Beach House Devotion

Der Name ist irreführend: Ein Haus am Strand evoziert Sommer, Sonne und glitzernde Gischtpartikel. Das Haus aber, in dem Alex Scally und Victoria Legrand ihre altweibersommerzarten Gothic-Jukebox-Perlen weben, scheint sich eher am Strand jener einsamen Spukinsel zu befinden, die geografischfiktionale Grundlage der amerikanischen Mystery-Serie »Lost« ist: Im Unterholz und auch sonst ist es wahrlich nicht geheuer, aber der Zusammenbruch der Ordnung schafft neben dem Grauen auch eine neue Magie der Tiefe zwischen einigen Menschen. Das barocke Vanitas-Gedanken befördernde Geisterspinett, das die langsam schreitenden Wiegenlieder des selbstbetitelten Debütalbums von Beach House verzierte, ist nun auf kleinere Flamme gestellt.

    Dafür sind schief leiernde Orgelsounds prominenter vertreten. Vom etwas weniger totengräberlangsamen Tempo abgesehen, herrscht Stagnation auf Höchstniveau: Wundervoller Sixties-Pop in Extremverhallung mit schmachtenden Slidegitarren, dazu lonely Drumcomputersounds vom Trödler, die widerstrebend und scheppernd ihren Dienst tun und so traurig zuletzt auf Arab Straps »Philophobia«-Album zu hören waren. Die Legrand singt wie eine nachtwandelnde Lynch-Elfe mit wirrem Haar, die sich mit einem Messer »Love« in den alabasterfarbenen Oberkörper geritzt hat. Als würde Julee Cruise bei Siouxsies Banshees jobben. Wir hören sehr viele gedehnte vokalverliebte Aahhs. Sie klingen weder so steril wie beim Frühneunziger-Ästhetizistenpop von Collection d’Arnell-Andrea oder dem Äthero-Darkwave von Love Spirals Downwards noch so entrückt wie bei den seligen, jede sprachliche Semantik hinwegträllernden Cocteau Twins, auf deren Label das Duo veröffentlicht. Auch vom verwunschenen Waldnymphenfolk der Neo-Dark-Hippies Espers sind die beiden dadurch entfernt, dass jenes Gitarrengesäge, in das deren Stücke regelmäßig proggy auszufransen pflegen, unterbleibt.

    Deshalb sollte man Beach House auch nicht voreilig ins sich füllende Nu-Gaze-Fach packen: Was sie von Neo-Shoegazern unterscheidet, ist das Fehlen der Strudel aus flirrenden Gitarren, in denen sich in Augenblicken angenehmer Willensschwäche so gut versinken lässt. Stattdessen gibt es zahlreiche Leerräume in ihrer Musik, die auszuschreiten zum Schönsten zählt, was man dieser Tage tun kann.

LABEL: Bella Union / Cooperative Music

VERTRIEB: Universal Music

VÖ: 07.03.2008

1 KOMMENTAR

HINTERLASSEN SIE EINE ANTWORT

Please enter your comment!
Please enter your name here