Lee Ranaldo „Electric Trim“ / Review

Lee Ranaldo zieht auf Electric Trim alle Register des Indierocks, verwebt elektronische Beats und Samples mit seiner unverwechselbaren Gitarrenarbeit.

Bei der neben Big Black und Hüsker Dü wichtigsten amerikanischen Indieband Sonic Youth verschwand Lee Ranaldo als Gitarrist stets hinter dem schillernden Ex-Pärchen Kim Gordon und Thurston Moore – für mich ungerechterweise. Er und Drummer Steve Shelley waren ja keineswegs bloß die zurückgestellte Rhythmusgruppe. Gerade live zeigte sich, wie sehr die wall of sound der Band auf Ranaldos Ideen gebaut war. Die standen ebenso für das Experimentelle wie für Ausflüge ins Folkige oder Countryeske.

Ranaldo dreht befreit auf.

Vor einigen Jahren stand Ranaldo plötzlich in einem engen Aufzug auf dem Madeira-Dig-Festival sympathisch grüßend neben mir. Der dazugehörige Auftritt: Eher langweilig, abgesehen von seiner Präsenz. Letzteres bewies er anschließend auf Between The Times And The Tides und Last Night On Earth, seinen beiden jüngsten Soloalben. Sie zeigten, was für tollen Pop Ranaldo machen kann. Einer Trilogie ähnelnd setzt Electric Trim diese Tendenz fort. Mal psychedelisch ausufernd in „Moroccan Mountain“, mal traditioneller in „Uncle Skeleton“, mal zurückgenommen trauernd wie in „Last Looks“ mit Sharon Van Etten, mal zwischen Beatles, Beach Boys und eben Sonic Youth in „Circular (Right As Rain)“ und „New Thing“. Ranaldo zieht alle Register des Indierocks, verwebt elektronische Beats und Samples mit seiner unverwechselbaren Gitarrenarbeit.

Vielleicht wurde der damals schon grauhaarige Ranaldo zu Sonic-Youth-Zeiten auch von allen übersehen, weil eine halbe Generation in Kim Gordon verliebt war. Während von der Bassistin jedoch zumindest musikalisch nicht mehr viel zu hören ist, dreht Ranaldo heute befreit auf.

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