Devendra Banhart

Ihr alten Akkorde, ihr seid mir gute Freunde geworden. Schlimm zu sehen, wie oft so lieblos mit euch umgesprungen wird. Hausmeister machen Verwaltermusik, ihr Blut stinkt nach altem Schmieröl. In ihren Gedanken hoffen sie auf Chancen durch Formerfüllung, denn es fällt ihnen nichts Besseres ein. Sie sind zu, Brett vor dem Kopf.
    Devendra Banhart lacht ihnen ins Gesicht, seine Zähne wurden vom Staub der Straßen seiner Wanderjahre poliert. Statt zu verlieren, hat er vieles gesammelt, was er seinen Freunden, den Akkorden, zu berichten weiß. Er zerrt nicht, dauernd fallen ihm neue Dinge ein, es muss nichts zwingen, sondern aus ihm sprudeln – genügend Ideen für zwei beeindruckende Alben in einem Jahr. Es ist noch nicht die Zeit, sich neu zu erfinden, ein Mann im vollen Glanz seiner ersten dokumentierten Schaffensperiode. Klares Gitarrenspiel lädt ein, die alten Freunde wieder mal zu besuchen, sich bei den Tönen niederzulassen und zu staunen, wie da etwas funktioniert: stimmakrobatisch verzierte Gesangsmelodien einer sanft surrenden, nasalen Quäkstimme erzählen bilderreiche Ansichten. Wenig aufgeregt, aber pointiert, wo sein dann fordernder Ton die Akzente setzen will. Ein an Mississippi John Hurt geschultes Erzählen, das wenig mit den Ansichten eines depressiven Briten zu tun hat, dessen Namen ich hier gar nicht hinschreiben mag. Also da singt aus Banhart schon eher Sir Francis Drake, dieses leicht Verwegene blitzt ja auch in seinen Augen und treibt die Musik an. An Bord ist er seine eigene Incredible String Band, mal zwitschern Vögel zu seinen Gunsten, ab und an ertönt ein New Orleans-Bläsermarsch. Alles ein großes Abenteuer, dem man sich anvertraut, ohne viel zu fragen. »Hey there Mr. Happy Squid you move so psychedelically you hypnotize with your magic bands all the animals in the see« – eine passable Selbstbeschreibung. Diese Kraft der eindringlichen Stimme – begleitet von verzauberndem Fingerpicking – macht ihn zum schillernden Prediger. Ähnlich Sufjan Stevens verkörpert Banhart gnädigen Katholizismus in einem von grimmigen Protestanten gezeichneten Land. Deswegen musste er auch fort, nach Frankreich zu seiner Liebsten oder irgendwohin: »Your eyelash was an island and your eye was someones friend« – die Liebe schickt ihre Worte aus.

LABEL: XL Recordings / Beggars Group

VERTRIEB: Indigo

VÖ: 27.09.2004

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