Matias Aguayo & The Desdemonas „Sofarnopolis“ / Review

Der Live-Schweiß mancher Stücke ist schon zu riechen.

Die imaginäre Stadt, durch deren Clubs diese real existierende Band fegt, ist ein Knäuel urbaner Verdichtung. Von Freaks bevölkert, von Kultur überschwemmt, britzelnd vor Energie. Hier ist alles prall, wild, geil, und es wird immer so weitergehen. So war doch der Vibe – zumindest in der Erinnerung. Jedenfalls könnte man Matias Aguayos viertes Soloalbum, das Quasi-Konzeptwerk Sofarnopolis, das in der gleichnamigen Stadt spielt, als nostalgische Hommage an das eigene Leben lesen, wie es sich zwischen 20 und 40 angefühlt haben mag. Sicher aber ist die Platte des umherschweifenden Aguayo, der zwischen Südamerika und Europa flottiert, eine lineare Weiterentwicklung und zugleich ein handfester Schritt nach vorn im Vergleich zum suchenden und daher etwas fahrigen Vorgänger The Visitor von 2013.

Hier ist alles prall, wild, geil.

Seine umfassenden Kollaborationen von damals hat der ehemalige Houseproduzent jetzt nämlich zu einer handfesten Band erweitert, mit Schlagzeuger, Keyboarder, Gitarrist aus Fleisch und Blut. Und man kann sich Aguayo, diesen Körperlichen, sehr gut als Frontmann vorstellen, der Live-Schweiß mancher Stücke ist schon zu riechen. Sie prägt eine ambitionierte Mischung aus Postpunk und Dub, nicht fern der üblichen Verdächtigen von damals (Pop Group, Cure und andere), im Geiste elektronischer Tanzmusik von House bis EBM. Dazu Spuren außereuropäischer Rhythmen aus aller Herren Länder, die ja Aguayo mit seinem Label Cómeme in hiesigen Clubs mit etabliert hat – und die sein aktuelles Label Crammed Discs in dieser Mischung schon seit mehr als 30 Jahren propagiert. Ein eigenwilliges Album von einem Freidenker, wie es sie viel zu selten gibt, das noch dazu irre gut funktioniert. Da kann man eine Prise Nostalgie, die der guten alten Zeit hinterherhängt, gut ertragen.

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