„Ich möchte exakt das Gleiche wie meine männlichen peers!“ – Jane Weaver im Interview / Neue EP

Foto: Rebecca Lupton

Space is the place für Jane Weaver: Bevor sie sich auf ihrer Ende Oktober erscheinenden neuen EP The Architect der Baukunst annimmt, widmet sich die Künstlerin aus Liverpool auf ihrem aktuellen Album Modern Kosmology den Sternen all dem, was man darin so finden kann. Für SPEX hat sie sich vorübergehend zurück auf ihren Heimatplaneten begeben, um über weibliche Pionierarbeit, Sexismus in der Musikindustrie und kreative Séancen zu sprechen. Und über Teile ihres Gehirns, die sie lieber unangetastet lässt.

Der Opener Ihres aktuellen Albums Modern Kosmology, „H.A.K.“, steht als Akronym für die schwedische Künstlerin Hilma Af Klint. Sie ist eine Pionierin des 20. Jahrhunderts, der nachgesagt wird, sie habe abstrakte Malerei mit aus der Taufe gehoben. Von ihr haben heutzutage aber nur wenige Menschen gehört. Wie wurde Af Klint zu einer derart prominenten Figur auf Ihrem Album?
Ich bin beim Herumblättern in Kunstbüchern auf sie gestoßen, allerdings erst sehr spät, als ich schon mitten in den Aufnahmen zum neuen Album steckte. Ihre Geschichte hat mich stark beeindruckt. Ich interessiere mich sehr dafür, wie andere Menschen Kunst erschaffen – Musikerinnen sowieso, aber auch Malerinnen, Architektinnen oder Filmemacherinnen. Ich möchte heute wieder so Musik machen, wie ich früher gemalt habe.

Was genau bedeutet das?
Ich schreibe schon so lange Musik, ich musste mir neue Wege erschließen kreativ zu sein. Bevor ich Musikerin wurde, war ich auf der Kunsthochschule und wollte bildende Künstlerin werden. Aber dann erhielt ich mit 19 einen Plattenvertrag, und das war’s dann mit dem Malerinnendasein. Jetzt zieht es mich nach all den Jahren zurück zur Malerei, ich will diese Seite meiner Kreativität weiter erforschen, weil ich sie sehr lange vernachlässigt habe. Als ich das Material für das neue Album geschrieben habe, wollte ich meine Freiheit und Spontaneität wieder entdecken – nicht einfach rumsitzen, Gitarre raus, Song schreiben. Die Stücke, die mir durch den Kopf geistern und in etwas Hörbares übersetzt werden wollen, sind zunächst wie fantastisch schöne Bilder. Häufig ist das Ergebnis dieser Übersetzung aber extrem enttäuschend. (lacht) Nicht ansatzweise so lebhaft und Technicolor wie vorher in meiner Vorstellung.

„Die Stücke, die mir durch den Kopf geistern und in etwas Hörbares übersetzt werden wollen, sind wie fantastisch schöne Bilder. Häufig ist das Ergebnis der Übersetzung aber extrem enttäuschend.“

Da Sie gerade von ‚lebhaft‘ und ‚Technicolor‘ sprechen, möchte ich noch einmal kurz auf Hilma Af Klint zurückkommen. Was genau an ihrer Geschichte hat Sie so stark angesprochen?
Diese Frau war da, bevor alle anderen da waren. Es ist einfach verrückt, dass man sie nicht kennt. Es war natürlich die patriarchale Gesellschaft, die sie aus dem Bild geschnitten hat. Wer weiß, vielleicht waren die Kandinskys und Mondrians schlicht die besseren Spin Doktoren ihrer eigenen Werke. Aber sie waren es auch, die unberechtigterweise die gesamte Glaubwürdigkeit ihrer Pionierleistung gepachtet haben.    

Kommt einem irgendwie bekannt vor…
Später ist Af Klint ein wenig von der Bahn abgekommen, nicht wahr? Sie sah sich gezwungen ihre Bilder im Geheimen zu malen, gründete zusammen mit anderen abstrakten Künstlerinnen eine geheime Gesellschaft (Anm. d. Autorin: The Theosophical Society, 1875) und dort nutzten sie Séancen und Spiritualismus, um Energien zu channeln, die in ihre Bilder fließen sollten. Später hörte Af Klint Stimmen im Kopf, die ihr diktierten, wie sie zu malen hat. Am Ende hatte sie panische Angst, in einer psychiatrischen Anstalt weggesperrt zu werden, und veranlasste, dass man ihre Bilder nach ihrem Tod 20 Jahre lang nicht sehen durfte. Man hat sie 40 Jahre lang nicht gesehen… Hilma Af Klints Geschichte lässt sich einfach ziemlich gut erzählen, finden Sie nicht?

Haben Sie Erfahrung mit Kreativität steigernden Séancen?
(lacht) Nein. Ich habe mich aber von ihren Versuchen in automatischem Schreiben und automatischem Zeichnen inspirieren lassen. Und ich glaube, ich wollte außerdem irgendwie übertragen, wie sich Menschen im viktorianischen Zeitalter Wissenschaft visuell vorgestellt haben, was ja auch sehr wichtig für Af Klint war. Die Entdeckung des Magnetismus zum Beispiel – die Leute damals müssen geglaubt haben, das sei alles Geisterbeschwörung, reiner Mystizismus. Das finde ich ungeheuer spannend.

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