Wanda „Niente“ / Review

Keine Ahnung, ehrlich gesagt. Jedenfalls wird Niente bestimmt auch wieder ein Erfolg, denn der Sänger Marco Michael Wanda hat eben auch einen Weg mit Worten, wie die Engländer sagen.

Während des anfänglichen Boheis um die Single „Bologna“ (Sie wissen schon, das Lied, wo der Erzähler gerne mit seiner Cousine und so) unterhielt ich mich mit einem Berliner Untergrund-Konzertveranstalter, der sich ärgerte, Wanda einst für ihr Berlin-Debütkonzert abgelehnt zu haben, da er die Band als „zu prollig“ empfand. Und tatsächlich klingt ihre Musik auch auf dem dritten Album Niente wieder wie ein Crossover aus Bryan Adams, Münchener Freiheit und Oasis. Das ist ja das Tolle! Alles, was Menschen mit so genanntem gutem Musikgeschmack zum Kotzen finden! Oder?

Nun ja, Letzteres ist eine Behauptung, die vor allem auf alte Menschen zutrifft. Junge Menschen wissen nicht, wer Bryan Adams, Münchener Freiheit und Oasis sind – oder wofür sie einst standen. Sie wissen nur, dass Wanda für Amore stehen, sich dies gut mitsingen lässt, einem aus der Seele spricht und gar nicht peinlich ist. Oder?

Alles, was Menschen mit gutem Musikgeschmack zum Kotzen finden! Oder?

Keine Ahnung, ehrlich gesagt. Jedenfalls wird Niente bestimmt auch wieder ein Erfolg, denn der Sänger Marco Michael Wanda hat bei aller Prolligkeit eben auch einen Weg mit Worten, wie die Engländer sagen. In diesem Fall besingt er in mehreren Stücken mehr oder weniger wehmütige Kindheitserinnerungen (in den Stücken „0043“ und „Schottenring“) und – ganz klassisches Drittes-Album-Syndrom! – die schwierige Wiederaufnahme alltäglicher Beziehungen nach jahrelangem Tourexzess. Diesen, gelinde gesagt, abgelutschten Themen gewinnt er wirklich etwas ab: „Es wird eine schöne Lösung sein / Doch wir beide passen nicht hinein“, lautet eines von vielen leicht enigmatischen, vielleicht auch ganz doofen Couplets, die jedoch den ironischen Romantiker in uns berühren, viel mehr, als Bryan Adams uns je berührt hat.

Obwohl: Selbst der berührt uns viel mehr, als wir es wahrhaben wollen. Wanda, die Bettkantenpsychologen in versoffener Rockstaruniform, wissen das und haben eine Karriere draus gemacht, eine bisher sehr klassische Rock-Karriere: dringlich-kokette Durchbruchsingle, schnell nachgelegtes zweites Album, viel Tour, viel Alkohol, nun dies, das gebrochenere, introspektivere Drittwerk, komplett mit barklimperigem Wienerlied („Ein letztes Wienerlied“). Alles immer ein bisschen schmierig, wie so ein Autoscooter-Betreiber-Typ, nur mit Literaturdiplom. Das Schmierige im Abgelutschten, darin liegt die Faszination dieser Band.

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