Arctic Monkeys Whatever People Say I Am That´s What I´m Not

Felix Britannica! Wo, wenn nicht bei den lustigen Inselaffen, hätte der sympathische Irrsinn um das neueste Rock´n´Roll-Wunder Arctic Monkeys entstehen können: Konzerte der Band vor Tausenden, ohne überhaupt eine Platte draußen zu haben. Eine Million Pfund kassieren für einen Publishing Deal mit EMI, ohne eine Plattenvertrag. Von null auf eins in die Charts mit der ersten Single. Noch immer kein Album, aber bitte schon mal daran denken, Amerika zu erobern. So etwas gibt es nur in England. Und nur eine Band aus der alten Stahlstadt Sheffield vermag diesem Tsunami des Wahnsinns einigermaßen standzuhalten. »Don´t believe the hype«, knurrt Gitarrist und Sänger Alex Turner zu Beginn des (Live-) Videos zur Ladenthekenmädchenhymne »I Bet You Look Good On The Dancefloor« und meint das auch so.

    Hype und Erfolg sind derzeit für ihn und seine drei Kollegen wahrscheinlich wirklich noch unglaublich, und so ist man eher stolz auf die Fans: Lads und Lasses, die Bescheid wissen und sich keinen Scheiß vormachen lassen: »Come to our gigs and it´s normal working people having a great time. That´s what music´s about« – und nicht etwa wie bei der doofen Konkurrenz: »Libertines gigs were full of private school kids, their music was pretentious, really.« Nimm dies, Pete Doherty! Wer braucht Londoner Crack House-Krach, wenn er Sheffield Steel bekommen kann?! Wenn der gigantische Druck, der auf der Band lastet, doch einmal in Turner Zweifel aufkommen lässt, dann klingt das so: »Sollten wir die nächsten Kaiser Chiefs werden, dann werfe ich alles hin.«

    Well, was man mit 19 eben so sagt. Anyway. »Whatever People Say I Am That´s What I´m Not« ist groß. Viel größer, als es die Hysterie um die Band eigentlich hätte zulassen dürfen. Die dicken Gitarren von »I Bet You …« sind überall präsent, werden allerdings durch seltsamste Breaks und Windungen elegant veredelt, sodass der gute nordenglische Hüpfbeat entsteht. »Perhaps Vampires Is A Bit Strong But …« ist gar richtiger Fusion-Funk-Jazz, und wenn der Fuß mal ganz vom Verzerrer genommen wird, kommt dabei eine echte Ballade heraus, wie die vom Kumpel, der keine Chance gegen die Bullen hatte und im »Riot Van« abtransportiert wird. Alex Turner (dessen Stimme manchmal unheimlicherweise an den ganz frühen, also richtig guten Rod Stewart gemahnt!) erzählt ohnehin feine Geschichten: Wie einem im Sheffielder Nachtleben schon mal ein Snooker-Queue über den Schädel gezogen wird, von den Mädels, die sich im Ford Mondeo schmieriger Freier das Geld für den nächsten Tag erblasen, von der Vorstadthölle, in der es einfach keine Romantik geben kann. »A Certain Romance« steht am Schluss des Albums. Eine gleichzeitig ironische und tragische Mini-, ja, Rockoper, wie sie vor nicht ganz 40 Jahren Pete Townsend hätte schreiben können. Und die eventuell aufzeigt, wohin die Reise der Arctic Monkeys geht. Nicht zu den Kaiser Chiefs, sondern zu this years The Who!

LABEL: Domino Recording Co

VERTRIEB: RTD

VÖ: 20.01.2006

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