Lunice „CCCLX“ / Review

Mit seinen Interferenzen wird CCCLX zu einem eindrucksvollen und kohärenten Plädoyer für die Verbindung von Rap und Clubmusik.

Lunice setzt sich bewusst zwischen die Stühle. Der Produzent aus Montréal kombiniert seit 2009 bassschwangere Clubmusik-Genres mit Hip-Hop. Dazu überzeugt er mit Live-Sets, bei denen er sich mit Breakdance-Einlagen als Performer inszeniert. Außerdem hat er 2012 zusammen mit Hudson Mohawke als Tnght Dance-Music-orientierte Blaupausen dafür geliefert, was später zu Trap aufgepumpt wurde.

Der Kitt: Lunices tiefe Verbundenheit mit dem rhythmischen Genom des Rap.

Doch statt bei EDM-Festivals für die Massen zu spielen, nutzte Lunice den Aufmerksamkeitsschub von Tnght für Kontakte zu Rap-Schwergewichten wie Kanye West, 2 Chainz oder Lil Wayne. Als Produzent blieb er dabei im Hintergrund, Solotracks waren Mangelware. Dem schafft er nun mit seinem Debütalbum CCCLX Abhilfe. Der Opener, dem Konzept des Albums als Theaterstück entsprechend „Costume“ genannt, beginnt mit einem langsamen Vierviertel-Beat, bevor schwelgerische Zuckerwatten-Synthesizer und cheesy E-Gitarrenakkorde Euphorie verbreiten. Ohne Scheu gleitet Lunice danach von einem Clubmusik-Entwurf zum anderen, er zitiert Jersey Club, Dubstep oder Footwork. Der Kitt: Lunices tiefe Verbundenheit mit dem rhythmischen Genom des Rap. Den buchstabieren MC-Gäste wie CJ Flemings, Le1f oder Denzel Curry aus, mit Wortkaskaden, die sich elegant über die Instrumental-Hybride bewegen. Schwergliedrige Beats treffen etwa in „Elevated“ auf melancholische Melodien, bedrohlich brummende Bässe und schizophrene Zeilen der MCs.

Mit hellen, ausgreifenden Klängen öffnet Lunice immer wieder die dichten Konstrukte zu opulenten Flächen. Das führt bei ihm aber nicht zum fast unvermeidlichen Drop, wie man ihn vom Trap kennt. Stattdessen schöpft er die Mittel von Rap und Clubgenres aus, um unaufgeregt feine Nuancen zu erzeugen. Diese Interferenzen machen CCCLX zu einem eindrucksvollen und kohärenten Plädoyer für die Verbindung von Rap und Clubmusik.

 

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