Triplereview: Myrkur „Mareridt“ vs. Chelsea Wolfe „Hiss Spun“ vs. Zola Jesus „Okovi“

Die drei eint das, was Diamanda Galás übervoice nennt: Ein „übermenschliches“ Instrument, bei dem es nicht mehr um die singende Person geht, sondern um das Singen selbst als Manifest des „Absoluten“.

Der Blick aus dem Fenster erscheint aussichtslos und erdrückend. Schlafen fällt in letzter Zeit auch eher schwer. Stundenlange Spaziergänge, Holzschnitzereien im Wald, nichts hat der als Myrkur veröffentlichenden Amalie Bruun die Angst vor dem Einschlafen und den folgenden Albträumen, den mareridt, nehmen können. Statt diese Träume weiter zu bekämpfen, lockte die dänische Multiinstrumentalistin sie für ihr zweites Album an. Und lernte das im skandinavischen Raum seit Urzeiten praktizierte kulning: ein dem Jodeln nicht unähnlicher Herden- und Lockruf, der sich im Opener „Mareridt“ zu einem Nebel kristalliner, choraler blue notes zusammenzieht. Myrkur evoziert gewohnt schizoide Spannungen, bei denen sich Black-Metal-Riffs an Lana-Del-Rey-haftem crooning reiben, um wie Bruun und ihre nächtlichen Begleiter schließlich versöhnt zu werden.

Die auf Mareridt als Feature-Gast auftretende Chelsea Wolfe hat ihre Schlaflosigkeit schon auf dem 2015 erschienenen Abyss verarbeitet. Ihr neues Album Hiss Spun widmet sich nun jedoch einem Thema, das die Nachtruhe auch nicht gerade befördert: der Abgefucktheit der Welt. Queens-Of-The-Stone-Age-Gitarrist Troy Van Leeuwen produzierte den Stoner Doom, der die Erde unter dem Chaos umgräbt, worin Wolfe schließlich den Optimismus eines Henry Miller findet: „Underneath the mess everything is marvelous / I’m sure of it“.

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