Apparat Walls

Dass Wände und Mauern nicht zwangsläufig etwas Separierendes und Undurchlässiges an sich haben müssen, beweist der Berliner Apparat auf seinem mittlerweile vierten Solo-Output im Albumformat. Apparat, der mit bürgerlichem Namen Sascha Ring heißt, gehört zu den vielseitigsten und wichtigsten Köpfen der deutschen Elektronik-Landschaft und ihm kommt als Mitbegründer des Shitkatapult-Labels neben Ellen Allien ein besonderer Stellenwert innerhalb der umtriebigen Berliner IDM-Szene zu. Mit ihr hat er bereits im vergangenen Jahr mit »Orchestra Of Bubbles« eine der Wegweisenden Veröffentlichungen im Spannungsfeld von Techno, Elektro und Pop vorgelegt. Ähnlich eklektisch gibt er sich nun auch auf »Walls«, ohne einen homogenen Gesamteindruck vermissen zu lassen. Ob ambient-meditativ wie beim Opener »Not A Number« unter dem Einsatz von Cello und Vibraphon, leicht bluesig verrockt mit repetitiven Gitarrenpatterns und dem beschwörend flüsternden Raz Ohara am Mikrofon (»Hailin From The Edge«), stumpf-gebrochene Beats unter flirrenden Synthie-Flächen in Kombination mit verspielten 808 State-Reminiszenzen und akzentuierten Streicher-/Klavier-Arrangements (»Fractales Pt. 1 & Pt. 2«) oder in bester Gedankenverlorener und den irdischen Sphären entrückter Shoegazer-Manier wie bei »Headup« (erneut mit Vocals von Raz Ohara): Ähnlich wie bei Amusement Parks On Fire oder den französischen M83 zeichnet Ring auf »Walls« epische Klanggebilde, die filigran und luftig-leicht dahin schweben wie die berühmten »Little Fluffy Clouds« von den Altmeistern des Ambient, The Orb. Dabei ist ihm in Anlehnung an sein Debüt aus dem Jahr 2001 eine »Multifunktionsplatte« geglückt, deren ästhetische Qualitäten und Gewichtungen je nach Stimmungslage des Hörers ausfallen. Der Titel des Albums ist daher auch vielmehr in Anlehnung an Phil Spectors berühmte »Wall Of Sound« zu verstehen, die anschwillt, sich auftürmt, einen überrollt und anschließend immer wieder sanft an die Oberfläche auftauchen lässt, um Luft zu schnappen für den nächsten Tauchgang. Bei der Produktion der insgesamt 13 Tracks lief der ohnehin hyperaktive Apparat-Apparat auf Hochtouren und ließ sich von mehr als siebzig Klangentwürfen inspirieren, die sich im Laufe der Zeit angesammelt hatten und die es laut Urheber »nur zu Ende zu denken galt«. Beeindruckend ist auch die Vielzahl der verwendeten analogen Instrumente, die niemals konstruiert oder mit Vorsatz, sondern absolut selbstverständlich erscheinen und mit den gebastelten Sounds ein organisches Ganzes ergeben. Tolles Ding, Herr Ring!

LABEL: Shitkatapult

VERTRIEB: Alive

VÖ: 25.05.2007

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