Sparks „Hippopotamus“ / Review

Altern in Würde: Auf Hippopotamus besingen Sparks nach einer schönen Eröffnungsminiatur über Altersvergesslichkeit die Vorzüge der komfortablen Missionarsstellung – nach Jahren mühseligen Experimentierens mit „Avantgarde“-Sexstellungen.

Das kalifornische Brüderpaar Ron und Russel Mael alias Sparks befindet sich längst im Rentenalter, zeigt aber keinerlei Intention, in Rente zu gehen – zum Glück! Nachahmen sollte sie allerdings keiner: Es ist zu bezweifeln, dass es irgendjemandem sonst gelingen könnte, dekadenlang Unmengen ironischen Kabarett-Kunstpops zu ersinnen, diesen stets sehr nah an der Peinlichkeit vorbeizusteuern und dabei auch noch in Würde zu altern. Wie schaffen sie das?

Einerseits sind sie versatil: Zuletzt gab es Kollaboration mit Franz Ferdinand, zuvor überraschten sie mit einem sperrigen Konzept-Musical über Ingmar Bergman. 2008 führten sie in London alle ihre bis dahin 21 Alben chronologisch auf, sie hatten von den Siebzigern bis in die Neunziger Hits, klangen mal nach Glamrock, mal nach Disco, mal nach Elektropop, aber immer nach Sparks. Natürlich sahen sie immer hervorragend aus, Russell der falsettschmetternde, flamboyante Frontmann, Ron die steife Religionslehrerkarikatur am Klavier.

Sparks sind nicht humorig. Sie haben Humor.

Andererseits sind sie nicht, wie viele Kabarett-Kunstpop-Nachahmer, humorig, sondern: haben Humor. Wichtiger Unterschied! Auf ihrem neuen Album Hippopotamus besingen sie nach einer schönen Eröffnungsminiatur über Altersvergesslichkeit die Vorzüge der komfortablen Missionarsstellung – nach Jahren mühseligen Experimentierens mit „Avantgarde“-Sexstellungen. Altern in Würde!

Dabei bildet Hippopotamus eine Rückkehr zu einer Art klassischem Sparks-Sound, die Glamrock-Backing-Band ist wieder da, die Elektropopmomente aber nicht ganz weg. Und die um ihre billige Pompösität wissenden Midi-Orchester-Arrangements strahlen in all ihrer Schauderhaftigkeit wie lange nicht mehr. Natürlich ist der Akkordeon-Walzer „When You’re A French Director“ ein Ausfall ins Humorige, doch braucht es so etwas, um all dem Gelungenen drum herum (siehe Titelstück „Hippopotamus“, eine Art „Rat In My Kitchen“ für kultivierte Angelenos) mehr Würze zu verleihen. Die Sparks sind sich nicht zu schade, den Pop-Geschmäckler zu verstimmen, mit anderen Worten: Sie sind clever, aber nicht cool. Alle vernünftigen Menschen hassen Coolness und lieben somit Sparks, gerade auch die alternden (Menschen und Sparks).

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