Ankommen im Hier und Jetzt – Ausblick auf die Berlinale Shorts

Foto: Filmstill aus »Another City«

Soeben wurde das offizielle Programm der 66. Internationalen Filmfestspiele von Berlin vorgestellt. Die Berlinale Shorts präsentieren eine mutige Auswahl von Kurzfilmen aus aller Welt.

Eine Fotografie aus dem 19. Jahrhundert, private Videoaufnahmen aus dem Tschad oder Weltraum-Animation – so unterschiedlich Ausgangsmaterial und Ansatz auch sein mögen, den insgesamt 26 Beiträgen in fünf Wettbewerben kann laut Kuratorin Maike Mia Höhne das Überthema »Ankommen« zugeordnet werden. Genau dieses Ankommen entpuppt sich allerdings oftmals als schwieriges Unterfangen. Wie man sich in einer fremden Stadt trotz widriger Umstände zurecht findet, beleuchten etwa Six Cents in the Pocket von Ricky D’Ambrose am Beispiel New York oder Another City des Vietnamesen Pham Ngoc Lan. In Tsomet Haruhot von Rotem Murat wird ein Ausflug zum Sinai für ein junges Paar zum Horror-Trip, Arbeitsmigranten dürfen nicht nach Taiwan und Roma sollen mit Fröschen aus Ton davon abgehalten werden, Geschäfte zu betreten

So vielfältig, wie die Schwierigkeiten der Protagonisten tatsächlich irgendwo anzukommen, sind auch die cineastischen Formen. Dokumentar- und Spielfilme dominieren die Auswahl zwar, doch auch Animations- und Experimentalfilme aus insgesamt 21 verschiedenen Ländern finden sich im Programm. Diese kommen neben den bereits erwähnten Beiträgen auch aus Mexiko, Brasilien, Ghana, China oder Thailand und reichen von vierminütigen Miniaturen bis zu halbstündigen Produktionen. Wie nebenbei erhalten Cineasten einen gelungenen Überblick über die unterschiedlichen Filmsprachen: vom poetisch-meditativen Kino Südamerikas mit vielen Totalen und geometrischer Bildkompositionen über das detailverliebte, teils unterkühlte und ironisierte Storytelling Europas sowie Nordamerikas bis hin zum typischen asiatischen Kino, das viel Wert auf die Interaktion möglichst vieler Protagonisten im Framing legt

Ankommen entpuppt sich allerdings oftmals als schwieriges Unterfangen.

Zumeist sind die Regisseurinnen und Regisseure keine Unbekannten. So ist etwa das neue Werk der Animationskünstlerin Réka Bucsi, deren Symphonie n° 42 bereits 2013 bei der Berlinale gezeigt und vielfach ausgezeichnet wurde, ebenso zu sehen wie A Man Returned von Mahdi Fleifel, der bereits das vierte Mal in Folge vertreten ist. Neben vielversprechendem Nachwuchs ist mit Los Murmullos von Rubén Gámez aus dem Jahr 1976 auch ein beinahe zeithistorisches Dokument über die Arbeitsverhältnisse mexikanischer Bauern im Programm, der zwar außer Konkurrenz läuft, aber in Zeiten von TTIP-Verhandlungen eindrücklich ein noch immer aktuelles Thema behandelt.

Somit wurden im zehnten Jahr der Berlinale Shorts (aus weit über 3000 Einsendungen) wieder experimentelle, mutige und durchaus unbequeme Filme ausgewählt, die mit den althergebrachten Sehgewohnheiten brechen, Risiken eingehen, aufrütteln und gerade dadurch berühren. Der Kurzfilmjury aus der Kuratorin und Direktorin der Sharjah Biennale Sheikha Hoor Al-Qasimi, der griechischen Kuratorin und Autorin Katerina Gregos und des israelischen Filmemacher Avi Mograbi wird die Entscheidung, welche Beiträge letztlich ausgezeichnet werden, somit sicherlich nicht eben leicht fallen.

Berlinale – Internationale Filmfestsspiele Berlin 2016
11.–21.02. Berlin – diverse Locations
Das komplette Programm und alle Informationen gibt es hier.

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