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COVER: Daniel Richter

SPEX N°362, die 35-Jahre-Jubiläumsausgabe, – inklusive zwei CDs mit 35 Titeln aus 35 SPEX-Jahren – ist ab sofort im SPEX-Shop erhältlich und ab Donnerstag, dem 18. Juni 2015, im Zeitschriftenhandel. Die aktuellen Abo-Prämien finden sich hier. Weitere Informationen, Ergänzungen sowie ausgewählte Texte folgen in Kürze auf www.spex.de.

TITEL: 35 Jahre SPEX

Wir wollen uns hier gar nicht mit einer Selbstdarstellung aufhalten!
Mit diesen Worten begann im September 1980 ein Experiment, dem freilich genau das: Selbstdarstellung bisweilen vorgeworfen wurde – und das entgegen aller Erwartungen bis zum heutigen Tage andauert. Im Impressum der ersten SPEX standen damals die Namen des Herausgeberkollektivs um Gerald Hündgen, Clara Drechsler, Christoph Pracht, Peter Bömmels und Wilfried Rütten, die thematischen Schwerpunkte waren mit Joy Division, The Cure, Gang Of Four und Jah Wobble Leuten gewidmet, die großteils ebenso wie SPEX selbst noch immer aktiv sind. Anlässlich des 35. Jahrestages der SPEX-Gründung liegt die seit Jahren vergriffene erste Ausgabe nun dieser besonderen Ausgabe bei. Die Jubiläumsausgabe wurde den Menschen überlassen, die dieses Magazin geprägt haben. Die SPEX-Heads von 1980 bis 2015, wir nennen sie Dichter Denker und Dissidenten, nehmen das Heft in die Hand. Denn: SPEX war und ist das Produkt seiner Autorinnen und Autoren, mehr noch als bei anderen Zeitschriften finden ihre Ideen Eingang in die Konzeption des Hefts.

Mit Texten und Bildern von Max Dax, Jim Rakete, Sebastian Zabel, Kristof Schreuf, Mark Terkessidis, Aram Lintzel, Tom Holert, Olaf Karnik, Hans Nieswandt, Sandra Grether, Jens Balzer, Martin Hossbach, Daniel Richter, Jutta Koether, Torsten Groß, Esther Buss, Kerstin Grether, Joachim Lottmann, Wolfgang Tillmans, Wolfgang Müller, Joachim Ody, Dietmar Dath, Peter Bömmels, Diedrich Diederichsen, Holger Klein, Klaus Walter, Marcus Staiger und vielen anderen

REAKTIONEN

SPEX in Liebesbriefen, Kommentaren, Schimpftiraden
Diesmal: Statements von SPEX-relevanten Musikerinnen und Musikern zum Jubiläum

EINKLANG
Neues aus Musik und Kunst

Mit Institute, Bully, Smurphy, Marte Eknæs, Years & Years, Farao

POPKULTUR

WARREN ELLIS: »Grindermann waren das Druckventil«
TEXT: Max Dax FOTOS: Jim Rakete
Der ehemalige Straßenmusiker, Junkie und Dirty-Three-Gründer gilt als Architekt des Sounds der neuen Bad Seeds und von deren vielleicht bestem Album: Push The Sky Away. Ein Gespräch über die besondere musikalische Partnerschaft mit Nick Cave sowie
den langen Prozess des Umbaus der Bad Seeds von einer saturierten Big Band zu einem der inspiriertesten Kollektive unserer Tage.

DIE SCHULE DER DISSIDENZ: Sebastian Zabel packt eine Kiste für den besten Wirt der Welt
TEXT: Sebastian Zabel ILLUSTRATION: Patrick Klose

K.I.Z: »Worte können den Schmerz zum Tanzen bringen«
TEXT: Kristof Schreuf FOTOS: Jonas Lindström
Mit ihrem anarchischen Humor und spontihaften Guerillaeinlagen sind K.I.Z die große Ausnahme in einem immer noch vor allem von Machismo und Potenzgehabe dominierten Genre: Deutschrap. Kristof Schreuf traf K.I.Z für SPEX in Berlin und stellte fest: Es gibt zurzeit kaum eine Band in Deutsch- land, die Treffenderes über Gesellschaft und Gegenwart zu sagen hat als diese fröhlichen Berserker.

RELEVANTE MUSIK: Streit macht glücklich
TEXT: Mark Terkessidis
Das popkulturelle Umfeld, in dem SPEX und Popjournalismus heute agieren, ist ein völlig anderes als zur Zeit der Gründung der Zeitschrift. Wie relevant kann Musik heute überhaupt noch sein, wie relevant ist die Kritik an ihr – und wie könnte eine solche Kritik aussehen? Eine Überlegung.

CHELSEA WOLFE: Schlafes Schwester
TEXT: Annika Reith FOTOS: Farhad Samari
Es geht abwärts, oder genauer: ins Innere. Auf Abyss, dem neuen Album der kalifornischen Singer-Songwriterin Chelsea Wolfe, tun sich Schlünde und Höllenklüfte auf. Dort unten lauern jedoch weniger Einsichten ins Innenleben der Künstlerin als erwartet.

DIE LAST DER GESCHICHTE: Aram Lintzel erkennt Vinyl als Statussymbol großstädtischer Neobiedermeierspießer
TEXT: Aram Lintzel ILLUSTRATION: Patrick Klose

DIE POESIE DER KRISE: … und das Schwarz-Weiß der Lage
TEXT: Tom Holert
Wie reagiert Pop ästhetisch auf akute Notlagen? Die Cover der im SPEX-Kontinuum wichtigsten politischen Alben der vergangenen Jahre eint eine strenge, historisch geschulte Schwarz-Weiß-Ästhetik. Sie sind somit einerseits ein Statement der aussterbenden Gattung Cover-Art und andererseits ein Rückgriff auf die politische Ästhetik von Black Power und DIY-Punk.

HEROIN IN TAHITI: New Weird Italia
TEXT: Olaf Karnik FOTOS: Benedetta Ristori
Rund um Bands wie Heroin In Tahiti hat sich in Pigneto in den letzten Jahren eine interdisziplinäre okkult-psychedelische Szene gebildet, die der Tradition des alten Roms von Pasolini und Rossellini ebenso viel verdankt wie dem sogenannten globalen Dorf. Zwischen Gentrifizierung und Kriminalität, Armut und Aufbruch, Gestern und Heute ist das römische Viertel eine Art Miniatur des modernen Italiens. Ein Ortsbesuch.

DER CLUB DER ZUKUNFT: Hans Nieswandt erklärt, wie wir in 35 Jahren Musik »auflegen« werden
TEXT: Hans Nieswandt ILLUSTRATION: Patrick Klose

Wie wir leben wollen N° 7: Pippi und die Scherben – Ein Weckruf
TEXT: Sandra Grether
»Privilege is when you think something is not a problem / Because it’s not a problem to you personally.«

PC MUSIC: Die Raserei als Souverän
TEXT: Jens Balzer ILLUSTRATION: CATK
Kaum jemand hat die Effekte der Digitalisierung bislang so konsequent in Töne gewandelt wie die Akteure des Labels PC Music. In London entsteht der perfekte Soundtrack für die sexuell und auch sonstwie dauerüberreizte Digital- Native-Generation.

Vorspiel für Holly Johnson: »Das Gehirn ist wie eine alte VHS-Kassette«
TEXT UND MUSIKAUSWAHL: Martin Hossbach FOTOS: Jennifer Endom
Holly Johnson war Mitglied der Postpunk-Band Big In Japan und seit den frühen Achtzigern Texter und Sänger der faszinierenden Popgruppe Frankie Goes To Hollywood, deren Debütsingle »Relax« nach Erscheinen von der BBC auf den Index gesetzt wurde. Mit »Two Tribes«, »The Power Of Love« und »Welcome To The Pleasuredome« folgten weitere höchst erfolgreiche Singles sowie zwei Alben. Nach der Auflösung der Gruppe startete der Sänger eine erfolgreiche Solokarriere. Im Jahr 1991 erfuhr Johnson, dass er HIV-positiv ist, zwei Jahre später machte er dies öffentlich. Ende 2014 erschien sein fünftes, sehr munteres Soloalbum Europa.

POPKULTUR

DANIEL RICHTER: Von 1980 bis jetzt: Die Collagen
Exklusiv für SPEX

JUTTA KOETHER: Gemälde wie Katzen
TEXT: Torsten Groß

ALEX ROSS PERRY: Ich möchte, dass du meine Traurigkeit kontextualisierst
TEXT: Esther Buss
Das Dysfunktionale feiert (nicht immer ganz so) fröhliche Urständ im Kino. Soziale Kompetenzbolzen wie Nerds, Loser und andere Kauze rücken immer weiter ins Scheinwerferlicht, gerne vor einem von neoliberaler Ökonomie und Angstfantasien geprägten Backdrop. Alex Ross Perry fällt dabei mit besonders scharfem Blick sowie einer nonchalanten Grausamkeit auf. Der junge US-Regisseur zeigt in seinen Filmen so schonungslos wie emphatisch auf, was seine Figuren eben nicht outsourcen können: ihr menschliches Versagen.

DER VOGEL MUSS AUS DEM EI
TEXT: Kerstin Grether
Clara Drechsler wollte ihr Hühnersuppe kochen, Diedrich Diederichsens Sexbeat half bei der Selbstbehauptung in der Kleinstadtschule: In der Adoleszenz unserer Autorin nahm SPEX eine ähnliche Rolle ein wie jener Demian aus Hermann Hesses gleichnamigem Roman. Eine literarische Rückbetrachtung.

PLÖTZLICH ERFOLGSAUTOR: Mein Literaturverständnis damals und heute
TEXT: Joachim Lottmann
Der Schriftsteller Joachim Lottmann über seine Erfahrungen im deutschen Literaturbetrieb, über tatsächliche und angedrohte Schläge, die frühen Tage von SPEX und die gegenseitig befruchtende Allianz von new journalism und Popliteratur.

WAHLVERWANDTSCHAFTEN N° 11: Christoph Gurk vs. Matthias Lilienthal
»Theater ist ein Diskussionsort«
TEXT: Ulrich Gutmair FOTOS: Wolfgang Tillmans
Das einzig Erfreuliche an der ins-gesamt unseligen Berliner Theaterdebatte vor einigen Wochen war die Tatsache, dass sie eine wichtige Diskussion wieder auf den Tisch gebracht hat: Was kann und sollte modernes interdisziplinäres Theater heute sein, leisten, vermitteln? Ein Gespräch mit dem Volksbühnen-Veteran und neuen Intendanten der Münchner Kammerspiele, Matthias Lilienthal, sowie Christoph Gurk, der Lilienthal in München als Musikkurator zur Seite steht.

Bilder, die die Welt bewegten: THE BIG RED ONE
1980, Regie: Samuel Fuller

TEXT: Drehli Robnik

Filmkritiken
Den Menschen so fern, Ich Seh Ich Seh, Taxi Teheran

PERSPEKTIVE : GENIALE DILLETANTEN – Der Geist, aus dem SPEX entstand
TEXT: Wolfgang Müller
Als SPEX 1980 gegründet wurde, entstanden überall im Land neue Denkschulen in Musik, Mode, Politik und Kunst. Gegenöffentlichkeit und Selbstermächtigung waren das Gebot der Stunde, es war eine Zeit des Aufbruchs. Im Münchner Haus der Kunst widmet sich nun die Ausstellung »Geniale Dilletanten – die Subkultur der 1980er-Jahre in Deutschland« jener Phase, als in Köln, Düsseldorf, Hamburg, Berlin und anderswo aus dem Geist des Punk etwas Neues entstand. Unser Autor blickt zurück – und beschreibt, was heute übrig geblieben ist von den Ideen der sogenannten Genialen Dilletanten.

RÜCKBLENDE: Galaktische Dimensionen
TEXT: Joachim Ody
In einer Zeitschrift, die stets mehr Avantgarde war als andere, vertritt Joachim Ody traditionell vor allem die … Avantgarde. Seit 35 Jahren schreibt er in SPEX über »außerhalb der Norm Bewährtes von Außenseitern« – eine biografische Rückbetrachtung der anderen Art.

WOHNEN IN DER SPEX: Zwischen »Roter Terminbox« und »Medienzimmer« blickte die Kölner Redaktion um die Jahrtausendwende »nach draußen«
TEXT: Dietmar Dath

KRITIKEN

Album der Ausgabe: Sleaford Mods Key Markets

Außerdem Rezensionen zu Die Review, David Toop, Marc Scherer, Michael Rother, Princehorn Dance School, Relaxed Muscle, Die Tödliche Doris, Tame Impala, Refused, Celo & Abdi, Clipse, Ciara, Thee Oh Sees, 67p / Tschurjumow-Gerassimenko, Son Lux, Kamasi Washington, John Coltrane, Hugh Masekela, Manu Dibango, Hans Nieswandt, Kapitæl zwei Kolektif, White Poppy, Alton Ellis, Cyprien Gaillard, Tiefschwarz, John Harris And The Soul Slayers, Jay-Jay Johanson,

Werke XXVI – Willkürlich und anlassfrei zusammengestellt von Diedrich Diederichsen
David Toop, 49 Americans

Gegenwartskunde – Popwelt mit Klaus Walter
Holly Herndon, Sounds Of The Universe

35 Punchzeilen – Rap mit Marcus Staiger
… aus 35 Jahren

Direct Cuts – Clubmusik mit Holger Klein
DJ Koze, Jets, Seven Davis Jr.

35 Jahre SPEX DOPPEL-CD
ZUSAMMENSTELLUNG: Daniel Gerhardt

CD 1
1. Die Sterne – »Fickt das System«
2. Ja, Panik – »Alles hin, hin, hin«
3. PJ Harvey – »Down By The Water«
4. Palais Schaumburg – »Wir bauen eine neue Stadt«
5. CocoRosie – »Gravediggress« (Radio Edit)
6. Superpunk – »Man kann einen ehrlichen Mann nicht auf seine Knie zwingen«
7. Fennesz – »Caecillia«
8. Matana Roberts – »How Much Would You Cost?«
9. Liars – »Let’s Not Wrestle Mt. Heart Attack«
10. Fatima Al Qadiri – »Shenzhen«
11. Fehlfarben – »Club der schönen Mütter«
12. Element Of Crime – »Damals hinterm Mond«
13. Die Goldenen Zitronen – »If I Were A Sneaker«
14. Caribou – »Melody Day« (Four Tet Remix feat. Luke LaLonde, Adem & One Little Plane)
15. Britta – »Ich bin 2 Öltanks«
16. Grouper – »Vital«
17. Die Zimmermänner – »Zwei mutige Wunder«
18. Tocotronic – »Free Hospital«

CD 2
1. The Notwist – »One With The Freaks«
2. Andreas Dorau (und die Bruderschaft der kleinen Sorgen) – »Demokratie«
3. Health – »Die Slow«
4. Bernadette La Hengst – »Der beste Augenblick«
5. Dendemann – »Papierkrieg«
6. Laurel Halo – »Joy«
7. Blumfeld – »Pro Familia«
8. EMA – »California«
9. Stars – »Your Ex-Lover Is Dead«
10. Ostzonensuppenwürfelmachenkrebs – »Die Pest«
11. Chicks On Speed – »Art Rules« (Rock Mix feat. Douglas Gordon)
12. Beach House – »Used To Be«
13. F.S.K. – »Red Sonja« (feat. David Lowery)
14. Squarepusher – »Vic Acid«
15. Cpt. Kirk &. – »Hotel Ruhe«
16. Der Plan – »Gummitwist«
17. Angel Olsen – »Unfucktheworld«

AUSKLANG
35 Jahre Selbstausbeutung hat einen Namen: S(pex)elbstbereicherung
Für SPEX von Peter Bömmels