DAS ALAAF SUPREME PROBLEM

Unweit der alten SPEX-Redaktion auf der Aachener Straße, im Herzen Kölns, liegt der Aachener Weiher. Ein etwa knietiefer quadratischer See, auf dem sich ein paar pensionierte Enten und Schwäne tummeln, an dessen westlichem Ufer das schöne ostasiatische Museum vor sich hinträumt und um den herum sich
So bald die Temperaturen knapp den Nullpunkt nach oben überschreiten, trifft sich hier das ganze multikulturelle Köln zum gemeinsamen Abhängen, Kiffen, Saufen, Ficken und sonstigen Geselligkeiten. Der Tiergarten der Domstadt oder besser: Die schönste innerstädtische Müllkippe. Der darin befindliche Biergarten tut sein Übriges dazu, und genau an diesem Ort sollte heuer der weit über die Stadtgrenzen hinaus bekannte und geliebte Weiberfastnachts-Open Air-Rave stattfinden. Nachdem dieser in den frühen Neunzigern völlig illegal auf dem noch zentraler gelegenen Friesenplatz zur Legende geworden, aber dort kaum noch guten Gewissens durchführbar war, verlegten die Veranstalter, wie sich das für brave Bürger gehört, die Party auf den Hans Böckler Platz in der Nähe des Stadtgartens und meldeten diese fortan bei der Stadt offiziell an. Man sorgte wie verlangt für Sicherheit, Dixies, Absperrungen und Aufräumarbeiten und führte die Party damit in den letzten Jahren zu neuen Höhepunkten des alternativen Karnevals. Doch auch hier wurde man von Nachbarn, Hausmeistern und schließlich auch den Behörden schikaniert und bereitete sich deshalb in diesem Jahr schon sehr früh auf eine neue Lokation vor: Der Aachener Weiher. Das Kulturamt, als Mitveranstalter (!), gab grünes Licht, ein kleines Licht im Bezirksamt gab ebenso seine Erlaubnis, und obwohl bekannt war, dass besagte Mülldeponie ein sogenanntes "Landschaftsschutzgebiet" ist, wurde den Veranstaltern signalisert, dass sie mit der Organisation der Party beginnen könnten. Spätestens seit die mit einem großen Herz vor einer glühenden Sonne gestalteten Plakate und Flyer für "Alaaf Supreme" in Köln zirkulierten, freute sich wenigstens die halbe Stadt auf diesen Tag.

Doch was kann schlechter ausgehen, als ohne die Behörden zu operieren? Genau, es MIT ihnen zu tun: 48 Stunden vor der ersten Bassdrum besann sich das Bezirksamt, als Teil der Stadt Köln ja ausgewiesener Experte in Sachen Mülldeponien (vgl. Trienekens…), auf ihren Auftrag, die Sträucher und Grashalme des Weihers vor dem Niedertrampeln böswilliger und unkultivierter Partyhorden zu schützen und sagte die komplett organisierte Veranstaltung kurzerhand ab.

Das Ende vom Lied: "Alaaf Supreme" wird stattfinden, jedoch nicht im Herzen Kölns, also da wo es hingehört, sondern weitab des Straßenkarnevals auf dem Gelände des Jugendparks (Nähe Zoobrücke, rechtsrheinisch) der durch die alljährlichen Elektrobunker-Parties zur Popkomm einige Berühmtheit erlangte; nicht minder schön, aber natürlich nicht im Sinne des Erfinders. So bleibt nur der Aufruf an alle Kölner, jeden Karnevalstouristen und Durchreisenden: Geht trotzdem hin, lasst Köln-Mitte doch im Sambagruppen- und Kölsche Lieder-Bratwurstschunkel-Terror untergehen. Und pisst ruhig an jedes Auto oder Haus, auf dem "Stadt Köln" geschrieben steht. Sie hat es sich redlich verdient. Alaaf!

Alaaf Supreme: Donnerstag, 27.2. 2003, 14 bis 22h, im Jugendpark Köln/neben der Zoobrücke, rechtsrheinisch.

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