Devendra Banhart Rejoicing In The Hands

Unglaublicher Typ, unfassbare Platte: war sein Debüt auf Michael Giras »Young Gods«-Label noch ein Flickenteppich rudimentärster Skizzen, entworfen auf Four Track-Rekordern, Anrufbeantwortern und durch den Telefonhörer auf Anrufbeantworter überspielte Four Track-Aufnahmen, durchwoben von Overdubs wie Banharts eigener Stimme (wiederum overdubbed mit seiner Stimme), Staßenlärm, Gesprächsfetzen und Gewehrschüssen – eine Art Picking- und Falsetto-gewordene Telefonkrakelei – so könnte man »Rejoicing In The Hands« im direkten Vergleich als Bombastfolk bezeichnen. Meint natürlich in diesem Fall, dass Banharts fiebrig flatterndes Organ weiterhin in erster Linie von vorsichtig gezupften Stahlsaiten begleitet wird – ein schwindsüchtiger Marc Bolan, der in Mississippi John Hurts ausgeleierter Hornhaut Norbert Schramm-Choreografien auf einem Seil, geknüpft aus Nick Drakes Nerven und Tiny Tims Stimmbändern, tanzt … bis zu 5 Minuten lang, ohne Netz und doppelten Boden, gesichert nur durch zirpende Grillenchöre, ein Duett mit Vashti Bunyan, um die Ecke polterndes Schlagwerk, eine einsam Straßenlaternen anheulende Slide und ein von Interpol gesuchtes Streichquartett. Die Texte oszillieren zwischen Surrealismus und William Blake, ziehen Banharts Stimme gleich Ellipse um Ellipse um sich selbst. Doch was sich vordergründig liest wie Cadavre Exquis, erschafft im Kopf Labyrinthe von ausschweifenden Erzählungen. Selten ist es ein kompletter Song, öfter dagegen sind es einzelne Zeilen, gelegentlich sogar lose Wörter, welche auf »Rejoicing In The Hands« die Geschichten erzählen. Geschichten, die sich mit seiner Stimme aus den düstersten Abgründen und Sehnsüchten aufschwingen in luftige Höhen, bis ihnen der Sauerstoff ausgeht und sie gleich Banharts Picking wieder in die Tiefe taumeln. Ich kann mir für den Sommer kaum etwas Erfüllenderes vorstellen, als mit dieser Platte im Kopf bei 35 Grad Außentemperatur im Park gegen die Bäume zu torkeln.

LABEL: XL Recordings / Beggars Group

VERTRIEB: Indigo

VÖ: 24.05.2004

HINTERLASSEN SIE EINE ANTWORT

Please enter your comment!
Please enter your name here