Hyper-technologisierte Menschmaschinen

Ihrem Selbstverständnis nach sind Daft Punk ein Unfall. Das französische Produzententeam, bestehend aus Guy-Manuel de Homem Christo und Thomas Bangaltar, mag mit dem Erscheinen seines Albums »Homework« der damaligen musikalischen Gegenwart von 1997 bereits um Lichtjahre voraus gewesen sein, mit ihrem zweiten Album »Discovery« gelang ihnen endgültig die Transformation in Kunstfiguren. In einem Interview mit dem »Remix«-Magazin sagte Thomas Bangaltar vor drei Jahren, sie hätten sich ihre Wandlung zum Roboter nicht freiwillig ausgesucht: »Es gab einen Unfall in unserem Studio. Wir arbeiteten an unserem Sampler, und um exakt 9:09 Uhr am 9. September 1999 explodierte dieser. Als wir wieder zu Bewusstsein kamen, merkten wir, dass wir zu Robotern geworden sind.«

    Natürlich ist dieser Kommentar augenzwinkernd zu verstehen, schließlich sind die Roboter-Kostüme, die später teilweise von dem Designer Hedi Slimane gestaltet wurden, Ergebnis einer Ablehnung des Star-Kults innerhalb der Popmusik, ein Schutz vor der Öffentlichkeit und Teil eines geschickten Marketing-Konzepts. Dennoch assoziiert man die beiden französischen House-Produzenten heute nur noch mit ihrem Auftreten als hyper-technologisierte Menschmaschinen – und wie popkulturell prägend Daft Punk auch heute noch sind, schlägt sich in zwei aktuellen Projekten nieder.

    Vor kurzem veröffentlichte der 27-jährige Amerikaner Harrison Krix ein Video, das seine rund 17 Monate dauernde Arbeit an einer originalgetreuen, perfekten Kopie von Guy-Manuel de Homem-Christos Goldhelm abbildet. In dem Clip fasste er die einzelnen Arbeitsschritte zusammen: Von der Konstruktion einer Gussvorlage bis zur Programmierung zahlreicher Leuchtelemente gibt sein »How to …« den Entstehungsprozess einer der ikonischsten Kopfbedeckungen der Popkultur wieder. In Serie werden die Helme aber nicht erhältlich sein: Erstens, weil Harrison Krix dies als einmalige Aktion kategorisch ausschließt, andererseits weil das Urheberrecht bei Daft Punk liegt.

    Mit großer Spannung wird außerdem die Fortsetzung zu dem Science-Fiction-Klassiker »Tron« von 1982 erwartet. Das Sequel von Regisseur Joseph Kosinski soll Anfang nächsten Jahres in die Kinos kommen, und auch Daft Punk sollen in dem Film mit den Hauptdarstellern Jeff Bridges, Garrett Hedlund, Olivia Wilde und Bruce Boxleitner ebenfalls einen kurzen Auftritt haben – als MP3-Programme analog zu DJs in dem Nachtclub »End of Line«. Erste Trailer geben jetzt schon einen ersten Einblick auf den komplett in 3D gedrehten »Tron Legacy«, den Soundtrack dazu komponierten Daft Punk. Insgesamt 24 Stücke sollen sie dafür geschrieben haben, sechs davon kann man bereits im Stream hören.

    Losgelöst von den Bildern wirken diese Stücke nun mehr nach konventioneller Monumentalfilmmusik: Wie von Hans Zimmer schon hundertmal gehörte Streicherarrangements konterkarieren schwere, muskulöse Beats und teils kreischende Synthesizer-Klänge, die sich hier allerdings tatsächlich das Adjektiv synthetisch im wahrsten Sinne verdienen.

    Der Soundtrack zu »Tron Legacy« wird am 23. November auf Walt Disney Records erscheinen, der offizielle deutsche Filmstart ist der 27. Januar 2011.

 


STREAM: Daft Punk – »Tron Legacy O.S.T.«


VIDEO: How to make a Daft Punk helmet in 17 months


VIDEO: Tron Legacy (Trailer 2)

Foto: CC | Harrison Krix / Volpon Props / Flickr

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