SPEX N°347: Casper

SPEX N°347: Casper

SPEX N°347, die September-Ausgabe 2013, – inklusive der SPEX CD 111 mit zwölf Titeln – ist ab Mittwoch, dem 14. August 2013, im Zeitschriftenhandel erhältlich. Die aktuellen Aboprämien finden sich ab Montag hier. Weitere Informationen, Ergänzungen sowie ausgewählte Texte folgen in Kürze auf www.spex.de.

TITEL

CASPER Auf der Jagd nach dem nächsten High
TEXT: Torsten Groß   FOTOS: Oliver Rath
Mit XOXO gelang ihm der ganz große Durchbruch: Casper war wochenlang Dauerthema in allen Medien von Feuilleton bis Rap-Presse. Er revitalisierte ein angeschlagenes Genre, spielte die größten Festivals, war auf Platz eins der Charts, vor seiner Haustür campierten Fans. Irgendwann dann die Frage: Was soll jetzt noch kommen? Casper verschanzte sich in der westdeutschen Provinz und nahm mit Hinterland ein Album auf, das viele überraschen wird. Ein Prozess, den SPEX exklusiv begleitet hat.

POPKULTUR

BABYSHAMBLES »Ich war konstant beschäftigt mit diesem Autsch!«
TEXT: Arno Raffeiner   ILLUSTRATIONEN: Patrick Klose
Ein weicher Körper. Haarlos und etwas käsig, teigig fast. Peter Doherty sitzt in einem Backstage-Container, nur ein Handtuch über den nackten Schultern, aber eine Riesengeschwulst im Gesicht, die seine gesamte Erscheinung verzerrt: Kieferentzündung. Ihm gegenüber Gitarrist Mick Whitnall, beide spielten mit den Babyshambles eben noch einen großen Festivalauftritt voll verstolperter Energie – so wie man ihn erwartet von dieser Band und von ihrem Sänger, der die Rockstarrolle mit erschreckender Konsequenz und Leidenschaft performt. Doherty zündet seine Zigarre nochmals an und beginnt, von Instinkt, Weltverschwörung und Vagabunden zu erzählen.
Albumkritik: Babyshambles Sequel To The Prequel
TEXT: Kerstin und Sandra Grether

NINE INCH NAILS Strategien für das neue Jahrtausend
TEXT: Max Dax
Trent Reznor hat den alten Musikmarkt hinter sich gelassen, umarmt das Internet, hat Verständnis für illegale Downloader, stellte sich in den vergangenen Jahren radikal neu auf. In diesen Tagen erscheint nun mit Hesitation Marks ein neues Nine-Inch-Nails-Album. Das bislang poppigste Werk der Band könnte die große Konsensplatte der vormaligen Industrial-Giganten werden.

ARCTIC MONKEYS Ein toller Tisch
TEXT: Daniel Gerhardt   FOTOS: Tinka und Frank Dietz

Die Arctic Monkeys waren Englands letzter großer Gitarren-Hype. Heute sind sie eine unterbewertete Rockband aus Los Angeles. Unpopuläre Entscheidungen und Stilkorrekturen haben sie in diese Position gebracht, die Band aber pocht auf Selbstbestimmung und Weiterentwicklung. Ihr fünftes Album AM gibt ihr recht: Es pflegt einen unverkrampften Umgang mit rockfernen Einflüssen und zeigt den früher so schüchternen Sänger Alex Turner als spät berufenen Charismatiker. Im Interview erzählt er, was passiert ist – und wer die besten Tische der Popmusik baut.

VORSPIEL für GRANT HART »Gleichschaltung regt mich auf!«
TEXT & MUSIKAUSWAHL: Martin Hossbach   FOTOS: Holger Pooten
Nach entbehrungsreichen Jahren hat Grant Hart beim britischen Domino-Label eine Heimat gefunden. Bevor vor einigen Wochen mit The Argument ein neues Album des einstigen Hüsker-Dü-Schlagzeugers erschien, spielten wir Hart einige Songs vor.

MGMT Neue Songs für Sarkozy
TEXT: Christina Mohr   FOTO: Dustin Aksland
Congratulations war kein Ausreißer: Wer die Hoffnung hatte, dass MGMT sich auf ihrem dritten Album wieder den poppigen Indietronic-Hymnen des Debüts zuwenden würden, kann selbige begraben. Noch radikaler, offener und tradierte Hörgewohnheiten ignorierend gehen Andrew Van Wyngarden und Ben Goldwasser auf MGMT zuwerke. So entstand ein Album, wie es große Plattenfirmen eigentlich nicht veröffentlichen. Wir trafen die Musiker in Paris.e.

MESSER In den Extremen
TEXT: Thomas Vorreyer   FOTO: Christian Prote
Warum kommt eigentlich ausgerechnet aus Münster so viel Musik? Mit Fahrrädern und Katholizismus allein lässt sich das ja nicht erklären. Aber Schluss mit den Klischees: Die Gruppe Messer hat ein zweites Album aufgenommen, Die Unsichtbaren. Wir finden’s geil und besuchten die Band: in Münster.

WILLIS EARL BEAL Nichts ist alles
TEXT: Daniel Gerhardt   FOTO: Dustin Aksland
Überschaubare handwerkliche Fähigkeiten treffen bei Willis Earl Beal auf einen rastlos rasenden Verstand. Form und Richtung seiner Songs kann das Multitalent deshalb kaum kontrollieren, jede künstlerische Äußerung platzt einfach aus ihm heraus. Im Gespräch warnt der Sänger vor sich selbst: »Stellen Sie möglichst genaue Fragen, sonst fange ich an zu schwafeln.«

FACTORY FLOOR Auf Augenhöhe
TEXT: Arno Raffeiner   FOTO: Holger Pooten
Einfachheit ist aufgelöste Komplexität. Diese Erkenntnis des Bildhauers Constantin Brâncuși ist in jedes einzelne Stück von Factory Floor gemeißelt. Dem englischen Trio geht es um Reduktion und Repetition. Und um die Frage, wie man sich in der Tradition von Throbbing Gristle und New Order in heutigen Unwohlfühllandschaften einrichten kann.

FUCK BUTTONS Drei Farben: Schwarz
TEXT: Florian Obkircher   FOTO: Holger Pooten
Es gibt nur wenige Bands, deren Musik auf Avantgarde-Festivals und im Sportstadion funktioniert. Vermutlich gibt es überhaupt nur eine: Fuck Buttons. Das britische Duo hat sich seinen eigenen Klangkosmos aus Breitwand-Sounds und Kinderkeyboard-Lärm geschaffen. Ein Kosmos, der auf dem neuen Album Slow Focus düsterer definiert wird als zuvor.

KING KRULE Malade Balladen aus dem Fleischwolf
TEXT: Jan Wehn   FOTO: Christoph Mack
Was für ein lautes Interview das ist! Ständig kommen Geräusche aus diesem kleinen Bengel Archy Marshall. Erst zieht er lautstark die Rotze in der Nase hoch, dann schlürft er genüsslich mit dem Löffel einzelne Schokoladenflakes aus der Milch und hustet zwischen zwei Kippen polternd ab. Auf die ersten Fragen wird hier um kurz nach 10 Uhr morgens auch mehr schlecht als recht geantwortet. Den Sinn hinter megamüdem Grummelnuscheln und halb verschluckten Cockney-Brocken muss man sich erst penibel erschließen.

EARL SWEATSHIRT Hi, my name is …
TEXT: Jan Wehn

NADINE SHAH Ein Kind von Traurigkeit
TEXT: Thomas Hübener   FOTO: Phil Dunlop

LORDE Royale Tagträume
TEXT: Lisa Cordes

Sontextkritik: PULP »Deep-Fried In Kelvin«
TEXT: Kerstin und Sandra Grether

POPKULTUR

WAS HAT LINDSAY GESAGT? The Bling Ring
TEXT: Esther Buss  FOTOS: Tobis Film
Bilderreigen nach einer wahren Geschichte: Sofia Coppola spürt mit The Bling Ring den Raubzügen einer Celebrity-kranken Jugendbande in Hollywood nach. Ihr Film schwelgt im Überfluss an Handtaschen, Dessous und »Loubous« – und bekommt in seinem ritalinhaften Objektrausch die Kaputtheit der realen Vorbilder nicht so recht in den Fokus.
SOFIA COPPOLA: »Okay, ich promote Paris Hilton«
TEXT: Jacqueline Krause-Blouin
Die Regisseurin von The Bling Ring über Grenzüberschreitungen, ihre eigene Jugend ohne Gossip-Magazine und den exzessiven Gebrauch von Sofakissen.

ABSTIEG IN DIE HÖLLE DER GEWISSENSBISSE Breaking Bad
TEXT: Barbara Schweizerhof   BILD:  Sony Pictures Home Entertainment
Die Verwandlung des Walter White – vom gedemütigten Niemand zum Drogenlord – findet in der finalen Staffel von Breaking Bad ihre Vollendung. Die nun auslaufende US-Serie erfand den wohl markantesten (Anti-)Helden neuen Typs. Zeit, zu fragen, weshalb das Böse die heutige Serienlandschaft so fest gefangen hält.

Bilder, die die Welt bewegten: BRAZIL
TEXT: Robert Defcon   BILDER: Twentieth Century Fox Home Entertainment

FILM-Kritiken
Feuchtgebiete Deutschland 2013, Where's The Beer And When Do We Get Paid? Deutschland 2012, The Congress IL, F, D, B 2013

BOUCHRA KHALILI Meine Sprache bin ich
TEXT: Dorothea Schöne   FOTO: Dustin Aksland
In Massimiliano Gionis enzyklopädischem Palast, der Ausstellung im Arsenale auf der diesjährigen Kunst-Biennale in Venedig, wird ein Raum von einer Video-Installation der marokkanisch-französischen Künstlerin Bouchra Khalili bestimmt. Auf fünf Kanälen lässt sie junge Einwanderer in Italien ihre Sicht auf Staatsbürgerschaft, kulturelle Entwurzelung, Fremdheit und Fremdbestimmtheit erzählen. Words On Streets (2013) ist der zweite von drei Teilen der Serie Speeches, in der die Künstlerin Aspekten gesellschaftlicher Strukturen, der Bedeutung von Sprache, Nationalität und Staatsbürgerschaft nachgeht.

JONATHAN LETHEM »Die Bankrotterklärung des Neoliberalismus ist offensichtlich«
TEXT: Pascal Jurt   FOTO: Ben Marcus
Jonathan Lethem ist mit seinem neuen Roman Dissident Gardens eine amerikanische Ästhetik des Widerstandes gelungen. In Form einer linken Familien-Saga beschreibt der Autor von Motherless Brooklyn und Festung der Einsamkeit die Geschichte der US-Gegenkultur von den Ursprüngen der Kommunistischen Partei bis hin zu den aktuellen Diskussionen um Occupy Wall Street. Wir erreichten Lethem in seiner Heimat Maine.

LITERATUR-Kritiken
Alan Sepinwall Die Revolution war im Fernsehen, Grant Morrison Superhelden, Frédéric Worms Über Leben

AYZIT BOSTAN »Die türkische Flagge? Sehr elegante Grafik«
TEXT: Anne Waak    FOTOS: Fabian Frinzel
Sweatshirts, Taschen, Kunsträume und Studenten: Das Gestaltungsfeld der Münchner Designerin Ayzit Bostan erstreckt sich über weit mehr als die Mode. Derzeit arbeitet sie an Fotos der nächsten Kollektion für ihr eigenes Label, das für so minimalistische wie schlaue Entwürfe bekannt ist. Außerdem steht die Präsentation neuer Taschen an, die Bostan für die Marke PB 0110 designt hat, und eine Ausstellungsteilnahme in Wien will auch geplant werden. Seit kurzem hat sie zudem an der Kunsthochschule in Kassel die künstlerische Leitung im Studiengang Produktdesign inne. Viel zu besprechen also.

KRITIKEN

Album der Ausgabe: GOLDFRAPP Tales of Us

Julia Holter, Sebadoh, Zola Jesus, Jessy Lanza, Part Time, Pure Bathing Culture, Franz Ferdinand, Volcano Choir, John Wizards, Ty Segall, Emiliana Torrini, David Lynch, Chelsea Wolfe, A Tribe Called Red, I-Wolf & The Chainreactions, Mutazione – Italian Electronic & New Wave Underground 1980-1988, Hade + DWFL, U-God, Ghostface Killah, Jackson and His Computer Band, Braids, Füxa, Kreator, Washed Out, Slut, Machinedrum, Mäuse, Hunx And His Punx

Werke XI – Willkürlich und anlassfrei zusammengestellt von Diedrich Diederichsen
Rashad Becker, Alvin Lucier / Maze

Odyshape – Selten gehörte Musik mit Joachim Ody
Roedelius Schneider, Anthology Of Noise & Electronic Music, Sankt Otten

Gegenwartskunde – Popwelt mit Klaus Walter
Mika Vainio, Chris Watson, Cabaret Voltaire, 

Punchzeilen – Rap mit Marcus Staiger
Shindy, MC Fitti, K.I.Z.

Direct Cuts – Clubmusik mit Holger Klein
Pal Joey, Paul Woolford, Letherette, Alex Smoke, Hugh Mane, Nu Era

CD_No108.inddSPEX CD 111
(Für Cover in Hochauflösung bitte auf Bild klicken!)
ZUSAMMENSTELLUNG: Jan Wehn
1. Julia Holter »Horns Surrounding Me«
2. Zola Jesus »Avalanche (Slow)«
3. Washed Out »Don't Give Up«
4. Braids »Fruend«
5. David Lynch »The Line It Curves« 
6. I-Wolf & The Chainreactions »Turn Where Your Love Is«
7. Füxa »Shout Out Loud«
8. Nadine Shah »To Be A Young Man«
9. Fuck Buttons »Year Of The Dog«
10. Mäuse »Sandpapier«
11. Slut »Next Big Thing«
12. Grant Hart »Is The Sky The Limit?«

PERSPEKTIVE

DAS NEUE SPIEL: Prism vs. Kontrollverlust
TEXT: Michael Seemann   ILLUSTRATIONEN: ahaok
Im Gegensatz zu WikiLeaks und anderen Enthüllungen der Vergangenheit, betreffen die von Edward Snowden ans Licht gebrachten Vorgänge uns alle. Mit dem alten Satz, dass nichts befürchten muss, wer sich nichts zuschulden kommen lässt, kommt man hier nicht weit. Es geht um mehr als Terror und Verbrechen, viel mehr. Wenn WikiLeaks das Napster der internationalen Politik war, sind wir mit Snowden bei Kazaa angekommen, schreibt unser Autor. Doch wie können wir uns in diesem Spiel schützen? Und was für Waffen halten wir in den Händen? Eine Prognose.

#snowden #popstar
[geteilt von Robert Defcon via #SPEXmagazin – tbc.]
Im SPEX-Mediastream verdichten wir prominente Reaktionen auf die NSA-Enthüllungen zu einem absurden Schmierentheater, das keiner weiteren Erklärung bedarf. Mit Barack Obama, Jay Leno, Mick Jagger, Alec Empire, Tim Renner, Edward Snowden und vielen anderen.

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RÜCKBLENDE Depeche Mode Fan Exhibition Ehemaliges Warenhaus Jandorf, Berlin
TEXT: Thomas Vorreyer   FOTO: Markus Nass

AUSKLANG: KLINK KLANG Exklusiv für SPEX von Marcel Eichner