Moses Sumney „Aromanticism“ / Review

Die Abwesenheit der Romantik, der Schwebezustand im luftleeren Raum der Gefühle, verleiht Aromanticism eine nostalgische Sehnsucht.

Moses Sumneys Debüt Aromanticism nähert sich in elf Songs konzeptionell der Gefühlswelt eines Aromantikers. Wie der Begriff bereits impliziert, handelt es sich hierbei um Menschen, die wenig oder keine romantische Anziehung empfinden.

Die Abwesenheit von Romantik sollte aber nicht mit Gefühlskälte gleichgesetzt werden. Bereits der Opener „Man On The Moon“ wiegt einen mit seinem lieblichen Summen in genau jene summertime sadness, die den warmen Grundton des Albums vorgibt. Sanft zupft Moses Sumney die Saiten, steigert seine Tonleiter zuweilen ins Mystische, wie im Song „Don’t Bother Calling I Call You“. Trotz seiner engelsgleichen Stimme ist Sumney zuweilen näher an Thom Yorke als am Soul.

Ein romantisches Album für Aromantiker.

Das Überthema Aromanticism hängt wie ein Damoklesschwert über den elf Songs. So fragt das müde Herz in der Single „Doomed“, ob der sterbliche Mensch ohne Lieblichkeit ein Gottloser ist. Das dazugehörige Video zeigt Sumney in einem Wassertank, abgeschnitten von einer für ihn unerreichbaren Frau. Zugegeben, das ist nicht die tiefgründigste Metapher. Doch in einer Welt, in der das Mainstreamkino unablässig von romantischen Zweierbeziehungen erzählt und Aromantik höchstens ein Nischenthema ist, sind eindeutige Bilder eben erforderlich. Sumney leistet sozusagen Pionierarbeit für Menschen abseits von liebeskritischen Filterblasen. „Am I vital / If my heart is idle / Am I doomed?“, fragt er und führt damit die Auswirkungen von standardisierten Romantikvorstellungen vor.

Mit einem ambientartigen Soundgerüst, in dessen Zentrum Sumneys Stimme steht, fügt er Lo-Fi-Loops, Stimmverzerrer und verschiedene Gesangstechniken mit noisigen Elementen zu einem symbiotischen Ganzen zusammen. Dies offenbart eine Intimität, die die Hörer zwangsläufig zu Voyeuren macht. Die Abwesenheit der Romantik, der Schwebezustand im luftleeren Raum der Gefühle, verleiht den Aromanticism eine nostalgische Sehnsucht, das es zu einem romantischen Album für Aromantiker macht.

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