Arthur & Yu „In Camera“ / Review

Süße Nostalgie, du willst wohl dosiert sein! Mit ihrem schwer beeindruckenden Debütalbum, das in den USA auf Hardly Art – dem neuen Sublabel von Sub Pop – erschienen ist, knüpfen Arthur & Yu auf formaler wie auf inhaltlicher Ebene an längst vergangene Tage an, in angekitschte Sentimentalität verfallen sie dabei nicht. Keine Angst, keine regressiven Tendenzen! Schon der Bandname deutet vorsichtig an, worum es hier gehen soll: Die Menschen hinter diesem in Seattle ansässigen Projekt heißen Grant Olsen und Sonya Westcott, »Arthur« bzw. »Yu« sind Spitznamen aus ihrer Kindheit, welche als Thema dann auch sogleich den groben konzeptuellen Rahmen der Platte vorgibt. Relativ zwanglos greifen die Songs Motive aus Jugend und gerne auch davor auf, oder umkreisen das gute, alte Problem mit dem Erwachsenwerden.

    Die mal zart gezupften, dann wieder spartanisch, jedoch beherzt runtergeschrammelten Gitarren des sich sanft umspielenden Duos nehmen auf sechziger Jahre Folk – leichte psychedelische Querschläger inklusive – ebenso explizit Bezug wie auf Velvet Underground zu ihrer Nico-Phase. Auch wenn es in der Musik von Arthur & Yu einiges zu erleben gibt – Freunde steuern Flöten, Melodica, behutsam gestreichelte Drums, Glockenspiel oder auch allerlei Gerassel und Geklingel bei – so stehen doch die sich wunderbar ergänzenden Stimmen der Protagonisten im Vordergrund: Während Olsens Organ – man darf es sicher als eigentümlich bezeichnen – nahe liegend Bilder von Devendra Banhart oder auch Neil Young (dem, wie es sich gehört, auch gleich ein ganzer Song gewidmet wird) in den Kopf zaubert, deutet Westcott mit ihrem zwischen Gurren und dezentem Katzenjammer changierenden Gesang den Folk-Entwurf von Artuhr & Yu in Richtung Twee-Pop an.

    Gemeinsam weben sie einen edlen Teppich, der Vergleich mit Lee Hazlewood und Nancy Sinatra liegt auf der Hand. Dass die ganze Angelegenheit dabei nicht in alles verklärender Niedlichkeit ertrinkt, dafür sorgen das fein ausgeklügelte Songwriting und die betont raue, mit ordentlich Hall beladene Produktion, andererseits geschickt eingestreute Twists in den Texten, die vage vermuten lassen, dass in diesen liebreizenden Menschen durchaus das eine oder andere dunkle Geheimnis schlummern könnte.
    »In Camera« jedenfalls ist eine kleine, unaufdringliche Sensation. Im Hintergrund rattert ein alter Super-8-Projektor und wirft Bilder an die Wand, von damals, als wir noch jung waren. Die sind schon ganz schön ausgebleicht.

STREAM:
Arthur & Yu – Come to View (Song For Neil Young)

LABEL: Memphis Industries / Cooperative Music

VERTRIEB: Universal Music

VÖ: 17.08.2007

HINTERLASSEN SIE EINE ANTWORT

Please enter your comment!
Please enter your name here