SPEX N°352: Damon Albarn

SPEX N°352 

SPEX N°352, die April-Ausgabe 2014, – inklusive der SPEX CD 116 mit zwölf Titeln – ist ab Donnerstag, dem 27. März 2014, im Zeitschriftenhandel erhältlich. Die aktuellen Abo-Prämien finden sich unter spex.de/abo/praemien. Weitere Informationen, Ergänzungen sowie ausgewählte Texte folgen in Kürze auf www.spex.de.


TITEL: Damon Albarn
»Wir haben euch ordentlich den Arsch versohlt!«​
TEXT: Torsten Groß   FOTOS: Kim Jakobsen To

Inzwischen eine Binse, aber auch mit 46 ist Damon Albarn immer noch der umtriebigste Geist der britischen Popmusik: Alleine in den vergangenen Monaten hat er parallel die letzten Konzerte der Blur-Reunion-Tournee gespielt, ist mit Bobby Womack beim Glastonbury-Festival aufgetreten und hat mit Brian Eno, Nick Zinner sowie zahlreichen anderen Musikern in Mali das Projektalbum Africa Express Presents: Maison Des Jeunes aufgenommen. Nicht zuletzt fand Albarn noch die Zeit, sich seinem ersten Soloalbum überhaupt zu widmen. Das in diesen Tagen erscheinende Everyday Robots ist ein ehmütiges Werk über Vergänglichkeit geworden, das in Teilen wie ein musikalisches Tagebuch funktioniert. Wir besuchten Damon Albarn in seinem Londoner Studio.


EINKLANG

THE COURTNEYS: Licensed To Chill
TEXT: Dennis Pohl   FOTO: Jimmy Jeong

JAMES BENNING: Landschaftsgeschichten
TEXT: Esther Buss

RATKING: Im Netz der Spinne
TEXT: Sascha Ehlert   FOTO: Dustin Askland

RICKY EAT ACID: Vergiss die Vorstadt
TEXT: Kristoffer Cornils   FOTO: Dustin Aksland

RAFAEL GRAMPÁ: ​Elvis an der Theke
TEXT: Dennis Pohl   FOTO: Robert Wunsch


POPKULTUR

Wahlverwandschaften N°2: JAN DELAY vs. MARTERIA: »Dschungelcamp? Dann könnt ihr uns erschießen!«
TEXT: Torsten Groß   FOTOS: Amos Fricke
Der eine prägte mit den Beginnern die goldene Ära in den Neunzigern, der andere ist einer der interessantesten Vertreter des aktuellen Rap-Booms. Aber Jan Delay vs. Marteria repräsentiert nicht nur zwei Generationen deutscher HipHop-Kultur, die beiden Norddeutschen sind auch seit Jahren gut miteinander befreundet. Zeit für ein Gespräch über den neuen und den alten Rap, über Haltung, Moral, stilvolles Altern und musikalische Wurzeln.

Vorspiel für KELIS: Too cool for school
TEXT & MUSIKAUSWAHL: Sonja Eismann   FOTOS: Claudia Rorarius​
Keine Fragen zu Nas, heißt es in der Interview-Einladung. Wer war noch mal dieser Nas? Späßchen, aber wer will schon über Ex-Ehemänner reden, wenn es eine mit Essensreferenzen gespickte Soulplatte der graduierten Meisterköchin und Imagewandlerin aus New York zu besprechen gibt? Während im hallengroßen Vorzimmer Kelis’ aktueller Freund mit dem Sohn von Boris Becker in der Sofalandschaft herumlümmelt, klimpert Kelis im Audienzzimmerchen mit flashy Goldarmreifen, fährt sich durch die hüftlange Mähne und läuft trotz New Yorker Coolness bei Fragen zu ihrer politischen Soul- und HipHop-Legacy zu einer alle Ambivalenzen bedenkenden Hochform auf.

Sohn & Kwabs: Der Soul der Maschinen
TEXT: Daniel Gerhardt   FOTOS: Christoph Mack (Sohn), Kim Jakobsen To (Kwabs)
Auf den ersten Blick erfüllt Sohn keine der Bedingungen, die für gewöhnlich an Soulmusiker gestellt werden. Auf den zweiten bestätigt sich das glück- licherweise: Mit dem mageren, bleichen Electro-Soul seines Debütalbums Tremors unterzieht der Wahl-Wiener das Genre einer Wurzelbehandlung. Kühl und distanziert klingt es danach, offenbart vor allem in den Songs des Sohn-Kollaborateurs Kwabs aber doch erstaunliches kommerzielles Potenzial. Kein Unfall, wie der Produzent weiß: »Wenn Leuten wie mir vertraut wird, ist das ein gutes Zeichen für die Popmusik.«

THE AFGHAN WHIGS »Wir alle sind das Biest!«
TEXT: Sandra Grether & Kerstin Grether   FOTOS: Yves Borgwardt
Nach 16 Jahren erscheint in diesen Tagen mit Do To The Beast tatsächlich noch mal ein neues Album der vormaligen Sub-Pop-Heroen Afghan Whigs. Aber braucht man das? Und hat nicht ausgerechnet Greg Dulli in den vergangenen Jahren mit zahlreichen denkwürdigen Projekten bewiesen, dass im Pop die beste Richtung immer nach vorne ist? Sandra & Kerstin Grether fragten nach.

DILLON: Küchentischpsychologie
TEXT: Jacqueline Krause-Blouin   FOTO: Jonas Lindström​
Die goldenen Stunden des Morgens sind Dominique Dillon de Byington die liebsten. Tag für Tag saß die Sängerin während der Produktion ihres neuen Albums um halb fünf Uhr morgens in der Küche und wartete auf die Muse. Künstlerische Struktur à la Thomas Mann. So wurden ihr die zwölf Songs ihres zweiten Albums The Unknown regelrecht einsouffliert. Dieser produktiven Schaffensphase ging allerdings eine verzweifelte, aufreibende Suche voran.

RODION G.A.: Monument aus Strom
TEXT: Arno Raffeiner  FOTOS: Sibilla Calzolari
Heute würden ihn manche Sozialtourist schimpfen. Früher nannten sie ihn den König der Lautsprecher. Im Rumänien der Achtziger landete Rodion G.A. einen Radiohit nach dem anderen, doch man konnte seine Songs nirgendwo kaufen, zeitgleich mit dem Niedergang des Ceauşescu- Regimes verschwanden sie schließlich ganz. Über 30 Jahre nach seiner Entstehung ist das Werk von Rodion G.A. auf seinen Lost Tapes neu zu entdecken. Und mit ihnen die Geschichte des vermutlich besten Sounds der ganzen Welt.​

EMA: Digitales Dauerfeuer​
TEXT: Daniel Gerhardt FOTO: Tariq Bold
EMA hat 4.500 Twitter-Follower, 12.000 Facebook-Fans und noch keine 20.000 Platten verkauft. Viel ist das nur, wenn man die Menschen hinter diesen Zahlen als Bedrohung der eigenen Privatsphäre begreift. Ihr ebenso schonungsloses wie selbstfixiertes Debütalbum machte Erika M. Anderson erst zur Hoffnung der schmerzerprobten Rockmusik – und dann ein bisschen paranoid. Der Nachfolger The Future’s Void scheint auch deshalb die persönliche Perspektive zu opfern und seine zehn Finger in Wunden zu legen, an denen die Künstlerin nicht alleine leidet. Bis man merkt,
wo es wirklich brennt.

Sontextkritik: MARCUS WIEBUSCH »Der Tag wird kommen«
TEXT: Oliver Minck


KOLUMNEN

TAXI FÜR RÜTZEL Der riesengroße Schwall
TEXT: Anja Rützel   ILLUSTRATION: Patrick Klose

GOOD MORNING AMERICA Sturm in der Müslischale
TEXT: Steven Lee Beeber   ILLUSTRATION: Patrick Klose

POFALTE Karies und Baktus
TEXT: Holger in't Veld  ILLUSTRATION: Patrick Klose


POPKULTUR

WEITES LAND: Wo verläuft die neue Frontier?
TEXT: Anke Sterneborg
Die Cowboys sind tot. Lang lebe der Western! In ihren aktuellen Filmen spielen Regisseure wie Hiner Saleem, Thomas Arslan, Andreas Prochaska und Hao Ning mit Konventionen des Wildwestgenres. Sie projizieren die Probleme der modernen Welt auf die Geschichten von einst und bringen dabei vor allem die Landschaften selbst zum Sprechen: schroffe Kalkfelsen, verschneite Alpentäler, Wüstensand.

Bilder, die die Welt bewegten: STOP MAKING SENSE
TEXT: Robert Defcon   BILDER: Arthaus

Filmkritiken
Yves Saint Laurent, Snowpiercer, Stories We Tell

FATIMA AL QADIRI: Strategisch eklektisch
TEXT: Leonie Radine
Fatima Al Qadiri ist Video-, Performance- und Konzeptkünstlerin, Komponistin, Produzentin und DJ, sie publiziert regelmäßig als Autorin in internationalen Kunst- und Kulturmagazinen und bloggt nebenbei für das New Yorker Online-Magazin DIS, das derzeit als wichtigste unabhängige Stilbibel gehandelt wird. Dabei schafft das künstlerische Chamäleon nicht nur, die Grenzen vermeintlich disparater Entitäten aufzulösen, sondern bei allem Eklektizismus und Multitasking vor allem eines: bei sich zu bleiben.

ROBERT GWISDEK: Der Segen des Wahnsinns
TEXT: Dennis Pohl   FOTO: Louis Vignat
Er ist Musiker, Regisseur, Hobbytischler und nicht zuletzt auch Schauspieler. Nun liegt sein Debütroman Der unsichtbare Apfel vor. Und überzeugt. Robert Gwisdek über Selbstermächtigung, Wahnsinn und den Tanz auf vielen Hochzeiten.

MARK FISHER: Hauntology – zwischen Nicht-mehr und Noch-nicht
TEXT: Olaf Karnik
Einen der interessantesten Diskurse der Popkultur der vergangenen Jahre rückt Mark Fisher in seinem neuen Buch ins Zentrum: Ghosts Of My Life versammelt ausgewählte Schriften, die Fisher zuerst in seinem Blog K-Punk veröffentlicht hatte. Fisher bezieht den Hauntology-Begriff auf eine Musikästhetik, die sich nicht alleine dem ewigen Gestern verpflichtet fühlt, der Geschichtsbewusstlosigkeit der Postmoderne und ihrer neoliberalen Prozesse, die kulturell wie auch sonst vor allem eines produzieren: Leere und kulturellen Konservatismus.

Buchkritiken
Alexei Monroe Laibach und NSK: Die Inquisitionsmaschine im Kreuzverhör, Judith Butler / Athena Athanasiou Die Macht der Enteigneten, Henri Lefèbvre Die Revolution der Städte: La Révolution Urbaine

Modegespräch mit KILIAN KERNER: »Auf einmal hat es so richtig geballert in meinem Kopf«
TEXT: Jacqueline Krause-Blouin  FOTOS: Yves Borgwardt   GROOMING: Philipp Koch Verheyen
Kilian Kerner war einst das Wunderkind der Berlin Fashion Week. Heute ist er einer der erfolgreichsten Modedesigner in Deutschland. Das war nicht immer so: Für seine ersten Kollektionen wurde er verspottet. Inzwischen macht Kilian Kerner Rekordumsätze und kleidet die hiesige Filmbranche ein. Ein Gespräch über Panikattacken, Method Acting und Chiffon.


KRITIKEN

Album der Ausgabe: FATIMA AL QADIRI Asiatisch

Owen Pallett, Chris Imler, Pharrell Williams, Charles Cohen, Evian Christ, Current 93, Little Dragon, copeland, Schoolboy Q, Sisyphus, HTRK, Cyclobe, Maxïmo Park​, Mosi-O-Tunya, Witch, Efdemin, Avey Tare's Slasher Flicks, Automat, Lonski & Classen, Mac DeMarco, Tara Jane O'Neil, Farben & James Din A4, Boozoo Bajou, Vermont, Malachai, The War On Drugs, La Dispute, Perfect Pussy, Hamilton Leithauser, Freddie Gibbs & Madlib

Werke XVI – Willkürlich und anlassfrei zusammengestellt von Diedrich Diederichsen
Christina Vantzou, France Jobin, Arturas Bumšteinas

 

Odyshape – Selten gehörte Musik mit Joachim Ody
Scanner, Simon Fisher Turner, John Luther Adams

Gegenwartskunde – Popwelt mit Klaus Walter
Moodymann, Funkadelic, Bernie Worrell

Punchzeilen – Rap mit Marcus Staiger
Le1f, Sookee, Samy Deluxe

Direct Cuts – Clubmusik mit Holger Klein
Todd Terje, Deadbeat & Paul St. Hilaire, Laurent Garnier, Gerry Reid

SPEX CD 116SPEX CD 116
(Für Cover in Hochauflösung bitte auf Bild klicken!)
ZUSAMMENSTELLUNG: Daniel Gerhardt

1. Avey Tare’s Slasher Flicks »Little Fang«
2. Kelis »Rumble«
3. Hamilton Leithauser »Alexandra«
4. Kwabs »Wrong Or Right«
5. EMA »3Jane«
6. Sisyphus »Alcohol«
7. Dillon »You Cover Me«
8. The War On Drugs »Red Eyes«
9. Malachai »I Deserve To No«
10. Fatima Al Qadiri »Dragon Tattoo«
11. Chris Imler »Used To Too«
12. Ricky Eat Acid »Inside Your House; It Will Swallow Us Too«


PERSPEKTIVE

Schöne Neue Welt: Die formativen Tage des prägenden Labels ZTT
TEXT: Paul Morley   BILDER: Peter Brown (Propaganda), Anton Corbijn (Frankie Goes To Hollywood)
Es war die Zeit der großen Umstürze, der Theorien, des anything goes. Und wie so viele andere hatte auch Paul Morley einen Traum: Zuvor hatte der junge Autor dazu beigetragen, die Art, wie über Pop geschrieben wurde, zu radikalisieren. Dann wagte er sich an ein weitaus ambitionierteres Projekt: Gemeinsam mit Trevor Horn inszenierte Morley das Plattenlabel ZTT als futuristischen Dada-Art-Pop-Traum, in dem die Künstler als quasi-fremdbestimmte Schachfiguren eingesetzt wurden. Bevor ZTT in einer Wolke aus Prozessen, wirtschaftlichen Verfehlungen und Anfeindungen implodierte, gelang so nicht weniger als die Weichenstellung für den Internet-Pop-Eskapismus heutiger Prägung. Exklusiv für SPEX erinnert sich Morley an die formativen Tage.

*

RÜCKBLENDE: Termin mit den Totengräbern
Bill Callahan 
15. Februar, Berlin Heimathafen
Bonnie »Prince« Billy 07. März, Frankfurt, Zoom

TEXT: Daniel Gerhardt   FOTOS: Roland Owsnitzki (Bill Callahan), Ramon Haindl (Bonnie »Prince« Billy)

AUSKLANG Kurt Cobain 20.02.1967 – 05.04.1994 Exklusiv für SPEX von Patrick Klose