SPEX N°353: The Black Keys / Alles scheißegal?

SPEX N°353

SPEX N°353, die Mai / Juni-Ausgabe 2014, – inklusive der SPEX CD 117 mit zwölf Titeln – ist ab Donnerstag, dem 15. Mai 2014, im Zeitschriftenhandel erhältlich. Die aktuellen Abo-Prämien finden sich unter spex.de/abo/praemien. Weitere Informationen, Ergänzungen sowie ausgewählte Texte folgen in Kürze auf www.spex.de.


TITEL: THE BLACK KEYS
Vom Sieg des Pragmatismus
TEXT: Torsten Groß   FOTOS: Hollis Bennett

Nach endlosen Tourneen und privaten Problemen holen The Black Keys zu ihrem bislang größten Schlag aus. Mit Turn Blue ist ihnen eine hochsub­stanzielle, sehr amerikanische Platte gelungen. Wir trafen Dan Auerbach und Patrick Carney in ihrer Wahlheimat Nashville.

 

TITEL: WIE, HALTUNG?

Halt mal den Joint, Alter.
TEXT: Tino Hanekamp

Wahlverwandtschaften N°3: DIEDRICH DIEDERICHSEN vs. DANIEL RICHTER: Was ist der neue Rahmen?
TEXT: Ulrich Gutmair   FOTOS: Christoph Mack
Sie haben das popkulturelle Leben und viele Debatten in diesem Land geprägt wie wenige andere: Daniel Richter, einer der bedeutendsten zeitgenössischen Künstler, Ex-Politaktivist, Buback-Chef. Und Diedrich Diederichsen, ehemaliger Chefredakteur dieser Zeitschrift, Buchautor, Pop-Theoretiker. Die beiden kennen einander seit gemeinsamen Hamburger Tagen, heute lehren sie an der Wiener Akademie der Bildenden Künste. Der Buchautor und Journalist Ulrich Gutmair stellte Daniel Richter und Diedrich Diederichsen für SPEX unter anderem folgende Frage: Haltung, was ist das überhaupt?

Vom vorläufigen Ende der Gleichheit
TEXT: Cord Riechelmann​
Hat das christlich fundierte Gleichheitsprinzip ausgedient? Hat es jemals funktioniert?

Haltung? Ich bin doch kein Massentier
TEXT: Thomas Hübener
Haltung ist geistige Trägheit. Ihre größte Gefahr liegt im Terror der Differenz. Was wir brauchen, sind weniger Leute, die uns sagen, was wir brauchen. Gegen die Zumutungen des Appellativen helfen eisige Gleichgültigkeit und ein gut gelauntes: »Na und!«

Pro Deutsch-Rap
TEXT: Sookee
Sookee über »Fremde im eigenen Land« und Feigenblättchen im deutschen HipHop.

ROSA VON PRAUNHEIM: »Alle unsere Befürchtungen sind eingetreten«
TEXT: Torsten Groß   FOTOS: Magnus Pettersson
Der Aktivist und Autorenfilmer über Emanzipationskämpfe gestern und heute, die Doppelmoral der Kirchen sowie die ungebrochene Relevanz seines Films Nicht der Homosexuelle ist pervers, sondern die Situation, in der er lebt.

Macht nichts, nenn mich Opfer!
TEXT: Aram Lintzel
Durch die Ergüsse neoreaktionärer Tugendritter wie Thilo Sarrazin und Akif Pirinçci finden homophobe, rassistische und urkonservative Ressentiments Gehör, die eigentlich zum Rüstzeug der Nachkriegszeit gehören. Insbesondere im Internet geben rechte Querulanten den Ton an.

Sontextkritik: LILY ALLEN »Sheezus«
TEXT: Kerstin & Sandra Grether


EINKLANG
Neues aus Musik, Kunst und Literatur​

PARQUET COURTS: Kleine Geschichte des Zynismus
TEXT: Daniel Gerhardt

KATE TEMPEST: Dieses Feuer
TEXT: Sonja Eismann   FOTO: Louis Vignat

MICHEL HOUELLEBECQ: Hinter den Klischees
TEXT: Thomas Hübener   FOTO: Philippe Matsas

WINFRIED BAUMANN: Camping für Banker
TEXT: Johannes von Weizsäcker

RAMONA LISA: Aus der Haut
TEXT: Max Link   FOTO: Dustin Aksland

WHITE LUNG: Lila Flecken
TEXT: Hendrik Otremba


POPKULTUR

BRIAN ENO & KARL HYDE: Gott würfelt gerne
TEXT: Arno Raffeiner FOTOS: Phil Dunlop
Brian Eno ist ein Mann mit Prinzipien. Er hat eine beeindruckende Karriere auf der Überzeugung aufgebaut, dass es immer besser ist, Konventionen gegen den Strich zu bürsten. Mit Karl Hyde von Underworld veröffentlicht er nun ein gemeinsames Album, nach üblicher Routine ablaufende Presse­termine darf man dabei von einem solchen Popquerdenker nicht erwarten. Stattdessen laden Eno und Hyde dazu ein, sie bei der Ideenfindung im Studio zu begleiten. In einem ehemaligen Pferdestall in Notting Hill wird ziemlich radikal gebürstet. Kunst ist irrelevant, sagt Eno. Und genau das ist ihr Wert.

SWANS: »Ich bin das Gegenteil von Langeweile«
TEXT: Tim Caspar Boehme   FOTO: Yves Borgwardt
Seit 22 Jahren betreibt der große Schmerzensmann Michael Gira mit Unterbrechungen sein avantgardistisches Lärmkollektiv Swans, dessen einziges ständiges Mitglied er selbst ist. Wir sprachen mit dem Solitär über Katholizismus, musikalische Grenzerfahrungen und das neue Swans-Album To Be Kind.

Vorspiel für OWEN PALLETT: »Darf ich mich jetzt umbringen?«
TEXT & MUSIKAUSWAHL: Dennis Pohl   FOTOS: Phil Dunlop
Im Schneidersitz hat es sich Owen Pallett auf einem Sofa im Berliner Büro seiner Plattenfirma bequem gemacht. Er ist direkt von einer Tour mit Arcade Fire, die er »meine Kunden« nennt, in die Stadt gekommen, um über sein neues Album In Conflict zu sprechen. Man merkt dem kanadischen Geiger an, dass unlängst ein Interview mit ihm in der amerikanischen Presse für Aufregung gesorgt hat. Pallett war darin kritisch zum jüngsten Arcade-Fire-Album Reflektor befragt worden und hatte ungehalten reagiert. »Manche Leute suchen zwanghaft nach Gründen, die Band fertig zu machen«, bringt er das Thema ungefragt auf den Tisch. Der 34-Jährige ist in angriffslustiger Plauderlaune.

TUNE-YARDS: Königin des Regenbogens
TEXT: Daniel Gerhardt   FOTO: Reinhard Bremach
Am Ende saß Merrill Garbus auf einem Berg aus Worten und fragte sich, was sie bedeuten könnten. Für Nikki Nack, ihr drittes Album als Tune­-Yards, schrieb die Sängerin und Multiinstrumentalistin mehr Texte und Musik als je zuvor. Herausgekommen ist dabei ein Protestalbum und gleichzeitig ein Album über den Beruf der Protestsängerin, im Schiffscontainerstudio umgesetzt mit Hilfe von haitianischer Schlagzeugtechnik. Walt Whitman und Charlie Chaplin gaben die Richtung vor, Lisa Simpson hängt auch noch irgendwie mit drin.

KINK: Durchaus: House
TEXT: Tobi Müller   FOTO: Christoph Mack
Mit Veröffentlichungen von Labelhead Stefan Goldmann, Elektro Guzzi und anderen erweitert das Berliner Label Macro die House-Geschichte um osteuropäische Perspektiven. Besonders interessant und viel gebucht: DJ Kink, der bulgarische Kneipenlieder mit Detroit- und Chicago-Sounds aus dem Silicon Valley Osteuropas garniert.


KOLUMNEN

TAXI FÜR RÜTZEL Das Ding aus dem Moor
TEXT: Anja Rützel   ILLUSTRATION: Patrick Klose

GOOD MORNING AMERICA I read the news today
TEXT: Steven Lee Beeber   ILLUSTRATION: Patrick Klose

POFALTE Frühstück
TEXT: Holger in't Veld  ILLUSTRATION: Patrick Klose


POPKULTUR

BOYHOOD: Dem Leben bei der Arbeit zusehen
TEXT: Gerhard Midding   BILDER: Universal Pictures international
Zwölf Jahre lang hat Richard Linklater einen Jungen aus dem Süden der USA mit der Kamera begleitet. Die im Dokumentarischen bestens etablierte Langzeitbeobachtung überträgt Linklater mit Boyhood auf einen Spielfilm und einen Spannungsbogen von drei Stunden, in dem sich die Geschichte einer kompletten Jugend entfaltet. Ein Unterfangen, das in der Filmgeschichte seinesgleichen sucht. Und das ein berühmtes Zitat Jean Cocteaus, wonach Filmen bedeutet, dem Tod bei der Arbeit zuzusehen, ins Hoffnungsvolle wendet.

Richard Linklater über Boyhood»Ich mochte seinen Blick auf die Welt«
TEXT: Patrick Heidmann

Bilder, die die Welt bewegten: LOOSE CHANGE
TEXT: Robert Defcon

Filmkritiken
Oktober November, Fräulein Else, True Detective 

Alex Demirović über MICHEL FOUCAULT: »So wollen wir nicht leben!«
TEXT: Pascal Jurt
Am 25. Juni 1984 starb Michel Foucault. 30 Jahre nach seinem Tod ist der Autor von Überwachen und Strafen, Die Ordnung der Dinge und Die Archäologie des Wissens einer der meistzitierten Theoretiker des 20. Jahrhunderts. Pascal Jurt sprach mit dem Sozialwissenschaftler Alex Demirović über unterschiedliche Rezeptionsschübe sowie entpolitisierte Lesarten Foucaults, neue Angst- und (Un-)Sicherheitsdispositive und aktive Intoleranz.

Buchkritiken
Tomas Espedal Wider die Natur (Die Notizbücher), Alain Badiou Pornographie der Gegenwart, Alexander Kluge 30. April: Der Tag, an dem sich Hitler erschoss und die Westbindung der Deutschen begann, Olaf Heine Brazil

Habt gefälligst Spaß!
TEXT: Dennis Pohl
Im 21. Jahrhundert bewegen wir uns zwischen Euphorie und Depression und sind konfrontiert mit den verheißungsvollen Möglichkeiten der ständigen Selbstoptimierung. Wir leben in einer Gegenwart, die sich vor allem einem Credo verschrieben zu haben scheint: höher, schneller, weiter – und vor allen Dingen: mehr Spaß. Die Schirn Kunsthalle Frankfurt hat sich in der Ausstellung Unendlicher Spaß dieses Themas angenommen.

Modegespräch mit CHRISTA DE CAROUGE: »Kleider sind Häuser für den Körper«
TEXT: Jacqueline Krause-Blouin  FOTOS: Mara Troug
Lange bevor junge Labels wie Augustin Teboul Kollektionen präsentierten, die komplett in Schwarz gehalten waren, gab es die Schweizer Modedesignerin Christa de Carouge. 1965 stieg sie mit ihrem damaligen Ehemann ins Modebusiness ein und steht seither für Eleganz, Radikalität und Reduktion – ganz ohne Farbe. Sie empfängt in ihrer Züricher Loftwohnung, die – wie sollte es anders sein – komplett in Schwarz- und Grautönen gehalten ist. De Carouge trägt eine elegante Tunika, spricht bedächtig, und wenn sie auf Deutsch die Worte nicht findet, wechselt sie ins Französische. Beim Gespräch über Japan, Prostituiertenmode und Provokation in der Modeindustrie ständig auf ihrem Schoß: ihr schwarzer Cockerspaniel Sushi.


KRITIKEN

Album der Ausgabe: FENNESZ Bécs

Hercules and Love Affair, Clipping, Kyoka, Diamond Version, Maria Minvera, Lykke Li, Death, Röyksopp & Robyn, Archie Bronson Outfit, Ben Frost, Der Nino aus Wien, Conor Oberst, Ought, Plaid, Kreidler, Future, The Antlers, Camilla Sparksss, Bo Ningen, The Horrors, Pixies, Protomartyr, Alias, Dead Moon, Jack White, Sylvan Esso, Tuxedomoon, Japanische Kampfhörspiele, Noxagt, Donna Regina, The Acid, Iggy Azalea

Werke XVII – Willkürlich und anlassfrei zusammengestellt von Diedrich Diederichsen
Wu-Tang Clan, Alvin Curran, 20.SY

 

Odyshape – Selten gehörte Musik mit Joachim Ody
Doctor Who – The 50th Anniversary Collection, Jóhann Jóhannsson, Inner City Beat

Gegenwartskunde – Popwelt mit Klaus Walter
Sleaford Mods, Wendy Gondeln

Punchzeilen – Rap mit Marcus Staiger
Kollegah, Olli Banjo

Direct Cuts – Clubmusik mit Holger Klein
Todd Terje, Deadbeat & Paul St. Hilaire, Laurent Garnier, Gerry Reid

SPEX CD 117
ZUSAMMENSTELLUNG: Daniel Gerhardt

1. Swans »A little God In My Hands«
2. Owen Pallett »Song For Five & Six«
3. Kate Tempest »Lonely Daze«
4. Ramona Lisa »Dominic«
5. How To Dress Well »Repeat Pleasure«
6. Fennesz »Static Kings«
7. Conor Oberst »Hundreds Of Ways«
8. Clipping »Work Work« (feat. Cocc Pistol Cree)
9. Hercules and Love Affair »Think«
10. The Acid »Basic Instinct«
11. Sylvan Esso »Play It Right«
12. Ben Frost »Venter«


PERSPEKTIVE

Ein schöner Traum: Brasilien
TEXT: Astrid Kusser   FOTO: Olaf Heine
Brasilien schien der ideale Austragungsort für eine Fußball-WM zu sein: Samba, Sonne, Partyhütchen. Die unerwarteten Proteste im Vorfeld des Turniers belegten indes, wie weit sich derartige Großveranstaltungen von den Menschen und ihren Bedürfnissen entkoppelt haben. Warum man sich trotz Zwangsumsiedelungen und mangelnder Nachhaltigkeit trotzdem auf die WM freuen darf, erklärt unsere in Brasilien lebende Autorin.

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RÜCKBLENDE: Coachella Festival
18. – 20.4.2014, Indio, Kalifornien

TEXT: Jacqueline Krause-Blouin   FOTO: Adam Katz (Tales of Style)

AUSKLANG Sender
Exklusiv für SPEX von Michaela Melián