Der Einbruch des Pop in die moralische Anstalt

Der Einbruch des Pop in die moralische Anstalt
Christian Friedel, singend, als Hamlet am Staatsschauspiel Dresden   FOTO: Matthias Horn

Die reine Musik bringt nichts mehr ein, die Künstlerinnen suchen nach neuen Geldquellen und finden sie seit langem auch an und im Theater. Gleichzeitig bieten sich dort natürlich auch neue Ausdrucks- und Verquickungsmöglichkeiten. Und schon seit Jahr(zehnt)en, seitdem Pop in den Kulturkanon aufgenommen wurde, dienen Hits und Klassiker den Schauspielensembles als neue Verstärkungsmittel, Schnittstellen zum Außenleben. Da baute Lars Eidinger als Hamlet etwa nach dem Tode Adam Yauchs einen Beastie Boys-Rap in die Schaubühnen-Aufführung ein, um des Toten spontan zu gedenken. Oft allerdings werden einem Songs wie »(You Gotta) Fight for Your Right (To Party!)«, »Anarchy in the U.K.« und dergleichen in pseudo-rebellischer Kostümvesion vor den eigenen Augen ausgelutscht. Vom unsäglichen »We Will Rock You« ganz zu schweigen.
   Was kann da erst noch eine echte Band anrichten, die nun ebenfalls im Stück auftritt? Oder, um das Heft wieder aktiv in die Hand zu nehmen: Was kann Musik, ob live gespielt oder aus der Konserve, gegenwärtig im Theater an Erkenntnisgewinn leisten? Wie können sich Text und Musik neu verdichten lassen, auch um ein politisches Moment zu erzeugen? Und zu welchen Grad sollte die Trennung zwischen Musik und Schauspiel bzw. deren Akteuren aufgehoben werden? 
   Während etwa Cocorosie gerade Peter Pan am Berliner Ensemble mit inszenieren und Schorsch Kamerun jüngst ein ganzes Album seiner überwiegend in Theaterproduktionen enstandenen neuen Stücke veröffentlicht hat, diskutieren diese Fragen am morgigen Freitag, dem 19. April, im Staatsschauspiel Dresden (Kleines Haus 1) Christian Friedel, Kante-Sänger Peter Thiessen, SPEX-Redakteurin Jacqueline Krause-Blouin und Theater der Zeit-Redakteurin Dorte Lena Eilers. Es wird um den Einbruch des Pop in die moralische Anstalt gehen, um die »dionysischen Qualitäten« (Friedrich Kittler) heutiger Popstars, aber auch um die aktuelle Hamlet-Inszenierung am Staatsschauspiel, für die Schauspieler Friedel und seine Band Woods Of Birnam die Musik geschrieben haben. Im Anschluss an die Diskussion gibt es deshalb ein Veröffentlichungskonzert der Hamlet Live EP. Für lebendige Anschauungsbeispiele wird also gesorgt.

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