Spex #322 (Titel Pop-Up), die September/Oktober-Ausgabe mit 164 Seiten sowie der Spex-CD #86 mit 15 Titeln ist ab Freitag, den 21. August 2009 am Kiosk erhältlich. Weitere Informationen, Ergänzungen sowie ausgewählte Texte aus der neuen Ausgabe folgen in Kürze auf www.Spex.de. Der in der aktuellen Ausgabe annoncierte Blumfeld-Text aus Spex #135 findet sich – wie die anderen Inhalte der betreffenden Ausgabe – hier bzw. weiter unten auf dieser Seite..

MUSIK:

Michael Jackson – 29.08.1958 – 25.06.2009
Text: Christoph Gurk

HGich.T – Spektakel aus Geschrei
Text: Oskar Piegsa

Miss Platnum – Königin auf Planet Paprika
Text: Wibke Wetzker

Wildbirds & Peadrums
Text: Jens Balzer
Für seinen gemeinen Rundumschlag unter der Überschrift »Elsen in der Brandung« musste Jens Balzer vor acht Monaten einigen scharf geschwungenen Schlägen mit der Bratpfanne ausweichen. Dabei verteidigte er lediglich das subversivüberraschende Moment, für das Pop im Idealfall steht, gegen eine Handvoll selbsternannter Natur- und Lagerfeuerfrauen, die dem Neofolk-Revival jede Ecke und Kante genommen hatten. Ganz anders verhält es sich mit Josephine Foster, Maja Ratkje und vor allem dem Duo Wildbirds & Peachdrums, die zeigen, wie man heutzutage musikalisch agieren muss, um relevant zu sein.

Sally Shapiro
Text: Ulrich Gutmair
Synthiepop und Kulleraugen: Treibt es Sally Shapiro mit ihrer Emulation von Sandra zu weit? Nein, die schüchterne Schwedin rehabilitiert mit ihrem Album »My Guilty Pleasure« den Popsong als Drei-Minuten-Projektionsfläche.

Health
Text: Sebastian Hammelehle
Natürlich ist Lärm nicht gleich Lärm: Health aus Echo Park, Los Angeles, gelten als exzellente Live-Band und waren mit Nine Inch Nails auf Tour. Auf ihrem neuen Album »Get Color« verbinden sie analytisch fragmentierten Krach mit Engelsgesang und schenken Noise neue Relevanz.

Dizzee Rascal
Text: Harald Peters
Champagner! Auf seinem vierten Album »Tongue ’N’ Cheek« sprengt Dizzee Rascal die angestammte Sparte Grime mit herrlich prolligem Großraum-House und Strandbikinis. Man sieht: Wer sich kontinuierlich weiterentwickelt, wird irgendwann zur Antithese dessen, was er einmal war.

Arctic Monkeys
Text: Gunnar Klack
Web 2.0 und MySpace, so lautet die Legende, waren die eigentlichen Stars, als die Arctic Monkeys 2006 ihren Siegeszug antraten. Ohne, dass sie Luft holen konnten, hagelte es inflationär die üblichen Beatles-Vergleiche. Dass es sich bei der Band aus Sheffield um einen ernstzunehmenden Versuch des Coming-of-Age handelt, beweist das Quartett dieser Tage mit der Veröffentlichung seines dritten Albums »Humbug«. Auf diesem stellen sich die Arctic Monkeys der Frage, inwiefern man als Bewahrer von Poptraditionen auftreten muss, um sich das Recht zu erhalten, diese brechen zu dürfen. Wie so oft: Schuld hatte allein der verschleppte Beat des Hiphop.

Vorspiel für Tony Allen
Interview: Christoph Twickel und Jan Kedves
Für Brian Eno ist er der »großartigste Schlagzeuger aller Zeiten«, Damon Albarn ist sogar ein so großer Fan, dass er ihn 2004 zum Drummer von The Good, The Bad & The Queen ernannte: Tony Allen, geboren 1940 in Lagos, gilt als Meister der Polyrhythmik und genießt Legendenstatus, seit er in den siebziger Jahren musikalischer Direktor von Afrika 70 war, jener Band Kommune des nicht weniger legendären Fela Kuti. Gemeinsam mit Kuti hob Allen das Genre Afrobeat aus der Taufe. Ausgeklügelte Beat-Patterns, schmissige Bläsersätze und gesellschaftskritische Texte: Das ist die Mischung, die auch das Mitte Juni veröffentlichte Soloalbum »Secret Agent« des Nigerianers wieder gelungen macht. Zum »Vorspiel« dreht sich Allen, der seit Mitte der achtziger Jahre hauptsächlich in Paris lebt, erst Mal einen dicken Spliff aus atmungsaktiven Zellulose-Blättchen.

Spex-Gespräch: Bernard Sumner
Interview: Martin Hossbach
Einen Tag, nachdem Bernard Sumner und sein Schulfreund Peter Hook 1976 ein Konzert der Sex Pistols in Manchester gesehen hatten, gründeten sie eine Band. Mit dem später dazugestoßenen Sänger Ian Curtis wurde man als Joy Division berühmt. Nach Curtis’ Freitod übernahm Sumner die Rolle des Sängers in der umbenannten Band New Order. Deren riesige Umsätze finanzierten ab 1982 den Betrieb der Konzerthalle The Haçienda, die später als Drogenmekka und Technoclub weltberühmt wurde. Heute, nach dem x-ten Zerwürfnis mit Bassist Hook, ruht New Order, und das erste Album von Sumners neuer Band Bad Lieutenant, »Never Cry Another Tear«, erscheint. Zum Interview bittet Sumner, 53, an einem regnerischen Nachmittag aufs Land im Süden Manchesters.

DIE GROSSEN GESCHICHTEN:

Kunstsprache: K.I.Z.
Interview: Max Dax und Robert Defcon
Sie sind das Bindeglied zwischen derbem Berliner Atzenhumor, zwischen kleinkrimineller Jugend, links-alternativer Anti-Politik und der bildungsbürgerlichen Studi-WG: Die Kreuzberger Erfolgsrapper K. I. Z. bewiesen schon vor zwei Jahren mit ihrem Album »Hahnenkampf«, dass heftige wie humorige, sexistische wie analsadistische Texte weit über das sogenannte Ghetto hinausweisen können. Auch auf ihrem neuen, zweiten Major-Album »Sexismus gegen Rechts« punkten sie wieder mit genialischen Textdiamanten – wenn sie zum Beispiel à la »Muxmäuschenstill« mit Richterperücken Selbstjustiz üben, mit einer ironischen Haider-Lobeshymne gegen Rechts anstinken, gemeinsam mit Sido über ihre Mikropenisse rappen oder sich mit einem umgetexteten Cover des Songs »Halbstark« von den Yankees von 1965 als Beatnik-Aufreißer outen. Reimen ist bei K. I. Z. ein Jungssport, bei dem jeder um jeden Preis den anderen toppen will – und bei dem die Empörung des Publikums als fest einkalkulierter, geradezu im Business-Plan verankerter finaler Ritterschlag gilt.

Pop mit Staatsknete (mit Klaus Lemke, Mark Chung, Gustav, Mediengruppe Telekommander, Norman Palm)
Interviews: Jan Kedves, Wibke Wetzker
Man findet sie immer häufiger auf der Rückseite von CDs: kleine, mal mehr, mal weniger auffällige Symbole des staatlichen Präsenzanspruchs. In Deutschland ist es das Logo der Initiative Musik, das seit gut zwei Jahren auf Tonträgern prangt. Hinter diesem Signet, das es mit und ohne die Deutschlandfarben Schwarz-Rot-Gold gibt und das zugleich grob einer LED-Pegelanzeige nachempfunden ist, steckt die erste auf Bundesebene agierende Einrichtung zur Förderung von Musikwirtschaft und Popularmusik im Unterschied zur sogenannten E-Musik.

Status Quo Vadis? – Jochen Distelmeyer, Die Goldenen Zitronen & Ja, Panik
Text und Interviews: Max Dax
Manifeste scheinen wieder in Mode zu kommen. Bands stemmen sich gegen den Lauf der Dinge. Karrieren schlagen unterschiedliche Richtungen ein, um dann, auf dem Höhepunkt angelangt, (doch) nicht zu enden. Es ist eine seltene Konstellation: Binnen weniger Tage erscheinen die neuen, sehr guten Alben von Die Goldenen Zitronen und Ja, Panik – und Jochen Distelmeyer veröffentlicht seine erste post-poststrukturalistische Platte. Eine Bestandsaufnahme.

Modestrecke: Puppen schämen sich nicht, selbst wenn sie nackt sind

Mode-Interview: Lady GaGa
Interview: Jan Kedves
Erst die Blondierung, dann der Durchbruch: Die 23-jährige Stefani Joanne Angelina Germanotta, bekannt als Lady Gaga, straft alle Kritiker Lügen, die die Pleite der Popkultur herbeireden. Die modebewusste Newcomerin hat von ihrem Debütalbum »The Fame« 2,5 Millionen Kopien verkauft und sagt von sich, wenn sie einen Song komponiere, denke sie parallel immer schon an das korrespondierende Outfit. Mitte Juli in Köln: Am Abend wird Lady Gaga im Palladium mit den Stöckeln ihrer Lackpumps auf einem Plexiglaspiano eine Akustikversion ihres Hits »Poker Face« spielen. Vorher sitzt die New Yorkerin im Leopardenblazer auf der Dachterrasse eines Luxushotels und spricht über ihre visuelle Strategie – über Thierry Mugler, Andy Warhol und Jean-Jacques Rousseau. Vor dem strahlenden Blau des Himmels gehen die Kontur ihrer rosagesträhnten Perücke und die Türme des Kölner Doms eine Verbindung seltsam installativen Charakters ein.

KUNST:

Gilbert & George
Interview: Max Dax
Mit ihren oftmals blasphemischen, homosexuell konnotierten und ansonsten durch und durch egozentrischen Foto-Kunstwerken haben Gilbert Proesch und George Passmore England und die Welt verändert. Die beiden Künstler, die in den späten Sechzigern als ›living sculptures‹ mit performativer Kunst begannen, bedienten sich bald eines ›the grid‹ genannten Rasters: Dieses ergibt sich aus der oft symmetrischen Hängung der stets in schwarze Rahmen gefassten Fotos. In der Berliner Galerie Arndt & Partner stellte das seit 2008 verheiratete Künstlerpaar im Juni seine neueste, mithilfe von Photoshop entstandene Bilderserie »Jack Freak Pictures« aus.

Jack Goldstein
Text: Esther Buss
Ein Künstlerleben zwischen Minimalismus und Pop Art: Jack Goldstein (1945 – 2003) wurde in den siebziger Jahren zusammen mit heutigen Größen wie Cindy Sherman oder Richard Prince zur sogenannten ›Pictures Generation‹ gezählt. Fernsehen, Kino, Musik und Werbung: Die Bilder der Medien- und Konsumkultur verband der Kanadier in unauflösbarer Ambivalenz zu Werken, die objektiviert und emotional zugleich wirken. Anlässlich der umfassenden Retrospektive, die ihm nun das Frankfurter Museum für moderne Kunst ausrichtet: die Geschichte eines Außenseiters.

BUCH:

Hans Ulrich Obrist
Interview: Max Dax
Er ist einer der berühmtesten Kuratoren der Welt. Jeden Monat erscheinen gleich mehrere Bücher von ihm. In verschiedensten Städten veranstaltet er Interview-Marathons. Treffen kann man den Co-Direktoren der Londoner Serpentine Gallery um 6.30 Uhr im Brutally Early Club, einem von ihm selbst ausgerufenen Salon der Gegenwart und Schnittstelle von Dichtern und Denkern in Berlin, Dubai, New York, Paris und London. Der 40-jährige Schweizer arbeitet an einem weltumfassenden Netzwerk der Gedanken, indem er viel reist und vor Ort die Menschen zusammenführt. Obrists Ziel ist ehrgeizig: Er will alles wissen.

Simone Weil
Text: Aram Lintzel
Jahrzehnte bevor der Begriff ›Politikverdrossenheit‹ die Runde machte, veröffentlichte die französische Philosophin Simone Weil einen Essay, in welchem sie die Abschaffung aller Parteien forderte und an deren Stelle ein Politikmodell andeutete, das erstaunliche Parallelen zur Netzgesellschaft von heute aufzeigt.

Ein Kampf um die amerikanische Kultur
Text: Oskar Piegsa
This is not America: Eine Reihe weißer Patrioten reagiert derzeit auf Barack Obama, den demografischen Wandel der USA und die Pluralisierung des American Dream – mit Büchern über die Apokalypse.

FILM:

Star Trek
Text: Georg Seesslen
Der elfte bzw. in der Zeitlinie der Erzählung erste Film der Science-Fiction-Kinoserie »Star Trek« überraschte im Frühling das Kinopublikum mit Humor, klugen Winkelzügen und Spannung. »Lost«-Produzent J.J. Abrams hatte es tatsächlich geschafft, dem sanft entschlafenen Unterhaltungsdinosaurier neues Leben einzuhauchen. Anlässlich der bevorstehenden DVDVeröffentlichung befasst sich der Filmtheoretiker Georg Seeßlen mit dem Universum im Allgemeinen und dem vom Raumschiff Enterprise durchpflügten Weltall im Besonderen. Das Resultat ist ein ABC der Unendlichkeit – mit den ewigen Hauptdarstellern Captain Kirk und Mr. Spock.

Der Knochemann
Text: Ralf Krämer
Die Brenner-Kriminalromane von Wolf Haas galten lange Zeit als unverfilmbar, bis der Regisseur Wolfgang Murnberger mit »Komm, süsser Tod« das Unmögliche möglich machte. Im Zuge der Fortsetzungen »Silentium!« und »Der Knochenmann« entstand so eine neue Heimat für das Film-Noir-Genre. Es ist gebaut aus Hässlichkeit und Gerechtigkeitsfanatismus. Und es steht in einem Land, dessen Keller voll sind mit Leichen – in Österreich, wo die Kultur des Nestbeschmutzens genauso viel Tradition hat wie der brüderliche Umgang mit den Nestbeschmutzern.

Crips & Bloods
Text: Miriam Dagan
›Crips‹ und ›Bloods‹, so lauten die Namen zweier rivalisierender Gangs, die South Central L. A. weltweit zum Synonym für Straßenkriminalität und Gangkultur gemacht haben. Stacy Peralta widmet sich in seiner neusten Dokumentation diesem fragwürdigen Ruhm.

Agnès Varda
Text: Ralf Krämer
Mit einer Retrospektive feiert das Berliner Kino Arsenal Anfang September Agnès Varda, die ›Großmutter der Nouvelle Vague‹. In dem autobiografischen Film »Die Strände von Agnès« feiert Varda sich selbst – damit kommt nach acht Jahren endlich wieder ein Film von ihr in die deutschen Kinos.

Bilder, die die Welt bewegten: »13 Most Beautiful Screen Tests« von Andy Warhol
Text: Robert Defcon
In der Rubrik »Bilder, die die Welt bewegten« stellen wir jede Ausgabe eine Filmszene vor – und den dazugehörigen Film. Vom Detail zum Allgemeinen, vom Augenblick zum Werk, dazu die Bilder als Sequenz. Diese Folge: Andy Warhols Screen Test von Dennis Hopper aus dem Jahr 1964 – als Teil einer DVD mit 13 Screen Tests.

KOLUMNEN & RUBRIKEN:

Bildschirmleuchten (DVD)
Zehn besondere Songs
Bessere Zeiten klingt gut
These Beats Are Legal
Direct Cuts
Odyshape
Don’t Cry – Work

TONTRÄGER:

Platten der Ausgabe: Kreidlers »Mosaik 2014«
Videos der Ausgabe: Yeah Yeah Yeahs’ »Heads Will Roll« / Peter, Bjorn and Johns »It Don’t Move Me«
Musik zur Zeit: Hans Ulrich Obrist /// Mario Koell /// Miriam Wallentin

Bibio /// Clark /// Cinema Bizarre /// David Last vs. Zulu /// Dinosaur Jr. /// DJ Danger Mouse & Sparklehorse / Joker’s Daughter /// David Sylvian /// Ebony Bones! /// Editors /// Fat Freddys Drop /// God Help The Girl /// Hermas Zopoula /// Jack Penate /// Joakim /// Lawrence /// Moritz von Oswald Trio /// Pissed Jeans /// Prefab Sprout /// The Sa-Ra Creative Partners / Shafiq Hussain /// Seun Kuti /// Shantel /// Simian Mobile Disco /// Tiny Vipers / Marta Collica /// Wild Beasts /// The XX /// Yo La Tengo /// Zoot Woman

LIVE:

Jeremy Dellers »Procession«, 5. Juli, Manchester, England
Dr. Karl-Theodor Freiherr zu Guttenberg in der Reihe »Politiker erzählen Märchen«, 2. Juli, Max Liebermann Haus, Berlin
Donna Summer, 30. Juli
Spex präsentiert

SONSTIGES:

Editorial /// Mitarbeiter der Ausgabe /// Leserbriefe

VOR 17 JAHREN:

Sebastian Zabel im Interview mit Blumfeld (Spex #135, Februar 1991)

BEILAGE:

Spex-CD #86 (Cover-Pop-Up)
01. Ja, Panik – The Angst And The Money
02. Pissed Jeans – False Jesii Part 2
03. Mediengruppe Telekommander – Dunkelziffer
04. Simian Mobile Disco – Audacity Of Huge
05. Joakim – Love & Romance & A Special Person
06. Clark – Look Into The Heart Now
07. Health – Die Slow
08. Kreidler – Mosaik   
09. Fat Freddys Drop – Big BW
10. David Last vs. Zulu – Ever Ready
11. K.I.Z. – Straight Outta Kärnten
12. Miss Platnum – I’m Broke
13. Tony Allen – Elewon Po
14. Wildbirds & Peacedrums – So Soft So Pink
15. Tiny Vipers – Dreamer
(Zusammenstellung: Martin Hossbach /// Gestaltung: Mario Koell)

Spex #322 – Die September/Oktober-Ausgabe ab dem 21. August 2009 am Kiosk.

Die nächste Ausgabe – Spex #323 – erscheint am 23. Oktober 2009.