Boy Omega

Und wieder einer. Die Liste der Freunde, die nach Schweden ziehen, wächst. Die Liste der guten Musik, der guten Kleidung und der schönen Möbel ist eh bereits so lang, dass sie keiner mehr auswendig lernen kann. Alles ist besser in Schweden, so erzählt man mir, die Mädchen und Jungs toller, die zwei jüngst verzogenen Freunde, ein Typ, ein Mädchen, beide dort frisch und glücklich verliebt, liefern Evidenz. Mit Boy Omega steht ein neuer Superheld bereit, diese Theorie zu unterfüttern. Seine musikalische Sozialisation ist so divers, dass sie sich auf keinen Nenner bringen lässt: Elvis, Bruce, Rod (yikes, Stewart), Mötley Crew, Dinosaur Jr., Slint, die Lemonheads. An Fokus mangelt es seiner eigenen Musik dabei nicht im Geringsten. Denn was der gute Martin Omega Boy, der mit bürgerlichem Namen nach dem Vorbild eines schwedischen Profi-Fußballers (Martin Shivers) getauft wurde, auf aktuell zwanzig Songs zusammenträgt, ist konsistent, ohne auch nur einen Moment durch Eindimensionalität zu langweilen. Man mag sich auf das Format Liedermacher einigen, auch auf Akustikgitarre und spärlich eingesetzte Drums und einen schönen warmen Gesang. Seite an Seite allerdings mit einem Füllhorn anderer Instrumentarien: Bläser, Streicher, Piano, Bassknartzen, Türenschlagen, samtiger Frauenstimme, Schellen: Sag´s und er hat es dabei, der Omega Junge. Auch mag eine gute Portion Schwermut, Melancholie und Träumerei dabei sein, aber bei aller Besinnlichkeit ist der blondschöpfige Langhaar-Schwede eines nicht: düster. Ebenso wenig wie sein Landsmann und Band-Kollege Björn Kleinhenz, gebürtiger Stuttgarter, den es anno 1981 nach Schweden verschlug und der nicht nur Teil von Boy Omega ist, sondern auch seine eigene Formation unter dem unschlagbaren Namen »Trans Pony« führt. Wo sich Boy Omega elektronisch schillernde Samples erlaubt, beschränkt sich Herr Kleinhenz auf die einfachsten Mittel und präsentiert diese in einer Art sattem Dolby-Surround-Sound. Introspektiv, süchtig nach Harmonien und mit dem unbestrittenen Hit »Leipzig Lover« ein weiteres Schweden-Zuckerl.

LABEL: Riptide Recordings

VERTRIEB: Cargo Records

VÖ: 17.03.2006

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