D.D Dumbo „Utopia Defeated“ / Review

D.D Dumbos Debütalbum liefert Grooves, die eine eigene Poesie entwickeln, die mit der Poesie der Lieder einen komplizierten, spannungsvollen Dialog eingeht.

„Couple o’ new songs with food references“, teilte uns D.D Dumbo 2012 in seinem ersten Facebook-Post überhaupt mit. Geliket hat ihn niemand. D.D Dumbo heißt bürgerlich Oliver Hugh Perry und kommt aus dem australischen Castlemaine, eine Autostunde von Melbourne entfernt. Der junge Mann mit dem freundlichen, ein wenig glasigen, nach innen gerichteten Blick spielte dann ein paar Jahre in Weinbars, in Hotel Lounges. Einmal fiel ein Konzert aus, und er fragte, ob jemand eine Verstärkeranlage zu Hause hat. Keine Antwort.

D.D Dumbo ist ein Einzelgänger, auch in seiner Musik. Er steht allein auf der Bühne, mit einer zwölfseitigen Gitarre, einem Drum Set und Loop Pedalen. Mit diesen Geräten loopt er sich am Anfang jedes Songs blitzschnell einen Groove zusammen. Die Rhythmen scheinen dabei eine Art Interface zu bilden, das Perrys Innenleben vermittelbar macht. Wie er immer eine bestimmte Textzeile wiederholt, erinnert an das unerbittliche Insistieren des Blues. Gleichzeitig scheint sein kontrollierter, eleganter Gesang auf den kunsthochschulsozialisierten, psychedelischen Folkrock von Grizzly Bear oder Animal Collective bezogen. In seinen Texten geht es um drastische, surreale Bilder, bei denen das Poetische im Mittelpunkt steht, nicht das Erzählerische. In seinem Durchbruchssong „Tropical Oceans“ heißt es: „I opened my skull you were looking at me / Oh you and your cousins Chihuahua / We all howled a chord and extended the three / Freddy was there and re-mixed it after“.

Es geht nicht nur ums Fressen, sondern auch um das Gefressen-werden.

Zwei Jahre pendelte Perry fortan noch zwischen Castlemaine und Melbourne. Dann ging alles ziemlich schnell: Er wurde beim SXSW in Austin entdeckt und trat unter anderem beim Pitchfork Festival in Paris auf. Nun erscheint mit Utopia Defeated sein Debütalbum auf 4AD, aufgenommen zusammen mit Fabian Prynn, dem Hausingenieur des Labels. Der wüste, australische Lo-Fi-Rock von „Tropical Oceans“ ist darauf gänzlich verschwunden. Gezähmt klingt Perry deshalb keineswegs. Grund dafür ist der Rhythmus der Platte: Seine Stimme und die Gitarrenakkorde werden darauf nicht vom Drumming geerdet sondern unablässig von komplexen Patterns gebrochen. Die Grooves erinnern an traditionelle südafrikanische und südwestafrikanische Musik. Sie funktionieren nur bedingt als Begleitung der Songs, sie entwickeln vielmehr eine eigene Poesie, die mit der Poesie der Lieder einen komplizierten, spannungsvollen Dialog eingeht.

Utopia Defeated ist ein gelungenes Album. Mit seiner Verortung zwischen einer rockistischen Authentizität und distanzierteren, selbstreflexiven Ansätzen steht D.D Dumbo mitten im Hier und Jetzt. Dennoch scheut er sich nicht, uns mit seinen Eigentümlichkeiten und Verschrobenheiten zu konfrontieren. Auch die „food references“ der frühen Tage hat er nicht aufgegeben. Allerdings sind sie jetzt ziemlich schwarz eingefärbt. Es geht nicht nur ums Fressen, sondern auch um das Gefressen-werden. So heißt es in „Walrus“: „The duck screams out as it chokes on medicine / It’s nature mocked then stuffed and murdered“.

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