Fragen zum Hier und Jetzt: „Why Are We Here Now?“ im HKW Berlin

Filmstill aus: Rania Stephan, "Train-Trains (Where’s the Track)", 1999.

Die interdisziplinäre Reihe Why Are We Here Now? beginnt kommenden Freitag im Haus der Kulturen der Welt in Berlin. An drei Wochenenden werden die gesellschaftspolitischen Transformationen des Osmanischen Reichs, die den südlichen und östlichen Mittelmeerraum noch heute prägen, näher betrachtet.

Wie kann die Vergangenheit im Hier und Jetzt eingeschrieben werden – und zwar nicht als Relikt, sondern als Teil unserer gelebten Erfahrung? Die Kuratorinnen Adania Shibli, Mohammad Al Attar und Rabih Mroué nehmen sich dieser Frage in der interdisziplinären Veranstaltungsreihe Why Are We Here Now? im Berliner Haus der Kulturen der Welt an. An drei Wochenenden werden die Transformationsprozesse des letzten Jahrhunderts im südlichen und östlichen Mittelraum aus politischer, kultureller und sozialer Perspektive beleuchtet. Das Augenmerk wird dabei jedoch nicht auf den fast schon gängigen Dreisatz von Fortschritt-Zivilisation-Orientalismus gelegt. Vielmehr geht es darum, das scheinbar Nebensächliche, das kaum Erzählte, das wenig Erwähnte in den Fokus zu rücken.

Der Zug als bedeutungsträchtiges Transportmittel, über das verschiedene Felder und Etappen der Kulturgeschichte immer wieder stolpern, steht unter anderem im Fokus – als Sammelpunkt, Verbindungsglied oder Verkörperung von Sehnsuchtsorten und Schlüssel zu einer besseren Zukunft. Die Kulturwissenschaftlerin und Autorin Adania Shibli hört in After The Wildly Improbable den Schienen genauer zu. Das Projekt widmet sich zwei unvollendet gebliebenen Großprojekten, die das Osmanische Reich mithilfe des Deutschen Reiches im späten 19. Jahrhundert begann.

Zum einen sollte ein Eisenbahnnetz geschaffen werden, das Berlin mit Bagdad verbindet. Zum anderen sollte die sogenannte Hedjaz-Bahn von Damaskus bis Mekka, mit weiteren Bahnlinien bis nach Jerusalem und Alexandria entstehen. Theoretiker, Autoren und Bildende Künstler kommen bei After The Wildly Improbable zusammen, um ebenjenen Schienen eine Stimme zu geben und ihre gesellschaftspolitische Bedeutung aufzuzeigen. Im Rahmen dieser Veranstaltung präsentiert der Klangkünstler Sair Sinan Kestelli am 16. September mit Poles Re-Mediated eine Klanginterpretation der Berlin-Bagdad- und Hedjaz-Bahnen, das sich der Dynamik der Polarisierung verschreibt und hierarchische Strukturen zum Ausgangspunkt nimmt – der des Osmanischen Reichs ebenso wie die der Gegenwart.

An den darauffolgenden Wochenenden setzen der Dramatiker Mohammad Al Attar sowie der Künstler Rabih Mroué die Serie im HKW fort: Al Attar fragt in Aleppo. A Portrait of Absence nach Möglichkeiten der Stadtrekonstruktion durch Erzählungen von Einwohnern. Mroué widmet sich in How Close Could We Get to the Light and Survive? neuen Kunstformen zur Erfassung der Komplexität der Geschichte.

Why Are We Here Now?
15.09. – 07.10. Berlin – Haus der Kulturen der Welt
Weitere Infos sowie Tickets gibt’s hier.

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