Lali Puna „Two Windows“ / Review

Nach gut 20 Jahren Bandgeschichte wird es bei Lali Puna noch mal richtig spannend – oder überhaupt erst mal.

Ein Kylie-Minogue-Zitat, ein Kings-Of-Leon-Cover – nur zwei von einigen unerwarteten Details auf dem fünften Album von Lali Puna. Die einschneidendste Veränderung jedoch: Bassist Markus Acher ist nicht mehr dabei. Dennoch sollte man Two Windows nicht als einen Neustart betrachten. Eher als einen durchdachten Prozess mit vielen Häutungen, der ganze sieben Jahre dauerte. Vorläufiges Endergebnis: Sängerin Valerie Trebeljahr emanzipiert sich von sich selbst und ihre Band gleich mit.

mehr Körper – im übertragenen wie buchstäblichen Sinn.

Die Beats des Titeltracks machen deutlich, dass Lali Puna tanzen wollen. Nicht enthemmt und zügellos, aber tanzen. Ihr vertrauter, leise klickender Trademark-Sound war zuletzt auf dem Vorgängeralbum Our Inventions ein bisschen zu wattig und erwartbar geworden, insgeheim hatte man die Band schon ad acta gelegt. Two Windows dagegen beginnt forsch und für Lali-Verhältnisse regelrecht technoid, was im sanften „Deep Dream“ (der Song mit Kylies Worten, „I should be so lucky in love“) zwar wieder zurückgefahren wird, aber dennoch: Dieses Album hat definitiv mehr Körper, im übertragenen wie buchstäblichen Sinn.

Zum Beispiel hat Trebeljahr eine Menge Gastmusikerinnen eingeladen: Dntel alias Jimmy Tamborello, Mary Lattimore, Harfenistin Midori Hirano und Keith Tenniswood vom Duo Two Lone Swordsmen, der als Radioactive Man den hallverliebten Clubtrack („Birds Flying High“) begleitet. Es war nie Valerie Trebeljahrs Intention, den Hörern mit expliziten Worten und Tönen zu nahezutreten, weshalb das Stück „Wonderland“ ungewohnt resolut rüberkommt: Die Stimme kein Hauchen mehr, sondern fest und klar, die Lyrics unmissverständlich: „All things will change / ’Cause all things must change“. „The Bucket“ von Kings Of Leon wird in Lali Punas Interpretation zum poppigen Tanzhit inklusive Genderblending. Nach gut 20 Jahren Bandgeschichte wird es bei Lali Puna also noch mal richtig spannend – oder überhaupt erst mal.

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