Pop, der mit Repetition-Variation-Patterns arbeitet und die größte Verbreitung auf dem Soundtrack zu »Le Fabuleux Destin d´Amélie Poulain« (2001) gefunden haben dürfte, auf »Charlotte Mittnacht (The Fabulous Destiny Of …)« – wie man bei dem Untertitel wohl sagen muss – zitiert. Der teils etwas radebrechende, meist englische, sehnende Gesang Nick Uratas ist nie allzuweit vom Schluchzen entfernt und nimmt nach dem Credo ›geht nicht – gibts nicht‹ mutig technisch schwer zu erreichende Höhen in Angriff, was auf die Dauer eventuell etwas polarisieren dürfte.

    Wenngleich der völkerverständigende Pizza-Gedanke, dass alles, was als instrumentale und musikhistorische Zutat zuhanden ist, auch verwendet oder -wurstet werden sollte, mitunter allzusehr kultiviert wird, heben die ergreifende Melancholie der meisten DeVotchka-Stücke sowie ihre filigrane Umsetzung durch live gewiss atemberaubende Vollblutmusikanten die Band über die tagesaktuelle Neo-Weltmusik-Hausse weit hinaus.

LABEL: Anti

VERTRIEB: SPV

VÖ: 03.08.2007

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