Beck „Colors“ / Review

Beck saugt seine Einflüsse von überallher auf und spuckt sie als neue Musik aus. Das ist prima, selbst wenn es auf den Mainstream schielt.

Der Einstieg in das seit Ewigkeiten angekündigte 13. Album von Beck Hansen erfolgt so überschäumend positiv, als hätte der Künstler den notorischen Trolls-Song von Justin Timberlake überbieten wollen. Die Energie und gute Laune, die von den ersten beiden und einigen weiteren Songs auf Colors ausgehen, sind angesichts der dreijährigen Produktionszeit der Platte ziemlich erstaunlich. Noch dazu äußerte sich Beck in Vorabinterviews skeptisch: Ist eben gar nicht so einfach, fröhliche Lieder zu schreiben, ohne albern zu werden.

Offenbar war es nicht nur ein Wunsch seiner Fans, sondern auch Becks eigener, nach dem kontemplativen Grammy-Gewinner Morning Phase, der mit verträumtem Folk an das Überalbum Sea Change (2002) anknüpfte, endlich mal wieder Hits wie „Sexx Laws“ oder „Devil’s Haircut“ rauszuhauen. Der Künstler hatte zuletzt eher unentschlossen herumgedaddelt und beispielsweise Notenblätter ohne zugehörige Platte herausgebracht. Eine leichte Geburt war Colors jedoch nicht vergönnt. Die Arbeit zog sich hin, Beck und sein Co-Produzent Greg Kurstin probierten eine Menge aus und warfen fast alles davon weg. Bereits vor zwei Jahren erschien mit „Dreams“ eine Single, die sich nun neu gemixt auf dem Album wiederfindet. Letztes Jahr folgte „Wow“, ebenfalls poppig und tanzbar.

eben gar nicht so einfach, fröhliche Lieder zu schreiben, ohne albern zu werden.

Das fertige Album bestätigt den Eindruck dieser Songs, steckt aber zugleich voller nostalgischer Referenzen. „Dear Life“ ist von den Beatles der Sgt.-Pepper’s-Ära inspiriert, „Square One“ lässt goldene Westcoast-Softpop-Zeiten auferstehen, „No Distractions“ prangert zu einem hopsigen Wave-Beat den Zeitgeist an. Im Grunde genommen hat Beck schon immer so gearbeitet: Er saugt seine Einflüsse von überallher auf und spuckt sie als neue Musik aus. Das ist prima, selbst wenn es auf den Mainstream schielt. Und mit der fragilen Selbstkritik „Fix Me“ schleicht sich auch noch eine Fußnote ins Hitkonzept ein.

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