c/o pop 2007

c/opopFestivalDer diesjährige Slogan kann durchaus irritieren: ›c/o me‹, wie sich die am Mittwoch eröffnende c/o pop 2007 bewirbt, ist keineswegs als reflexartige Feststellung des Web 2.0 zu verstehen. Auch wenn das New Yorker Time Magazine Ende 2006 den User – »You« – zur wichtigsten Person des Jahres erhob, Messe, Konferenz und Festival in Köln werden dadurch noch lange nicht zur reinen Nabelschau der zweiten Start-Up-Welle. Schon in den Vorjahren wurde das soziale Netz immer wieder in den verschiedensten Formen thematisiert: Von Panels auf der Conference c/o pop bis zum realen sozialen Netzwerken auf den Poller Wiesen bot die c/o pop immer wieder Anlass für Kommunikation, Austausch, Diskurs und Anstoß; sei es im eher nüchternen Business-Rahmen, in der run-down Club-Location oder auf dem Fußballplatz. So ist es denn auch mehr der Lockruf, die Einladung zur Kommunikation vor Ort, der ›c/o me‹ erklärt.

    Dabei ist wie in den Vorjahren das Selbstverständnis der c/o pop klar definiert: Ein urbanes Musikfestival – das wird schon beim ersten Blick auf das Programm deutlich – und kein Wiedergänger der PopKomm. Über fünf Tage verteilen sich Open-Air-Konzerte, Club-Nächte und Showcases verschiedenster musikalischer Spielarten über das ganze Stadtgebiet, den zentralen Veranstaltungsort stellt wieder die Festivalzentrale im RheinTriadem dar. Die frühere Königliche Eisenbahndirektion am Konrad-Adenauer-Ufer stellt nicht nur die Räumlichkeiten der Affair (Messe) und Konferenz, sie ist auch zentraler Begegnungsort, Club, Rundfunkstudio, Konzertsaal und Bar. Die Architektur des historischen Gebäudes macht diese Vielfalt möglich. Der große, von einer Galerie eingefasste Eingangsbereich mit der ca 10 Meter hohen Decke, die Wendeltreppe zum Lounge-Bereich im ersten Stock, die vielen kleineren Räume mit Barbetrieb, Tisch-Kicker und Ausstellungsfläche sowie der bis zur Decke verspiegelte Eingangsbereich: All dies lädt zu verschiedenen Formen der Begegnung, Beschallung und Bespielung ein.

c/opop    Parallel zur Festivalzentrale wurden in diesem Jahr auch verschiedenste neue Spielorte erschlossen. So findet Kompakt Total 8 in diesem Jahr in der Expo XXI inmitten des Bahn-Rangierwerks Gladbacher Wall statt. Auch andere ›junge‹ Kölner Clubs wie das Blumengold, der Bogen 2 in der Hohenzollernbrücke oder The O. richten Clubnächte aus. Und natürlich werden auch die traditionelleren Kölner Lokalitäten wie das Gloria Theater, das Südstadion (Spex 72 Cup), der Stadtgarten und Jugendpark c/o Poller Wiesen bespielt.
    Bemerkenswert: Das traditionsreiche ›Kwartier Lateng‹, das Viertel rund um Barbarossaplatz und Zülpicher Straße mit Clubs wie Prime & Rose Club, Blue Shell und Stereo Wonderland spielt im diesjährigen Programm keine Rolle. Im vergangenen Jahr konnte man auf der Luxemburger Straße im Rahmen der Intro Intim Clubnacht noch zwischen ebendiesen Locations lustwandeln. Heuer sind die Dinge anders gelagert: Die Intro Intim Clubnacht heißt nun ›IndieCityNight‹ und findet Sonntags in der Festivalzentrale statt, das ursprünglich angesetzte Intro Intim mit Peter Bjorn And John und Architecture In Helsinki wurde vor Wochen aus Produktionstechnischen Gründen abgesagt und auch das Monsters of Spex findet in diesem Jahr nicht statt.

c/opopAffairStatt dessen anderes Bewährtes: Die erwähnte ›Kompakt Total 8‹-Party am Freitag (mit Burger/Voigt, The Field, Michael Mayer, Tobias Thomas, Superpitcher, uvm), die lange Clubnacht am Samstag ›Deutschlandreise‹ (mit Platzhirsch, Ware, Mobilee, Gomma, Compost, Firm, Dial, ~Scape, uvm), die Melt! Clubnacht (mit M.I.A. & Sick Girls) und die Nachwuchsveranstaltung ›Klangprobe‹ (mit Franz Kasper, Friedemann Weise, uvm) vermitteln neue Musiken im bekannten Rahmen.
    Andere musikalische Highlights: Uffie, DJ Feadz & Mit (Gloria Theater). Vert, Candie Hank, Leichtmetall, Gudrun Gut, Strobocop und viele mehr im Rahmen des 10. Jubiläums von Auto:Pilot, De:Bug, Karaoke Kalk, Monika & Sonig (Stadtgarten). Exklusive Shows von Apparat feat. Raz Ohara und Battles (Gloria Theater). Seabear, Reykjavík und Zdzislaw Piernik zur Iceland Airwaves / Turning Sounds-Nacht im RheinTriadem.

    Neben dem Festivalprogramm lockt auch die conference c/o pop mit abwechslungsreichem Programm. In verschiedenen Workshops können sich die Teilnehmer an z.B. digitalem Musikvertrieb, Einleitungen in Labelgründung, Erstellung von Businessplänen und Digital- bzw. Onlinemarketing abarbeiten. Zusätzlich wird auf Keynotes der Status Quo von Indie-Labels am Markt erörtert oder in ›Wag the Long Tail‹ auf neue Hörgewohnheiten mittels Web 2.0-Diensten wie The Hype Machine oder Last.fm hingewiesen. Und dann wären da noch die Kollegen von De:Bug, die von Donnerstag bis Samstag auf dem ›Times Square‹ im 30 Minuten-Takt neue und innovative Web 2.0-Lösungen vorstellen.

    Der Besuch der c/o pop lohnt also auch in diesem Jahr. Nicht nur, weil über das mit 49 € günstige Festivalticket nahezu alle Musik- und Tanzveranstaltungen gedeckelt sind und sich die Kosten gemessen an den Leistungen somit im überschaubaren Rahmen halten. Auch durch den kostenfreien Besuchertag auf der affair am Samstag mit rund vierzig Ausstellern gewinnt die c/o pop nochmals an Attraktivität.

    Auch wenn das Monsters of Spex pausiert, so bleibt die c/o pop doch eine durch und durch gute Sache. Denn Banalitäten, die einem gemeinsamen Feiern gerne mal im Weg stehen – die Wahl zwischen gerader oder ungerader elektronischer Bassdrum, zwischen Indie und Elektronik, oder großem Konzert und kleinem Club beispielsweise – sind an diesen Tagen im August glücklicherweise Nebensache.


c/o pop – urbanes Festival für elektronische Musik, Indie- und Clubkultur. 15. – 19. August 2007. Köln, verschiedene Räumlichkeiten. Festivalzentrale: Köln, Konrad-Adenauer Ufer 3 & 5. Das vollständige Programm.

 

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