Der Maulwurf macht weiter. Tiere / Politik / Performance im HAU / Ticketverlosung

Von Marx über Deleuze bis in die Gegenwart: Der Maulwurf könnte auch für den Menschen bei Fragen zu alternativen Gemeinschaftsformen aufschlussreiche Gedankenanstöße liefern. Zeit, ihm ein Festival zu widmen.

Vom pelzigen Tunnelgräber kann der Mensch noch so einiges lernen. Es ist der Blick von unten, der nach oben geht und ein Perspektivwechsel, der den Einzelgänger Maulwurf als Gemeinschaftswesen in den Blick nimmt, und neue Formen des Zusammenlebens hervorbringen kann. Um das gesellschaftsmetaphorische Potenzial, das die Figur des Maulwurfs bietet, wussten auch schon Marx (der alte Maulwurf als unermüdlicher Unterminierer) oder Kafka (der Riesenmaulwurf als Symbol kognitiver Dissonanzen und radikaler Subjektivität).

Die Deutungsgeschichte des Maulwurfs hat unendlich viele Facetten, die nicht nur die Werke großer Denker der vergangenen Jahrhunderte prägen, sondern auch als Blaupause für aktuelle Fragen des Gesellschaftlichen sowie des Mensch-Tier-Verhältnisses fungieren können. Künstler und Theoretiker legen deshalb beim Festival Der Maulwurf macht weiter. Tiere / Politik / Performance. im Berliner HAU Hebbel Am Ufer den Blick auf ein Gängesystem in Richtung Wir. Theater, Tanz, Diskurs, Musik und Installationen stellen Fragen nach alternativen Gesellschafts- und Gemeinschaftsformen.

Ausgangspunkt des Festivals ist die Figur des Maulwurfs in Philippe Quesnes Die Nacht der Maulwürfe (oder in der familienfreundlichen Version Nachmittag der Maulwürfe). Hier werden Maulwürfe als Nachkommen von Sisyphus verhandelt, die Gesteinsbrocken von A nach B rollen und ein Spiel offenbaren: mit visionärem Rückblick auf die menschliche Kulturrevolution und die Entdeckung von Kunst und Ritus. Das Ergebnis dieses unterirdischen Kammerspiels manifestiert sich auch in bebenden psychedelischen Sounds, die den Grund auflockern. Mit Skurrilitäten im Sinn inszeniert der Regisseur und Bühnenbildner damit einen magischen Blick in die Unterwelt der Maulwürfe.

Teil des Festivals wird außerdem eine vielversprechende Lecture-Performance sein: Der französische Soziologe und Wissenschaftshistoriker Bruno Latour, der besonders mit seiner Akteur-Netzwerk-Theorie die Diskurse der Siebzigerjahre weltweit auffrischte, untersucht in Inside gemeinsam mit der Regisseurin Frédérique Aït-Touati das Verhältnis von Mensch und Umwelt. Auch der Zoologe, Philosoph und SPEX-Autor Cord Riechelmann untersucht in seinem Eröffnungsvortrag am 26. September im HAU2 das Potenzial von Maulwürfen und ihr reales Leben für (nicht-)menschliches Zusammenleben.

Außerdem spielt die japanische Komponistin und Schlagzeugerin Midori Takada zum Eröffnungsabend ein spannendes Konzert aus Ambient und Minimal – das wiederum mit dem Verhältnis von Instrument und Transzendenz und den Grenzen zwischen ostasiatischen Musiktraditionen und Jazz spielt.

Der Maulwurf macht weiter. Tiere / Politik / Performance.
26.09. – 08.10. Berlin – HAU Hebbel Am Ufer

SPEX verlost 3×2 Karten für das Eröffnungskonzert von Midori Takada am 26.09. im HAU1 sowie 3×2 Karten für Philippe Quesnes Stück Die Nacht der Maulwürfe am 28.09. im HAU2. Zur Teilnahme einfach eine Mail mit dem vollständigen Namen und dem Betreff „Eröffnungskonzert Maulwurf“ bzw. „Theater Maulwurf“ an gewinnen@spex.de senden.

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