Björk »Innocence«

Was mittlerweile fest zum Marketing im Netz gehört: Fan-made Videos. Seien es kurze Schlafzimmer-Webcam-Aufnahmen mit im Hintergrund abgespielter Musik und tanzenden Fans oder gleich richtige Musik-Video-Contests: Beides verleiht der betreffenden Musik neue Authentizität. Dabei geht das Kalkül der Marketingabteilungen oft auf. Modest Mouse, The Decemberists, The Chemical Brothers und Björk riefen zuletzt dazu auf, eigene Musikvideos zu ihren Singles zu produzieren. Die einen (Chemical Brothers) ließen den Albumtitel auf den Punkt bringen, Modest Mouse ließen ihre neue Single verfilmen, The Decemberists stellten eine Green-Screen-Vorlage zur Verfügung und auch Björk ließ rund 500 Menschen kreativ sein.
    Nun kann man dies begrüßen, profitieren die Nachwuchsregisseure doch von dem Namen betreffender Künstler, im Fall eines Siegs an den Wettbewerben kann es mit der Karriere sogar richtig nach vorne gehen.
    Andererseits sind Wettbewerbe wie diese auch symptomatisch für die Selbstausbeutung im Web 2.0. Wenn Björk via Webseite mitteilen lässt, dass rund 500 Videos / Regisseure an dem Wettbewerb teilnahmen, ein Teil der Videos auch auf ihrer Webseite gezeigt wird, dann kann man ihr durchaus vorwerfen, dass sie mit diesem Ansatz Profit aus der Arbeit ihrer Fans schlägt. Denn das Argument, »man müsse bei solchen Ausschreibungen ja nicht mitmachen« ist zwar ein erschlagendes und immer recht schnell zur Hand, zieht aber nur bis zu dem Punkt, an dem alle Verwertungsrechte geklärt sind. Nun hat Björk ein aufwändig animiertes und trotzdem kostenfrei produziertes Video, in dem sie selbst nicht auftreten musste, durch den Contest genügend mediale Aufmerksamkeit für die Single »Innocence« und das Regie-Duo Annabelle Faustin / Fred Asconi eine Referenz. Eine typische Win-Win-Situation? Wenn das Regieduo ein angemessenes Honorar erhalten hat, sicherlich.

 

VIDEO: Björk – Innocence

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