Review: A Perfect Circle eMOTIVe

Am Tag, an dem dieses Album voller »Protestsongs« erscheint, wird in den USA gewählt. Abgesehen von diesem symbolischen Datum beteiligen sich A Perfect Circle an der medialen Großveranstaltung »Bush bashing« mal mehr, mal weniger laut. Sänger und Tool-Frontmann Maynard Keenan bleibt mit dem Slogan »Think for yourself ? question authority« unverbindlicher als das animierte Anti-Bush-Video »Counting Bodies Like Sheep To The Rhythm Of The War Drums«, das die Band mit ihrer ersten Single veröffentlicht. Die Trackauswahl des Coveralbums zieht große Kreise um den Begriff »Protest«, so hat einerseits Depeche Modes »People Are People«, andererseits Marvin Gayes Klassiker »What's Going On« seinen Weg auf die Platte gefunden. Der recht allgemeinen Definition von Protestsong folgte die totale Vereinnahmung in den düsteren Klangkosmos von A Perfect Circle. Leicht ist man versucht, die Umdeutung von John Lennons »Imagine« in ein von Mollakkorden durchdrungenes Klageepos als Sakrileg zu empfinden. Ebenso kann einem Devos »Freedom Of Choice« mit aufgeblasenen Gitarrenwänden ziemlich auf die Nerven gehen. Man kann es außerdem als Fehler bezeichnen, dass die Stücke gegen Krieg, Intoleranz und Machtmissbrauch in diesen Versionen so schön und perfekt klingen wie nie, denn im Grunde soll sich ja keiner wirklich wohl fühlen dabei. Allerdings sehen wir über diese Kleinigkeiten ebenso hinweg wie über die Tatsache, dass am Tag der Wahl wohl kaum noch ein Statement von entscheidender Bedeutung gemacht werden kann. Sollen doch die Indiemedien in Amerika darüber schwadronieren, ob hier eine Band auf den Anti-Bush-Hype aufspringt oder nicht. Rein vor diesem Hintergrund: teils sehr gute Interpretationen, wenig Soul, musikalisch gekonnt.

LABEL: Virgin

VERTRIEB: EMI

VÖ: 02.11.2004

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