Gebrüder Teichmann „Lost On Earth“ / Review

Lost On Earth zerfällt an keinem Punkt in seine Einzelteile, sondern bildet trotz der weltweiten Einflüsse eine Einheit. 

Schon sechs Jahre ist es her, dass die Gebrüder Teichmann ein Album unter ihrem Namen vorgelegt haben. Damals noch auf ihrem Label Festplatten und in einigermaßen vertrauter Techno-Tradition. Inzwischen ist einiges geschehen bei Andi und Hannes Teichmann. Vor allem sind die beiden viel gereist, haben Projekte in Afrika, Asien und Lateinamerika gestemmt, darunter Blnrb und Ten Cities. Im Jahr 2015 kam dann ihr neues Label Noland hinzu, auf dem sie mit Karachi Files ihren Einstand gaben, einer Zusammenkunft von elektronischen Musikern aus Pakistan, Deutschland und den Malediven.

Der Titel ihres dritten Albums, Lost On Earth, gibt damit weniger eine Richtung vor, als dass er eine Ortsbestimmung liefert. Die Teichmänner wohnen nach wie vor in Berlin, ihre Musik entsteht hingegen im Austausch mit Kollegen in den USA (House-Produzent Abe Duque), Nigeria (Afrobeat-Perkussionist Wura Samba) oder Mexiko (das Elektronik-Duo Signal Deluxe).

Die mutwillige Zerstreuung bekommt ihnen gleichwohl gut.

Ohne die Unterstützung des Goethe-Instituts bei den diversen Vorhaben wäre Lost On Earth in dieser Form vermutlich nicht zustande gekommen. Das Album zeigt dabei vor allem, wie sich die Offenheit der Brüder, die schon mit Festplatten einen unorthodoxen Ansatz gegenüber etwaigen Club-Konventionen pflegten, in immer neuer Form ihren Ausdruck sucht. Sie verlassen sich nicht auf erprobte Routinen, sondern halten Augen beziehungsweise Ohren stets offen.

Selbstverständlich ist der globale Austausch unter elektronischen Musikern kein neues Phänomen mehr. Doch die Konsequenz, mit der die Teichmänner nicht nur Dateien um den Globus schieben, sondern auch sich selbst von Kontinent zu Kontinent bewegen, um an immer neuen Orten zu arbeiten, ist bemerkenswert. Die unterschiedlichen Einflüsse hört man den Stücken naturgemäß an, es geht mal stärker hierhin, mal stärker dorthin. Lost On Earth zerfällt dabei an keinem Punkt in seine Einzelteile, sondern bildet trotz der weltweiten Einflüsse eine Einheit. Verloren gegangen sind die beiden auf ihren Reisen also doch nicht. Die mutwillige Zerstreuung bekommt ihnen gleichwohl gut.

 

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