Author: Uwe Viehmann Page 1 of 2

Polarkreis 18

Es ist ein Paradoxon für mich, verwirrend, betörend und irgendwie verstörend zugleich. Auf der einen Seite ist diese Musik hier so frisch und in der Gesamtheit so konsequent eigen und andersartig wie nur bei wenigen der hiesigen Bands in der jüngeren Vergangenheit. Auf der anderen Seite aber besteht sie auch aus so vielen erkenn- und benennbaren, ja wohlbekannten Zutaten, dass …

Review: The Lemonheads The Lemonheads

Es mögen Fakten für Schlagzeug-Nerds sein, aber was soll ich machen… Aus allen Drummern dieser Erde würde ich die Achtel auf der HiHat von Bill Stevenson heraushören. Und wie er auf die Drei nach einer kurzen Pause wieder einsetzt. Dieser Doppelschlag auf der Snare. Der Gott. Der arschcoole Brummbär hinter seinem – was die Trommelumfänge angeht – im …

Devastations

Conrad Standish hat DIE Stimme. Es ist das Erste, was einem an dieser Band auffällt. Eine Stimme wie aus einer anderen Welt. Sonor, voll von gerade noch beherrschbarer Leidenschaft, freundlich und distanziert zugleich. Sie ist, ohne ihm damit unrecht zu tun, der von Tindersticks-Sängerdandy Stuart Staples sehr ähnlich.

    Im Gegensatz zu Gentleman-Assoziationen un …

Eagle*Seagull

Wenn man ihnen Böses wollte, würden man sagen, eagle*seagull kämen mindestens eine Saison zu spät (hier in Deutschland an). Im letzten Herbst/Winter wären sie ein sicherer Gewinner gewesen. Nicht, dass sie nahe liegende musikalische Verwandte wie The Arcade Fire, The Decemberists und Clap Your Hands Say Yeah locker in die Tasche gesteckt hätten, aber sie beackern, beh …

Review: Sport / Pendikel Aufstieg und Fall der Guppe Sport / Don’t Cry, Mondgesicht

Es gibt Platten des Monats in unserem Magazin, die sind ein sich lange im voraus ankündigendes Naturereignis im SPEX-Maßstab: Genregrenzen sprengende Werke, Überraschungen oder Alben, die einfach nur Pop sind, Spaß machen und deren Namen möglichst prominent in die Welt posaunt gehören. Selten hat man es allerdings mit Platten wie diesen beiden zu tun, die vom ersten …

Lily Allen Alright, Still

Weiter vorne im Heft stehen im Artikel über die gerade mal 21-jährige Lily Allen aus London eigentlich alle wichtigen Fakten, die es zum Verstehen dieser zauberhaften, wunderbar sommerlichen, aber niemals ohne versteckte Wohlfühl-Widerhaken funktionierenden Platte. Was also noch groß sagen, ohne bloß dauerzuschwärmen?
    Man könnte die Musik ei …

Review: Yeah Yeah Yeahs Show Your Bones

Geheiligt seist du, Karen O! Für deine Grimassen und Verrenkungen auf der Bühne. Für deine Stimme in der schönsten Werbeminiaturmusik der letzten 2000 Jahre (»Hello Tomorrow« zusammen mit Sam Spiegel aka Squeak E. Clean, angeblich der Bruder deines Lovers Spike, oder?). Geheiligt seist du, Karen O! Dafür, mich dank deiner Kollaborationslust auf Har Mar Supersta …

Review: Wilco Kicking Television – Live In Chicago

Es war ein gutes Jahr für Jon Stirratt, Glenn Kotche, Mikael Jorgensen, Nels Cline, Pat Sansone und Bandleader Jeff Tweedy. Ihr 2004er Album »A Ghost Is Born«, Wilcos Kraut&Rock-Achterbahnfahrt, wurde zurecht mit zwei Grammys ausgezeichnet und die beiden Backkatalog-Alben »Yankee Hotel Foxtrot« und »Being There« erlangten Gold-Status in den USA. Der ger …

Review: Sigur Rós Takk…

Sigur Rós gehören in dieser Zeitschrift mit Sicherheit zu den ganz wenigen Bands, die man niemandem mehr groß vorstellen muss, die als Phänomen quasi gesetzt sind und geliebt werden. Wenn es darum geht, missionierend in Worte zu fassen, was nur Tonträger (oder die raren Konzerte der Isländer) wirklich transportieren können, fallen dabei immer wieder Vokabeln w …

Art Brut Bang Bang Rock & Roll

Zitatterror Anfang: »Formed a band / We formed a band / Look at us / We formed a band / Honey pie, I don’t know when it started / Just stop buying your albums from the supermarkets / They only sell things that have charted / And Art Brut? / Well we’ve only just started / And yes, this is my singing voice / It’s not irony / And it’s not rock and roll / I’m just talking / To the kids«.

Review: Turbongero Party Animals

»All my friends are dead/all my friends are dead/they got kicked in the head/All my friends are dead«. Das sind die ersten Zeilen auf dem Openertrack von »Party Animals«, nachdem ein gut zweiminütiges Bombast-Intro irgendwo zwischen Daft Punk-Gitarrensoli und -Vocoder-Stimme (die behauptet, Stephen Hawking zu sein), »We will rock you«-Queen, Oasis-Hubschrau …

Review: Arcade Fire Funeral

Eigentlich sollte dies ein Album werden, das von Nachbarschaft erzählt. Doch es kam anders. Der Tod wurde quasi nachträglich zum alles beherrschenden Thema. So sehr, dass er sich gar den Albumtitel unter die langen Fingernägel riss.

    Vor allem das Hauptsongschreiber-Ehepaar Win Butler und Régine Chassagne der vielköpfigen Band aus Montreal hatte sein …