Bass: An England Story

In der Kolumne »Bass« thematisiert Christoph Braun einmal im Monat die Gegenwart, Zukunft und Vergangenheit des Dub. Diesmal mit Skream, Pureh, Barry Lynn, Rod Modell, The Lions und einer Compilation über MCs in UK.

An England StoryJamaika. Sie haben's erfunden. Die Geschichte zwischen Jamaika und Großbritannien ragt weit zurück in die Zeiten des Empire, die jüngere Popgeschichte zwischen Karibik und Europa beginnt Ende der Fünfziger mit der ersten großen Einwanderungswelle aus Jamaika, die in den sechziger Jahren nochmals in ihrem Ausmaß ansteigt.

   Seit dieser Zeit des Ska, Rocksteady und Reggae ist die »England Story« immer auch eine der Soundsystems und MCs. Mit »An England Story«  kompiliert das Londoner Label Soul Jazz erneut, der Untertitel »The Culture Of The MC In The UK 1983 – 2008« umreißt die schlüssige Thesen-Compilation, die vor allem: vor guten Tracks nur so pumpt.

   Es geht um MC-Performances der Dancehall-Ära Anfang der achtziger Jahre und um ihre Wirkung auf die zeitgemäßen Erscheinungen der Bass-Musik. Von Tippa Irie bis Ty sind daher jene, in Großbritannien lebenden und zumeist auch aufgewachsenen MC's versammelt, die etwas zu sagen haben und es auch noch so sagen, dass die Crowd in Verzückung gerät.

Diverse – An England Story. The Culture Of The MC In The UK 1983 – 2008
Label: Soul Jazz Records | Vertrieb: Indigo | VÖ: 11.03.2008

Skream Skream! Der wird selbst gerne in den Mix geschmissen. Nun ist er dran und vermischt auf »Rinse mixed by Skream« größtenteils eigene Tracks mit Teilen von Culture, Benga oder Distance. Das Ergebnis ist grundhart wie Skream-Tracks und variiert Dubstep gut durch. Die Sorte Rave, die auch zu Hause super kommt.

Diverse – Rinse mixed by Skream
Label: Rinse | Vertrieb: Neuton | VÖ: Februar 2008

SigniaIndustrial gehört neben Dancehall zu den unverzichtbaren Vorläufern jedweder Hardcore Continuum Music. Von einer Gruppe namens Pureh aus Slowenien wird der industrieselige Dub eines Labels wie On-U-Sound nochmals gefeiert. Auf »Signia« lässt das Produzenten-Team jetzt die Pharmafabrik-Labelmates zu Remixen ran, es entsteht eine Werkschau des Labels: Bass-Abgründe regieren.

Pureh – Signia
Label: Pharmafabrik | Vertrieb: Import | VÖ: März 2008

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Barry LynnBoxcutter hat einen Namen. Barrry Lynn hat auch schon vor seinem Planet Mu-Debüt »Oneiric« produziert. Das passt in diese Bass-Ausgabe: »Balancing Lakes« heißt die Sammlung von Frühwerken des Iren. Was sich da in seinem »Strange Brew Office« – so die eigene Bezeichnung sein Studio – angehäuft hat, zeigt einen ausgefallenen Sinn für das Spektrum der Frequenzen: weit reichen diese, hoch und tief. Diese Barry Lynn-Tracks haben Plastik, haben Körper. Und wollte man in Genres sprechen, dann müsste man mal in 2Step, mal in IDM, und mal in Electronica einsortieren. Hier kommt er her, der Autoren-Dubstep des späteren Boxcutter.

Barry Lynn – Balancing Lakes
Label: Planet Mu | Vertrieb: Neuton/ NTT | VÖ: 25.02.2008

Rod ModellRäucherstäbchen, Schwarzlicht, weit in der Ferne pulsiert ein Stroboskop. So in etwa wirkt die Grundstimmung auf »Incense & Black Light« des Detroiter Dubtechnoiden Rod Modell. Im vergangenen Jahr und in Zusammenarbeit mit Mike Schommer machte er unter dem Namen Deepchord presents Echo Space auf sich aufmerksam. Sein neues Soloding für Plop hat ebendiese gelöste Weltall-Atmo wie der Echo Space-Output.

    Insgesamt aber macht sich Modell hier noch seltener anschlussfähig für den Floor. Eher ist »Incense & Black Light« eine Ambient-Version des Dubtechno, und folglich liegt die Betonung angesichts dieser disharmonischen, langsam pulsierenden Tracks auf »Dub«. Geht tief, sehr tief.

Rod Modell – Incense & Black Light
Label: Plop | Vertrieb: Broken Silence (D), RecRec (CH), SSD (A) | VÖ: 14.03.2008

The Lions Zum Schluss noch etwas Leichtes: Ein Tribute-Unterfangen. The Lions nennen sie sich, und sind doch keine steinalte Studio-Band, sondern eine L.A.-Supergroup. Diese Leute hier verdingen sich sonst bei Macy Gray, im Breakestra  oder in Madlibs Yesterdays New Quintet. Als Lions spielen sie die Grundpatterns von Reggae-Instrumentals in neuen Stücken. Manchmal geht der Funk mit ihnen durch. Schlimm ist das nicht.

The Lions – Jungle Struttin'
 
Label: Ubiquity | Vertrieb: Groove Attack | VÖ: Februar 2008

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