Alex Lahey „I Love You Like A Brother“ / Review

Alex Laheys Debütalbum weckt ähnliche Gefühle wie die Sympathien, die man für die Outsider in einem Teenie-High-School-Film der Neunzigerjahre hatte. 

Die Verbindung von Widerstandsgeist und Zugänglichkeit verlangt höchste Kunstfertigkeit. Denn strukturell gesehen schließen sich diese beiden Zielsetzungen aus. Dass es nicht reicht, zu hymnischen Melodieläufen und power-poppig treibenden Gitarren die düsteren Seiten des eigenen Daseins auszupacken, zeigt sich gerade am Debütalbum der Australierin Alex Lahey. Auf I Love You Like A Brother treffen Songtitel wie „I Haven’t Been Taking Care Of Myself“ oder „Awkward Exchange“ auf musikalische Dur-Fröhlichkeit, Surfgitarren-Spaß und „He-oh“-Chöre. Die tackernden Schlagzeugbeats tragen noch die Energie des Punk in sich, werden aber nicht mehr aggressiv hinausgedroschen. Es tauchen bisweilen bedrückende Basslinien auf.

eine Zähmung der Widerspenstigkeit für ein Publikum, das einen kritischen Geist als Lebensstil schätzt, aber Musik hören möchte, die nicht wehtut.

Wenn es jedoch ernsthaft emotional werden soll, wie etwa in „I Want You“, klingt Lahey auch dank seltsamer Synthie-Sprengseln mehr wie das Abziehbild eines Sentiments, als dass sie wirklich entrückend würde. Es scheint, als wollte man sie in Richtung einer zweiten Courtney Barnett vermarkten, jedoch ohne deren Schnoddrigkeit oder präzise Gegensätze. Besonders zeigt sich das in Barnetts verdrehter Zeile „Give me all your money and I’ll make some origami, honey“ – ein Inhalt, für den Lahey nur die sprachliche Allgemeinplatzentsprechung „Time moves slowly, when there’s no money“ findet.

Laheys Musik deshalb als Abklatsch abzutun, täte ihr Unrecht. Vielmehr weckt ihr Album ähnliche Gefühle wie die Sympathien, die man für die Outsider in einem Teenie-High-School-Film der Neunzigerjahre hatte: wie Heath Ledger und Julia Stiles in 10 Things I Hate About You, nämlich als diejenigen, die sich dem allzu einfachen Mainstreamdasein verweigern, aber dennoch als Figuren für ein Mainstreampublikum geschaffen wurden. Bezeichnend ist dabei, dass dieser Film auf Shakespeares Der Widerspenstigen Zähmung beruht. Denn das ist auch Laheys Album: eine Zähmung der Widerspenstigkeit für ein Publikum, das einen kritischen Geist als Lebensstil schätzt, aber Musik hören möchte, die nicht wehtut.

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