Deerhoof Breakup Song

Deerhoof »Breakup Song«
Deerhoof
Breakup Song
ATP / Indigo

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Immer gerne gehört als Topos der Popkultur: der Trennungssong. »Ein Ende kann ein Anfang sein, auch für dich.« Was bei Roland Kaiser noch mit ordentlich uplifting Pathos und Selbsthilfelyrik zugekleistert ist, klingt auf Breakup Song, dem elften Studioalbum von Deerhoof, komplett schmerzbefreit: Trennung als Spaßbeschleuniger. »When you say it’s all over, when you say it’s all over, hell yeah, hell yeah, hell yeah, hell ye-ye-yeah!«, singt Satomi Matsuzaki freudvoll über dem von Platte zu Platte neu geformten und dabei doch sofort wiedererkennbaren dekonstruktiven Rock des Quartetts (das ab morgen auf Tour geht).

   Nachdem die 1994 in San Francisco gegründete Band es mit der ihr zugeschriebenen Noise-Affiliation noch nie bierernst nahm, hat sie sich nun den ohnehin stets mit im Boot sitzenden Pop dick auf die Fahnen geschrieben – und es passt zur quirkiness von Deerhoof, dass die stellenweise vor Euphorie platzenden Songs ziemlich genreuntypisch anstelle von Depristimmung das Freiheitsgefühl nach dem »Breakup« zelebrieren. Und natürlich wären Deerhoof nicht Deerhoof, wenn sie, die von Fans dafür geliebt werden, dass sie »experimentelle Musik machen ohne den ganzen Scheiß, der an experimenteller Musik nervt«, das gute alte Bettlaken Pop nicht bis in alle erdenklichen Ecken dehnen würden. Die stolpernden Rhythmuswechsel, die statt der Melodien mit kalkulierter Arhythmie die Songs tragen, der atonale Art-Pop mit all seinen chaotischen Dissonanzen, die Mischung aus jazziger Ästhetik mit Metal-Intensität, der nur scheinbar kindliche, schiefe Gesang von Matsuzaki, das Changieren zwischen belebender Nerv- und Nerdmusik sind als klassische Deerhoof-Stilelemente selbstverständlich nach wie vor an Bord – geschenkt.

   Obendrauf gibt es jetzt aber noch die durchdringenden Europop-Trash-Fanfaren in »Zero Seconds Pause«, retrofuturistisches Synth-Gehüpfe in »Bad Kids To The Front«, Allusionen an süßlichen fernöstlichen Pop in »Mothball The Fleet« oder kubanische Standardtanzrhythmen in »The Trouble With Candyhands«. Ein unendlicher Spaß, und es ist der altgedienten Band, die von der Kritik für die fehlende Funktionalität ihrer Songs geschätzt wird, auf jeden Fall zu danken, dass der so wichtige Nervensägenaspekt ihrer Musik spätestens beim dritten Hören hinter den Fun-Faktor zurücktritt. Schuld daran ist – wie könnte es anders sein – die gute Postbeziehungslaune. Oder, wie Bassistin und Sängerin Satomi Matsuzaki in »We Do Parties« trällert: »The autojubilator is free of charge!«

   Sicherlich gut gelaunt sind die vier Deerhoof-Mitglieder (Vorstellungsvideos nachfolgend) ab morgen auf Tour. SPEX präsentiert die drei Auftritte im Festsaal Kreuzberg, Berlin, im Bad Bonn, Dudingen, und beim Kölner Week-End Fest – für letzteres verlosen wir hier noch Plätze.

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SPEX präsentiert Deerhoof live
22.11. Berlin — Festsaal Kreuzberg
27.11. Düdingen — Bad Bonn
02.12. Köln — Week-End Fest

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