Avey Tare & Kria Brekkan / Panda Bear

Kristín Anna Valtysdóttir und Dave Portner sind verheiratet und wohnen in New York City. Valtysdóttir, die vor sieben Jahren zusammen mit ihrer Zwillingsschwester Gyda für das Cover des epochalen Belle-&-Sebastian-Albums »Fold Your Hands Child…« fotografiert wurde, war Mitglied der isländischen Band Múm, die sie Anfang 2006 verließ. Ihr Künstlername: Kria Brekkan. Portner, der sich Panda Bear nennt, stellt ein Viertel des avancierten und zukunftsweisenden Psych-Folk-Pop-Quartetts Animal Collective. Hier wirkt auch der mittlerweile in Lissabon lebende Noah Lennox alias Avey Tare, der wie sein Bandkollege nun ein neues Album auf dem gemeinsam betriebenen Label Paw Tracks veröffentlicht, allerdings
ohne Mitwirkung seiner Frau. Brekkans und Tares »Pullhair Rubeye«, dessen Grundlagen in einem Übungsraum in Brooklyn aufgenommen wurden, erinnert nur im Titel an ähnlich walisisch klingende Wortschöpfungen Aphex Twins.

    Mit spartanischer Ausstattung, wenigen Gitarren, einem 8-Spur-Bandgerät und Brekkans Stimme veröffentlichen sie eine Musik, die sich der sofortigen Vereinnahmung seitens des Konsumenten störrisch widersetzt: Sämtliche Stücke klingen wie rückwärts abgespielt, so als würde man den Teller des Plattenspielers anhalten und mit dem Finger die Platte entgegen ihrer normalen Laufrichtung drehen. Das ergibt einen einzigartigen Klang. Brekkans Stimme arbeitet in extrem hohen Lagen, die Musik schliert, kratzt und eiert, Unschärfe als hauptsächliches Ausdrucksmittel regiert. Das Hörvergnügen ergibt sich erst beim wiederholten Abspielen des Albums, wirkt dann aber umso eindrücklicher ob seiner phantastischen klanglichen Besonderheit und außerordentlich verrückten stimmlichen Gymnastik.

PandaBear    Panda Bears drittes Soloalbum »Person Pitch« überwältigt auf andere Weise: Lennox verzichtet weitestgehend auf akustische Instrumente und scheint eine verstärkte Leidenschaft für die Benutzung des Samplers entwickelt zu haben – was auch seine aktuellen Lieblingsplatten, die er für diese Ausgabe der Spex zusammenstellte, deutlich machen. Sein Album erschließt sich im Gegensatz zu Brekkans und Tares umwerfendem und gleichzeitig sperrigen Werk sofort: Seine effektvoll vervielfachte, mit Hall belegte Stimme singt Melodiefolgen, die sofort an die zurecht im Animal-Collective-Zusammenhang oft zitierten Beach Boys denken lassen. Nur wäre Lennox nicht Panda Bear und Mitglied von Animal Collective, wenn er nicht gleichzeitig den allzu reinen Pop-Klang vorsichtig, aber bestimmt zerstören würde. Er tut dies, indem er heftig schlagende, peitschende Percussion-Klänge einwebt und es mit dem Hall-Einsatz auf die Spitze treibt, sodass die Melodien nun wiederum doch nicht so leicht im Ohr aufgenommen und entschlüsselt werden können – womit sich der Kreis zu »Pullhair Rubeye« schließt.

    Paw Tracks haben es geschafft, zwei selbstbewusste Alben zu veröffentlichen, die dem Hörer einiges, wenn nicht sogar alles abverlangen: Sie fordern Aufmerksamkeit. Wer sie ihnen gibt, wird in einem Ausmaß belohnt, wie es Pop nur selten schafft.

LABEL: Paw Tracks

VERTRIEB: Cargo Records

VÖ: 04.05.2007

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