SPEX N°361: Hot Chip – Der Hofnarr ist im House

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SPEX N°361, die Mai/Juni-Ausgabe 2015, – inklusive der SPEX CD 125 mit zwölf Titeln – ist ab sofort im SPEX-Shop erhältlich und ab Dienstag, dem 05. Mai 2015, im Zeitschriftenhandel. Die aktuellen Abo-Prämien finden sich hier. Weitere Informationen, Ergänzungen sowie ausgewählte Texte folgen in Kürze auf www.spex.de.

TITEL: Hot Chip

Der Hofnarr ist im House
TEXTE:  Daniel Gerhardt, Diana Weis FOTOS: Ronald Dick
Seit 15 Jahren verbindet die Londoner Band Hot Chip ihr farbenfröhliches Pop-Verständnis mit dem entsprechenden Kleidungsstil und schlägt Softies, shy guys und sonstigen Sympathieträgern vor, was es zu hören, sehen, fühlen und tragen gibt. Wir trafen den Bandkopf Alexis Taylor zu einem Gespräch über Geometrie, den Dresscode der Rockmusik und die Sinnlosigkeit von Sinnsuchen.

POPKULTUR

FADE TO MIND: Der Clash der Systeme
TEXT: Lisa Blanning & Torsten Groß FOTOS: Wolfgang Tillmans
Mit einer besonderen Kombination aus schweren Bässen, atmosphärisch-emotionaler Instrumentierung und skeptischem Blick auf die Club- und Dance-Szene von Los Angeles sorgt Fade To Mind seit geraumer Zeit für Furore. Das Label hat Musik von Kelela, Fatima Al Qadiri und vielen anderen veröffentlicht. Nicht zuletzt steht es symptomatisch für eine bezeichnende Entwicklung der letzten Jahre: Klammheimlich hat sich L.A. zum vielleicht wichtigsten Zentrum des amerikanischen Underground gemausert. Wir sprachen mit den Protagonisten des Labels.

HUDSON MOHAWKE: Nie wieder Schlafzimmer
TEXT: Michael Döringer FOTO: Patrick Desbrosses
Pop. So würde Hudson Mohawke seine Musik nach fast zehn Jahren auf der Suche nach dem perfekten Genre nun doch nennen. Er begann als Warps wonky Wunderkind und arbeitet heute mit den größten Pop-Celebrities an ihren megalomanischen Visionen. Sein neues Album Lantern ist – anders als sein Debüt Butter – kein kleines Novelty-Erdbeben mehr, sondern eine perfekt produzierte Visitenkarte für die Zukunft. Denn Hudson Mohawke sieht sich auf den Spuren von Produzenten-Maestro Rick Rubin. Zumindest daraus macht er kein Geheimnis.

UNKNOWN MORTAL ORCHESTRA: Schluffis aller Länder
TEXT: Arno Raffeiner FOTOS: Claudia Rorarius
Er glaubt an den gut abgehangenen Funk-Bass, an die sagenhaft leiernde Gitarre und an die Naivität. Er glaubt an die Liebe, an Handarbeit und an Sly Stone. Der in den USA lebende neuseeländische Musiker Ruban Nielson ist überzeugter Anhänger des Kultes der Entspannung. So schlicht und menschenfreundlich die von ihm praktizierte Weltanschauung wirkt, so vielfältig und einnehmend klingt die Musik seines Unknown Mortal Orchestras. Wer ihm zuhört, ist schnell überzeugt: In der Schlappheit liegt die Kraft.

JENNY HVAL: Die Dekonstruktion der Banane
TEXT: Kristoffer Cornils FOTOS: Dustin Aksland
Apokalypse, fertig, aus. Oder? Aber nicht doch, sagt Jenny Hval auf ihrem neuen Album Apocalypse, Girl. Die Norwegerin ist zwar direkt, ihrem Elektro-Pop muss man aber schon zuhören und hinterherdenken. Letzteres natürlich kingsize.

WAHLVERWANDTSCHAFTEN N° 10: Jimmy Somerville vs. Justus Köhnke
»Wir stellen die Frage neu: Wer sind wir?«
TEXT: Arno Raffeiner FOTOS: Christian Werner
Als der eine seinen ersten großen Hit landete, hatte der andere sein Coming-out. Jimmy Somerville krempelte mit seinem Trio Bronski Beat und dem Song »Smalltown Boy« im Jahr 1984 sämtliche Vorstellungen davon um, wie schwule Ikonen auszusehen haben – und lieferte damit auch für Justus Köhncke ein bis heute gültiges Modell queerer Identität. 31 Jahre später veröffentlicht der schottische Popsänger nun eine eben so betitelte Homage an Disco und traf aus diesem Anlass den deutschen House-Produzenten zum Gespräch über sexy Skinheads, die Tiefe von Mallorca-Schlager und das Alphabet nach Amanda Lear.

JACCO GARDNER: Träum weiter
TEXT: Dennis Pohl FOTOS: Jennifer Endom
Jacco Gardners Musik ist ein Spiegelbild unserer Zeit. Nicht etwa, weil sie sonderlich modern wäre, im Gegenteil. Das benebelte Hippie-Vokabular des jungen Niederländers klingt im Jahr 2015 bisweilen fast reaktionär. Mit süßen Melodien und substanzgesteuerter Märchenlyrik bedient sich Gardner beim Zeitgeist einer kurzen Periode Mitte der Sechzigerjahre, als die Zukunft noch etwas wert war.

Vorspiel für ACTRESS: »Ich wollte ein Aussätziger sein«
TEXT UND MUSIKAUSWAHL: Thomas Vorreyer FOTOS: Thomas Meyer
Mit dem letzten Album Ghettoville hatte Darren Cunningham sein Projekt Actress eigentlich zu Grabe getragen. Für SPEX sitzt der Produzent,
DJ, Labelbetreiber und Kurator des neuesten Mixes der DJ-Kicks-Reihe nun aber doch quicklebendig in einem Seitenraum eines ehemaligen Kraftwerks in Berlin und nimmt sich Zeit, viel Zeit. Über eine Stunde hört Cunningham konzentriert die ihm vorgesetzte Musik und erklärt, wie er die Götter wieder in den Himmel setzt.

Songtextkritik: KENDRICK LAMAR (feat. Assassin): »The Blacker The Berry«
TEXT: Wenzel Burmeier

Wie wir leben wollen N° 6: Sadomodernismis – Leben gegen die Herde
TEXT: Mark Stewart
Vor beinahe 40 Jahren standen Mark Stewart und seine Pop Group stellvertretend für die radikalen Erneuerungskräfte des Post-Punk. Nun ist die Band zurück und sieht, dass sich nichts zum Besseren gewendet hat. Zwischen Songtext, rant und Stream Of Consciousness schreibt Stewart über den Status quo und die ersten Schritte eines möglichen Widerstands.

EINKLANG
Neues aus Musik und Film

Mit Wet, Paul Dano, Torres, Holly Herndon, Kamasi Washington, Algiers

KOLUMNEN

TAXI FÜR RÜTZEL: Zebra, Otter, Teufelsgeiger
TEXT: Anja Rützel   ILLUSTRATION: Patrick Klose

GOOD MORNING AMERICA: Komische Früchtchen
TEXT: Steven Lee Beeber   ILLUSTRATION: Patrick Klose

POFALTE: Punks Of The Stone Age
TEXT: Holger in’t Veld  ILLUSTRATION: Patrick Klose

POPKULTUR

ZUFALL / SCHNITT / SCHICKSAL: Der Cut als schönste Sorge und heiliges Geheimnis des Kinos
TEXT: Georg Seeßlen
Erst mit dem Schnitt begann der Film, Film zu werden. Jeder Cut ist die Herstellung einer Beziehung, im Grunde also eine erotische Angelegenheit. Trotzdem gibt es immer wieder Versuche, der Anziehungskraft der berühmten Steenbeck-Schneidemaschinen zu entkommen. Jüngstes Beispiel ist Sebastian Schippers Film Victoria, der in einer einzigen, 140 Minuten langen Einstellung gedreht wurde. Aber warum aus dem Schnittraum flüchten? Vielleicht weil das one take movie mehr noch als ein korrekter Schnitt zeigt, was das Wunderbare an der Montage ist: die Schöpfung einer zweiten Wirklichkeit.

ANDREAS DORAU: Die Spaßrebellion – Plus: ein exklusiver Vorabdruck aus Ärger mit der Unsterblichkeit
TEXT: Kerstin und Sandra Grether ILLUSTRATIONEN: Patrick Klose
Der interdisziplinär arbeitende Musiker, Filmemacher, Autor und Opernregisseur Andreas Dorau mischt seit über 30 Jahren camp mit Hitparadenerfolgen, Avantgarde mit Pop, Dada mit Gaga. Ein Mann der Kunst, dessen skurrile Geschichte in einem neuen Buch von Dorau selbst und Sven Regener erzählt wird.

GEGEN DEN SCHEISS DER WELT
TEXT: Cord Riechelmann
In seinem Buch Der Aufstand bezeichnet der italienische Philosoph Franco »Bifo« Berardi Niklas Luhmann als einen Johnny Rotten der politischen Fantasie. Kein abwegiger Gedanke, wie eine neue Lydon-Autobiografie verdeutlicht.

Modegespräch: RÓISÍN MURPHY: »Extravaganz ist eine Rüstung«
TEXT: Diana Weis FOTOS: Phil Dunlop
Die Frau ist ein Pop-Gesamtkunstwerk. Róisín Murphy glaubt an die lebensverändernde Kraft der Mode, obwohl ihre exzentrische Ästhetik in der Musikbranche lange Zeit als künstlerischer Selbstmord galt. Ein Gespräch über Ikonen, Epigonen und den Mut zum Außenseitertum.

Buchkritiken
Frank Witzel – Die Erfindung der Roten Armee Fraktion durch einen manisch-depressiven Teenager im Sommer 1969, Westbam – Die Macht der Nacht, Oskar Roehler – Mein Leben als Affenarsch

Bilder, die die Welt bewegten: MARTHA
1974, Regie: Rainer Werner Fassbinder

TEXT: Drehli Robnik

Filmkritiken
Der Letzte der Ungerechten, The Babadook, Bloodline

KRITIKEN

Album der Ausgabe: JAMIE XX In Colour

Außerdem Rezensionen zu Shamir, Florence And The Machine, Tyler, The Creator, Earl Sweatshirt, Metz, Hiatus Kaiyote, Blur, Faith No More, Felix Laband, Bernard + Edith, Nocturnal Sunshine, Nozinja, Django Django, Sóley, Soak, Todd Rundgren, Emil Nikolaisen, Hans-Peter Lindstrøm, Martin Gore, Best Coast, Palma Violets, Du Blonde, Paul Weller, Evvol, FFS, Looper, My Morning Jacket, Major Lazer, Mbongwana Star, Lydia Lunch & Cypress Grove / Spiritual Front, Shampoo Boy, Die Regierung

Werke XXV – Willkürlich und anlassfrei zusammengestellt von Diedrich Diederichsen
Don Kovay, Uneven Eleven, Charlemagne Palestine, Rhys Chatham, Bérangère Maximin, Stepmother

Odyshape – Selten gehörte Musik mit Joachim Ody
Chilly Gonzales, Grandbrothers, Marsen Jules

Gegenwartskunde – Popwelt mit Klaus Walter
Thin White Rope, Autopilot, Lightning Bolt

Punchzeilen – Rap mit Marcus Staiger
Genetikk, Die Säcke, Bass Sultan Hengzt

Direct Cuts – Clubmusik mit Holger Klein
Lauer, 20 Years Of Henry Street – The Definitive Collection, All

SPEX CD 125
ZUSAMMENSTELLUNG: Daniel Gerhardt

1. Hot Chip – »Huarache Lights« (Radio Edit)
2. Torres – »Strange Hellos«
3. Jimmy Somerville – »Freak«
4. Jenny Hval – »That Battle Is Over«
5. Bernard + Edith – »Crocodile«
6. Metz – »The Swimmer«
7. Róisín Murphy – »Exploitation« (Single Edit)
8. My Morning Jacket – »Big Decisions«
9. Sóley – »Halloween«
10. Nocturnal Sunshine  – »Drive«
11. Du Blonde – »Black Flag«
12. Mr. Raoul K – »Break Your Chains And Return To Botswana« (Unreleased Version)

PERSPEKTIVE: Mr. Raoul K – Zwischen dem Hier und dem Dort
TEXT: Florian Sievers FOTOS: Katja Ruge
Asylbewerber, Schreiner, Fußballer – Raoul Konan, geboren im westafrikanischen Côte d’Ivoire, hat schon einige Reinkarnationen hinter sich. Als Mr. Raoul K produziert er heute vom Rande Deutschlands aus unvergleichlich eigenwilligen House, der genau so hybrid ist wie seine ganze Lebensgeschichte. Ein Besuch.

Rückblende: HERBERT Nach der Schweineplatte
TEXT: Florian Obkircher FOTO: Agnieszka Maksimik