Author: Oskar Piegsa Page 1 of 2

Modeselektor / Aérea Negrot

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Berlin, Haupstadt und postsozialistischer urbaner Vergnügungspark für Erwachsene voller Musik. Mit MODESELEKTOR und AÉREA NEGROT setzen sich aktuell gleich zwei bzw. Künstler mit ihrer Heimstätte auseinander. Utopien, Mieten, Parties: Sie alle spiegeln sich in den Alben Monkeytown und Arabxilla wider.

Politik des alten Soul

Aloe Blacc Spex #328 Norman Konrad»Wusstest du, dass die Leichen von Vietcong-Kämpfern in Vietnam doppelt so schnell verwest sind wie die der GIs?«, fragt Aloe Blacc. »Schon damals haben wir unsere Körper mit Konservierungsstoffen vollgepumpt.« Blacc, selbsterklärter »entertainer and educator«, kennt den Vietnamkrieg zwar nur aus Erzählungen. Trotzdem klingt sein neues Album »Good Things« stark nach der Zeit zwischen Tet Offensive und US-Truppenrückzug, sprich nach den Jahren ’68 bis ’73, als die Soulmusik politisch wurde.

Sex mit erhobener Faust

Men Frank Johannes Spex #327 VorschubDas Thema Regenbogenfamilie ist im Pop angekommen: »I’m gonna fuck my friends and get a little tiny baby«, singt JD Samson im Song »Credit Card Babie$« ihrer queeren Elektropop-Band Men. »Es geht um die Hürden, die dem Kinderwunsch von Lesben und Schwulen in den Weg gelegt werden«, sagt Samson und meint damit auch finanzielle Hürden. »Why don’t you adopt / Borrow someone’s cock«, heißt es in dem Song – schließlich gibt es billigere Wege, an ein Kind zu kommen, als für den Gegenwert eines Kleinwagens in der Samenbank shoppen zu gehen. Strategischer Sex mit schwulen Freunden zum Beispiel.

Broken Bells

Broken Bells Pop-Briefing Spex #325 Tonträger Cover PIEGSA: Brian Burton, unter dem Namen Danger Mouse bekannt als Messlattenhochleger hinter Gnarls Barkley, den Gorillaz und The Good, The Bad & The Queen, arbeitet auf »Broken Bells« zur Abwechslung mal nicht mit Damon Albarn zusammen, sondern mit James Mercer von The Shins. Das passt gut zu einem Aufsatz, den der Singer/Songwriter Chris Milam kürzlich unter dem Titel »Bored New World« auf der Website popmatters.com veröffentlichte. Dort behauptet Milam, dass es mit der amerikanischen (Gitarren-) Popmusik genau seit dem Moment bergab ging, als Natalie Portman 2004 in dem Film »Garden State« Zach Braff ihre Kopfhörer überstülpte und ihm mit den Worten »Das wird dein Leben verändern« den Song »New Slang« von The Shins vorspielte. Seitdem ist bekanntlich jeder, der den Film gesehen hat, heimlich verknallt entweder in Natalie Portman und/oder Zach Braff bzw. The Shins. Und seitdem – so argumentiert Milam – könnten sich alle weißen mittelständischen Mittzwanziger damit arrangieren, weiße mittelständische Mittzwanziger zu sein und nur noch Musik zu machen, die genauso klingt: nach Langweiler-Pop ohne gewagten ästhetischen Ansatz oder auch nur den Anflug irgendeines politischen Bewusstseins.

Die Unbeholfenheit ist passé

Hot Chip One Life Stand CoverWenn jetzt aller Orten darüber gegrübelt wird, was uns aus dem vergangenen Jahrzehnt erhalten bleibt, dann wird die Bilanz ziemlich mies ausfallen: Terror, Klimawandel, Kriege und Krisen. Da kommt »One Life Stand« gerade recht, das vierte Album von Hot Chip, die wie keine andere Band für einen positiven Trend der Nullerjahre stehen: den Aufstieg des Nerds.

Spektakel aus Geschrei

Marc fährt nachts Taxi, Sascha tagsüber LKW, Maike trägt Dreads und Paul hat seine Diplomarbeit in Mathematik über stochastische Attraktoren geschrieben. Was die Mitglieder von HGich.T gemein haben: Wenn sie mit ihren bis zu zehn Mitstreitern auftreten, kleiden sie sich in Mülljacken oder zeigen sich gleich ganz nackt.

Schnipp, schnapp!

Sie gelten als eine der größten Hoffnungen des Musikjahres 2009: Elly Jackson und Ben Langmaid alias La Roux. Erst ein Unfall, dann ein Witz – jetzt ist es Pop.

ClickClickDecker

Es dringt gedämpfte Musik durch das Schaufenster des Plattenladens Michelle Records in der Hamburger Innenstadt. Im Vorbeilaufen könnte man auf Kettcar tippen, »Balu« vielleicht, in der Cover-Version. Drinnen korrigiert sich der Eindruck: es klingt zwar immer noch ein bisschen nach Kettcar, oder Kante, oder Tomte, oder Olli Schulz, oder Hamburg halt, aber gecovert wird hier h …

Diverse Ultimate Trasher Vol. 1

Gestern, beim Haarschnitt im 10-Euro-Friseursalon, blubberte im Hintergrund ein Elektro-Beat und The Admirals feat. Seraphina rappten »Der Bass macht dich nass, denn der Bass treibt so krass«. Neulich, zum Geburtstag, gab’s augenzwinkernd eine Doppel-CD mit den Techno-Schlagern von Alexander Marcus geschenkt. Und vor ein paar Monaten, auf dem Betriebsfest, tanzten Damen und Herre …

Alabama ist überall

Als Kind demonstrierte Vice Cooler mit seinem christlich-konservativen Vater gegen Abtreibungen. Heute rappt er als Hawnay Troof gegen repressive Moralvorstellungen.

Der Sound der Mitte

In den USA wird heute ein neuer Präsident gewählt. Oskar Piegsa verfoglte den Wahlkampf und den damit einhergehenden Einsatz von Musik. Der wahre Gewinner heißt: John Mellencamp.

Cazals / Thieves Like Us

Manchmal fragt man sich, wie das war, als es das Internet noch nicht gab. Nehmen wir zum Beispiel das erste Konzert, das die Cazals in Deutschland spielten: Im extra-großen T-Shirt, die dünnen Beinchen in eine Hose gezwängt, die mindestens soviel zu eng ist, wie das Shirt zu weit, stand Cazals-Sänger Phil auf der Bühne und forderte alle Aufmerksamkeit für sich ein. I …