Bianca Strauch

HonigpumpeB-Seite»Was das Visuelle angeht, da bin ich Liebhaber. Deshalb gestalte ich die Cover meiner 12“es auch gerne alleine. Wenn ich also jemanden darum bitte, mir ein Cover zu machen, dann muss ich diese Person schon sehr schätzen. Bianca Strauch hat ja bereits das Cover für mein ›Visions Of Blah‹-Album gestaltet. Was sie mir jetzt für ›Honigpumpe‹ hingestellt hat, das hat mein Verständnis der Sache so gut getroffen in seiner Gesamtheit, dass es mir in der letzten Phase des Abmischens geholfen hat.«

(Thomas Fehlmann)

Bianca Strauch hat den Punkt erfunden. Nicht so allgemein, doch immerhin den simplen, ausgefüllten Kreis im Logo von Kompakt Schallplatten. Als langjährige Grafikerin für die Kölsche Techno-Factory ist sie für den Ruf des Labels ebenso verantwortlich wie die Leute vom Sound. Jetzt hat  sie
das Cover der aktuellen Thomas Fehlmann-Platte »Honigpumpe« gestaltet. Wochen hat sie in ihrem Atelier damit verbracht, das schmierig-triefende Naturbiest namens Honig digital zu zähmen. Da Bianca Strauch zudem als ewige Kölnerin gilt, nach ein paar Jahren in Berlin allerdings inzwischen in Hamburg gelandet ist, war es höchste Zeit für eine Unterhaltung.

Du hast das Artwork von »Honigpumpe« mit echtem Honig geschrieben. Kannst du beschreiben, wie du dabei vorgegangen bist?
    Bianca Strauch: Ja, tatsächlich ist alles bis auf die Labelzeile von Hand gestaltet. Dabei möchte ich vorab sagen, dass es einfach fantastisch ist, mit Thomas zusammen zu arbeiten. Er gibt mir die grundlegenden Informationen und die Musik, ich darf loslegen und habe freie Bahn. Deshalb arbeite ich schon lange mit ihm zusammen und habe neben dem Cover von »Visions Of Blah« zum Beispiel auch die Grafik für das Berliner Labeltreffen Marke B gestaltet. Die Idee für »Honigpumpe« war jetzt, den Stand der Dinge ähnlich zu benennen, wie es Thomas mit der Musik getan hat. Anders als noch in den 90er Jahren leben wir beide nicht mehr in dieser sterilen, gesichtslosen Anti-Welt, an der wir  zu Beginn von Profan, Studio 1 oder Kompakt noch selbst gefeilt haben. Wir stehen beide an ganz anderen Punkten in unseren Leben. Thomas und ich fühlen uns der Natur heute näher als noch vor ein paar Jahren, das haben wir gemeinsam.

Auch Beuys‘ »Honigpumpe am Arbeitsplatz« ist ja eine Naturmetapher für die Gesellschaft.
    Ja, seine »Honigpumpe« verkörpert den Blutkreislauf, indem sie durch ein Schlauchsystem Honig durch mehrere Etagen eines Gebäudes kreiseln lässt. Ich dachte also: Das muss alles Handarbeit werden! Es wurde die totale Sauerei. Zunächst einmal habe ich verschiedenste Sorten Honig gekauft und versuchte dann, freihand damit zu schreiben. Das verlief aber alles. Ich musste also anders vorgehen: Zunächst entwickelte ich den Font am Rechner. Jedes Wort druckte ich schließlich einzeln auf eine Folie aus. »Thomas« zum Beispiel musste ich auf eine Querseite Din A 4 schreiben. Dafür baute ich mir eine Spritze, ähnlich der, wie sie in Konditoreien benutzt werden. Mit meiner eigenen Honipumpe also füllte ich die einzeln auf Folien gedruckten Wortschablonen aus.

HonigpumpeCoverWelche Honigsorte hast du schließlich benutzt?
    Es stellte sich heraus, dass der billigste Lidl-Honig die schönste Goldfarbe besitzt. Also nahm ich den. Und die Sauerei ging los.

Wie lange hast du für die Arbeit gebraucht?
    Irgendwann habe ich die Stunden nicht mehr gezählt. Es ging auf jeden Fall mehrere Wochen so. Ich wollte es ja. Zunächst hatte mir ja bloß vorgeschwebt, das Front-Cover in dieser Art zu machen. Schließlich aber nahm ich die volle Mühe auf mich: die ausgefüllten Folien fotografierte ich ab und scannte sie. Wenn ich beim Spritzen auch nur den i-Punkt vergaß, durfte ich das ganze Wort komplett wieder neu machen. Einen Tag musste ich sogar komplett wiederholen, nur weil ich beim Abfotografieren einen Schatten in der Ausleuchtung übersehen hatte. Doch am Ende hat es sich total gelohnt und mir viel Freude gebracht.

Du lebst nach langen Jahren in Köln und einer kurzen Berliner Phase heute in Hamburg.
    Ja, und ich bin auch froh, hier zu sein. Seit vergangenen September lebe ich in Hamburg, und freue mich über die Elbe und darüber, von hier aus so schnell am Meer zu sein. Ich habe mich ja nie fest anstellen lassen, von daher habe ich auch immer freie Ortswahl gehabt. Mit »Honigpumpe« habe ich jetzt eine neue Phase begonnen. Ich gehe weg vom Grafik-Business und arbeite stärker künstlerisch. Für mich habe ich das zwar schon immer gemacht, doch jetzt will ich auch mal wieder an die Öffentlichkeit damit. Die freie Kunst war mir in den Jahren als Grafik-Designerin doch etwas aus den Augen geraten.

Und woran arbeitet die Künstlerin Bianca Strauch?
    Nun, ich kann davon noch nicht soviel erzählen, denn meine Umsetzungen sind noch nicht soweit. Doch als große Renaissance-Liebhaberin arbeite ich gerade an einer Technik, mit der ich großformatige Porträts ausschließlich aus senkrechten Linien zeichnen kann. Wie gesagt, ich bin damit noch nicht ganz fertig. Doch mit den ersten Entwüfen bin ich total happy, und deshalb peile ich jetzt eine Ausstellung dieser Porträts an.

Das Thomas Fehlmann-Album »Honigpumpe« (Kompakt/ Indigo) ist soeben erschienen.

 

HINTERLASSEN SIE EINE ANTWORT

Please enter your comment!
Please enter your name here