Blade Runner 2049 – Ist die Zukunft am Ende?

Einsamer Replikant vor urbaner Wüste – Blade Runner 2049
Einsamer Replikant vor urbaner Wüste – Blade Runner 2049

Ridley Scotts Blade Runner definiert seit 35 Jahren, wie Science Fiction auszusehen hat. Schafft Denis Villeneuve das auch? Seine Fortsetzung mit Ryan Gosling und dem alten Blade Runner Harrison Ford startet jetzt im Kino.

Ridley Scotts Blade Runner war eine Erschütterung. 2019, Planet Erde ist im Arsch. Nach der Apokalypse zieht Rick Deckard vom Androiden-Aufräumdienst in einem Hovercar seine Bahnen durch den Gluthimmel über Los Angeles, um rebellierende Replikanten aus dem Verkehr zu ziehen, deren Lebensdauer ohnehin begrenzt ist. Deckard ist ein Schwächling mit dicker Knarre, der nur überlebt, weil sein größter Widersacher nach dem Ablaufdatum einfach zusammenklappt.

Am Ende zweifelt der Blade Runner Deckard an sich selbst. Was ist der Mensch? Was bin ich? Was ist richtig? Was soll die Scheiße? Die existenziellen Fragen hängen drängend in der düster glühenden Luft über einer Metropole am Abgrund. Deckard lässt sie hängen. Er macht sich mit einer Frau, von der er weiß, dass sie eine Replikantin neuesten Typs ist, aus dem Staub.

Es lag mit daran, dass Scotts Film nach einer endlosen Produktionsgeschichte floppte, als er im Sommer 1982 in die Kinos kam: Im Weltuntergangsjahrzehnt der Achtziger wollte man nicht unbedingt vorgeführt bekommen, dass die Zukunft noch viel kaputter sein könnte. Der Film ist skizzenhaft, geheimnisvoll, getragen weniger vom dünnen Handlungsstrang als vielmehr von kolossalen Bildern (Kamera: Jordan Cronenweth) und Klängen (Musik: Vangelis), von einer aufreizenden, fatalistischen Langsamkeit und einer unvergleichlichen Atmosphäre, die im Laufe der Jahre immer mehr Wirkung entfalten sollte. Blade Runner zeigt eine drückende, niederschmetternde Weite, eine Welt am Ende.

Nein, nicht 2019. So sieht Los Angeles im Jahr 2049 aus.
Nein, nicht 2019. So sieht Los Angeles im Jahr 2049 aus.

Man kann sich nur wundern, dass der Planet weitere 30 Jahre später, nach einem Ereignis, das auch im Jahr 2017 dem Weltuntergang sehr nahe kommen würde (einem zehntägigen, weltweiten totalen Stromausfall), dass dieser Haufen verdammter Materie also immer noch da ist und immer noch von seltsamen menschlichen und menschenähnlichen Gestalten bevölkert wird. Aber natürlich freut man sich auch. Die Regie für die Fortsetzung Blade Runner 2049 wurde dem kanadischen Regisseur Denis Villeneuve anvertraut, das Drehbuch stammt von Hampton Fancher (der bereits 1982 dabei war) und Michael Green und entwickelt die Geschichte aus Philip K. Dicks Romanvorlage Do Androids Dream Of Electric Sheep? weiter, Ridley Scott tritt als Produzent auf.

Denis Villeneuve versteht es wie kaum ein anderer Regisseur derzeit, potenzielle Blockbuster-Stoffe auf tiefgründige Kammerspiele mit einer Handvoll an Charakteren herunterzubrechen. Und er hat ein untrügliches Gespür für Zwischentöne und zwielichtige Stimmungen. Beides bewies er eindrücklich mit seinen letzten Filmen Arrival und Sicario. Villeneuve war es zuzutrauen, aus dem Blade-Runner-Sequel keine reine Merchandise-Messe und keinen ollen Retrozirkus zu machen.

Im Kino begrüßt er nun sein Publikum mit der Bitte, über den Film so zu schreiben und zu sprechen, dass noch nicht Eingeweihte ihn vollkommen unvoreingenommen sehen könnten. Was genau er an Plot-Wendungen damit meinen mag, bleibt unklar. Ohne die Kernidee des Films zu benennen, lässt sich allerdings nicht über ihn schreiben. Wer also im Villeneuve’schen Sinne gar nichts wissen will, sollte hier aufhören zu lesen (und sich Kinokarten für eine der Wiederaufführungen von Ridley Scotts Film besorgen). Zur Fortsetzung vorerst nur soviel: Die erwartete Großtat hat Villeneuve nicht ganz vollbracht.

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