Mount Kimbie „Love What Survives“ / Review

Rückblickend mögen frühere Experimente als Findungsphase auf dem Weg zu ihrem heutigen Popverständnis erscheinen. Doch von derlei Pop gibt es bereits genug.

Es war mal ein Duo, das hieß Mount Kimbie und gehörte zu den aufregendsten Formationen, die der Dubstep in seiner kommerziellen Hochphase ans Tageslicht beförderte. Auf den beiden ersten EPs Maybes und Sketch On Glass bewegten sich Dominic Maker und Kai Campos in alle Richtungen gleichzeitig, klangen offen und verschroben, catchy und sperrig. Das Debütalbum Crooks & Lovers bestätigte das. Notgedrungen einigte man sich auf das Etikett „Post-Dubstep“, um die Sache einzusortieren.

unterschiedlichste Einflüsse – vermischt in losen Songformaten.

Inzwischen hat sich die Sache mit dem Dubstep weitgehend erledigt, einige der Protagonisten von damals verdingen sich heute mit leicht verschobenem House und Techno, andere haben sich auf Songarbeit verlegt. Wie etwa Mount Kimbie, die mittlerweile unterschiedlichste Einflüsse in losen Songformaten vermischen, die man wahlweise mehr als Tracks oder als Motorik-Jams mit Gesang betrachten kann. Schlecht klingt das keinesfalls. Auch bei der Auswahl ihrer Mitstreiter zeigen sie sich vielseitig interessiert, verpflichteten etwa erneut den jungen Soul-Barden King Krule, der schon auf ihrem zweiten Album Cold Spring Fault Less Youth von 2013 sang, oder überlassen der Sängerin und Produzentin Andrea Balency das Mikrofon in einer Nummer, deren geradliniger Beat an Stereolab erinnert. Ihr alter Post-Dubstep-Weggefährte James Blake kommt gleich zweimal zum Zug, darunter ein Song, der klingt, als hätte Brian Wilson versucht, sein Innenleben zu vertonen.

Das ist gut gemacht, gut ausgesucht und ergibt als Album durchaus Sinn. Doch bei aller Flexibilität hat ihr an Krautrock und Postpunk geschulter Sound nur noch wenig von der Entdeckungsfreude, die ihn anfangs charakterisierte. Rückblickend mögen Makers und Campos’ frühere Experimente als Findungsphase auf dem Weg zu ihrem heutigen Popverständnis erscheinen. Doch von derlei Pop gibt es bereits genug. Zukünftiges sucht man darin vergebens.

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